Michaela Merz

Ausflug zu Karl Huss nach Schloss Kynzvart

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Karl Huss wurde am dritten Januar 1761 in eine Henkersfamilie in Most geboren. Ein Henker zu sein war kein einfaches Schicksal. Henker und ihre Familien wurden verachtet und eine Frau zu finden war schwierig ausser wenn es eine Tochter aus einer Henkersfamilie war.

Als Kind eines Henkers einen anderen Beruf als der des Henkers zu erlernen war unmöglich. Karl war klug und talentiert und so schickte sein Vater ihm ins Gymnasium, die Schikanen von Schulkollegen und Lehrern steigerten sich bis zur Unerträglichkeit und so musste der 11-jährige die Schule verlassen. Er wurde durch Privatlehrer weiter unterrichtet. Er erlernte den Beruf seines Vaters. Mit 15 Jahren vollzog er seine erste Hinrichtung. Wie die historische Quelle sagt – “mit Geschick”. Im Sommer 1779 kam er nach Cheb, um seinem alten Onkel, der ebenfalls Henker war, zu helfen. Er blieb die nächsten 47 Jahre. Da er sich sehr viel Wissen über Krankheiten und ihre Heilung angeeignet hatte, wurde er bald zu einer berühmten Persönlichkeit. Er wurde in die angesehenste lokale Familie gerufen um zu helfen. So lernte er die Tochter des Bäckermeisters Eberle, die Sophie, die 20 Jahre älter war als er, kennen. Es muss Liebe auf ersten Blick bei beiden gewesen sein. Die Familie von Sophie weigerte sich heftig gegen die Heirat: Und bekämpfte die Verbindung der zwei das ganze Leben. Da keine Möglichkeit bestand, dass der Vater von Sophie je zu einer Hochzeit der zwei zustimmen würde, entführte Karl in einer sehr abenteuerlichen Aktion (über die ich leider keine historische Details finden konnte) Sophie von ihrem zu Hause und heiratete sie.

Da jetzt beide unerwünscht waren, lebten sie im Henkers Haus an den Grenzen der Stadt bei der Stadtmauer. Die zwei lebten für sich, ohne Kinder, ausgestossen aus der Gesellschaft. Karl heilte und für seine Tätigkeit bekam er auch alte (ungültige) Münzen, die er begann zu sammeln. Er wurde ein grosser Sammler und seine Sammlung wurde über die Grenze bekannt. Einer der Besucher dieser Sammlung war auch J.W.Goethe. Neben seiner Arbeit schrieb Karl Huss auch Bücher und war auch ein sehr guter Illustrator.

Im Jahre 1824 starb seine Frau Sophie und Huss machte sich sorgen, was mit seiner Sammlung passieren würde. Die Stadt Cheb zeigte kein Interesse an seiner Sammlung und so bot Huss seine Sammlung Fürst Metternich, einem ebenfalls leidenschaftlichen Sammler, an. Fürst sagte zu und so kam die Sammlung zu Schloss Kynzvart. Huss bekam 300 Gulden jährlich für Rente, Unterkunft mit Heizung und die Stelle des Kurators. Mit 78 Jahren starb er.

Und diese Sammlung von Kuriositäten haben wir besucht. Man sieht so einiges wie zum Beispiel die Tasche von Madame Pompadour, Krystalle, ausgestopfte Tiere, Waffen, eine Mumie und vieles, vieles mehr. Das Schloss von Fürst Metternich ist beeindruckend und der Schlossgarten mit Golfplatz und riesen grossem Park mit altem Baumbestand und einigen überraschenden Bauten wie Waldkapelle, Altar, Treppen sind spannend zu entdecken. Im herbstlichen Oktober mit prächtigen Farben und Pilzen bei jedem Schritt waren einfach herrlich. Wenn ihr ein Ausflugsziel sucht, wo die Geschichte und die Natur einiges zu bieten haben, ist Schloss Kynzvart ein guter Ort für ein Wochenende.

Die Geschichte über Karl Huss und sein aus der Gesellschaft ausgestossen sein hat leider seine Gültigkeit bis heute. Wer weiss was aus Huss geworden wäre, wäre er in eine Fürstenfamilie geboren. Und wer weiss, vielleicht erlaubte die Zeit die Huss gezwungenermassen hatte, weil ihn alle mieden ausser man brauchte ihn, ihm so sein Wissen zu sammeln. Übrigens gibt es in den zwei Sälen der Schlossbibliothek in den Büchern das gesamte damalige Wissen. Das regte uns zu langen Diskussion an, dass sich die schlechten menschlichen Eigenschaften nur langsam ändern, dass das Wissen sich jedoch mit wahnsinniger Geschwindigkeit vervielfacht wird. Viel Spass beim Entdecken.

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