Michaela Merz

Kreuzfahrten

2 Comments

Als mein jüngster den Wünsch äusserte in den Ferien eine Kreuzfahrt zu machen, war ich der Idee gegenüber extrem negativ eingestellt. Was soll ich, eine freiheitsliebende, auf Individualität bedachte Person eingequetscht auf engen Raum mit tausendend Anderen tun? Da werde ich spätestens nach 24 Stunden Wahnsinnig. Die Vorstellung, dass mir es überhaupt nicht gefällt und das ich dann nicht mal aussteigen kann, war einfach grauenhaft. Ich war nur einmal auf einem Tanzschifft. Da war ich sehr jung. Ich habe es grauenhaft gefunden und habe mir geschworen, nie mehr wieder ein grosses Schiff zu betreten.  Es ist nicht, dass ich ein Problem mit Schiffe habe. Ich liebe das Segeln, das Wasser und eigentlich kann ich nicht genug davon kriegen. Aber ein grosses Schiff was sich träge bewegt und in welchem man quasi gefangen ist, war mir ein Grau. Kreuzfahrtschiffe scheinen mir wie Ameisenhaufen mit einem Wassergraben, die ihre einzelnen Mitglieder versorgen aber gleichzeitig diktatorisch beherrschen.

So meine Jüngste wollte eine Kreuzschifffahrt unternehmen und ich wollte schon seit Jahren nach Island. Und dann sah ich ein Inserat; Eine Kreuzfahrt im Norden mit Umrundung von Island genau während seiner Sommerferien. Ich wollte unbedingt nach Island aber die Vorstellung, dass ich eine Umrundung des Landes mit dem Auto machen muss und unzählige Kilometer hinter dem Lenkrad sitzen muss, war ähnlich abstossend wie eine Kreuzfahrt. So schien mir der Kompromiss rund um Island mit einer Kreuzfahrt als das kleinste Übel und gleichzeitige Erfüllung zweier Träume auf einmal.

Ich habe einige Dokumentationsfilme über den ökologischen Einfluss und die Behandlung von Personal auf Kreuzfahrten im Voraus geschaut. Meine Bedenken wurden nicht kleiner, sondern eher grösser. Da habe ich bereits die Zahlung gemacht hatte war es klar, dass wir fahren werden.

Stellt euch vor ein 18-stöckiges Gebilde mit Theater, Casino, unzählige Bars mit oder ohne Piano, Clubs, Discos und Restaurants, Theater, drei Swimmingpools, Fitnesszentrum, Sauna, Kino, Virtual world, Sportsclub, Schönheitssalon usw. Kabinen gibt es für jede Preisklasse, Apartments wie kleine Wohnungen, mit Balkon, mit Fenster und auch ohne Fenster in innere des Schiffes. Wir waren fast 7’000 Leute an Bord, davon 5’000 Gäste. Für jeden war etwas da. Für die. die Orte kennenlernen wollten – für die gab es voraus Vorträge mit sehr spannenden Informationen und Möglichkeit unzählige Ausflüge von Ort zu buchen. Für die, die es sich gut gehen lassen wollten – relaxen, eine Massage, sonnenbaden auf dem obersten Deck, bis spät in die Nacht tanzen oder in der Bar trinken und dann erst kurz vor 11 Uhr frühstücken zu gehen. Sportfanatiker konnten an Land den Tag mit Velo oder Kajak fahren verbringen und mit einem persönlichen Trainer in den Morgenstunden ihre Kondition verbessern. Man konnte sich einfach treiben lassen und nichts tun, nur sich unterhalten lassen – Bingo spielen, Tausend andere Spiele spielen, jeden Abend in Theater auf eine Vorstellung, und Shopping ohne Ende betreiben. Man konnte Anschluss suchen und sich zu einem diesen organisierten Treffen von Gehörlosen, Familie mit Kindern, Alleinerziehende usw. gesellen, man konnte für sich bleiben und sich absondern und ruhige Ecken suchen. Wir haben italienisch gelernt und paar sehr spannende Tischnachbarn kennengelernt. 

Wichtig war essen – es hat es Essen ohne Ende in Überfluss und in sehr hoher Qualität von 6 Uhr am Morgen bis Mitternacht gegeben. Man konnte sich selber bedienen, sich bedienen lassen, ein schickes Restaurant aussuchen oder auf dem eigenen Balkon frühstücken. Berge von Essen wurden täglich vorbereitet, vertilgt und ebenfalls entsorgt. Die Unverschämtheit bestimmter Leute zu schöpfen bis auf dem Teller kein Platz mehr war und dann die Hälfe stehen zu lassen hat es hier geben, wie überall wo das Konzept alles Inklusive was essen anbetrifft herrscht.

Die Getränke musste man selber zahlen. Und es ist fast überflüssig zu sagen, dass reichlich Alkohol geflossen ist.

Ich war jeden Tag durch die perfekte Organisation aufs Neue beeindruckt. Stellt euch vor, ihr müsst 7’000 Leute auf engstem Raum verpflegen, die Abfälle entsorgen, fast alle Passagiere täglich auschiffen und wieder «onboarden». Es ist nie was schiefgegangen. Alles hat tadellos geklappt und das Warten hielt sich sehr in Grenzen. Erstaunlich. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden tadellos befolgt und immer eingehalten. Mein Jüngster (12 Jahre) hatte keine Chance die Schiff ohne meine Begleitung zu verlassen, bei jedem Onboarden wurde jeder Passagier und jedes Gepäckstück kontrolliert, damit nichts Gefährliches am Board kommt. Ebenfalls wichtig waren die hygienischen Vorschriften. Stellt euch vor auf so einem Schiff bricht eine Magen-Darm-Grippe aus. Hände waschen war wie ein Gebet und offensichtlich sehr erfolgreich.

Das einzige was mich störte (abgesehen von einzelnen unverschämten Gästen – aber solche gibt es überall) war das ziemlich penetrante Verkaufsverhalten. 1 Minute Massage gratis, Fotos, Schmuck, Parfüme mit Aktionen. Aber ich weiss, wir waren nicht mit einem gemeinnützigen Verein sondern mit einer profitorientierten Gesellschaft unterwegs.

Kurz zusammengefasst, ich kann das Konzept empfehlen – man geht am Abend schlafen und am Morgen ist man an einem neuen unbekannten Ort und kann ihm erkunden. Am Abend kommt man zurück, muss man nicht packen und sich überlegen: «Wie fahre ich morgen weiter?». Es hat mich sehr an meine Zug Reise erinnert als ich mit anfangs 20 mit dem Zug unterwegs durch Europa war. Wir hatten ein Schlafwagon und fast jeden Morgen sind wir in einer anderen Stadt erwacht und konnten Sie erkunden. Von Konzept ähnlich, bei der Bequemlichkeit ist das Schiff allerdings überlegen.

So wenn ihr euch überlegt, was ihr in den nächsten Ferien machen will und ihr euch nicht sicher sein ob Kreuzfahrt wirklich das richtige für euch ist, ich kann sagen ich war sehr positive überrascht. Und sofern es noch spanende Reiseziele in der Zukunft geben wird, die ich erkunden will und wo Kreuzschiff eine Option ist, werde ich es mir ernsthaft überlegen.

2 thoughts on “Kreuzfahrten

  1. Liebe Michaela

    das war ja ein Volltreffer, aber wo bleibt denn dein ökologisches Gewissen wenn du schon an das nächste Mal denkst?
    LG Uta

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