Michaela Merz

Genossenschaftswohnung in Zürich

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Es war der Alptraum, als wir damals vor vielen Jahren als junge Familie mit sehr wenig Geld eine Wohnung gesucht haben. Das, was zu haben war, konnten wir uns nicht leisten und das, was wir uns leisten könnten, bekamen wir nicht. Unsere Ansprüche waren so bescheiden wie unsere finanziellen Möglichkeiten und trotz intensiver Suche schien es aussichtslos.

Als die Verzweiflung am Grössten war, tauchte ein Kollege auf, der nach seiner Scheidung aus einer alten, kleinen Genossenschaftswohnung wegziehen wollte. Wir hatten das wahnsinnige Glück, dass wir diese Wohnung übernehmen konnten. So habe ich Effretikon kennen und schätzen gelernt.

 

Erst mussten wir in monatlichen Zahlungen das Genossenschaftskapital ansparen. Das hat mehrere Jahre gedauert. Ich finde die Genossenschaftsidee grossartig. Ich fühle mich dazugehörig, obwohl ich schon lange nicht mehr in der Genossenschaft wohne. Ich traf dort tolle Leute. Wir feierten Feste gemeinsam, organisierten Hilfe, den Samichlausabend, Kindergeburtstage. Und irgendwie waren wir alle ganz ähnlich.

Obwohl ich dort nicht mehr wohne, blieb ich Mitglied inklusive dem finanziellen Beitrag, der jetzt Anderen zugutekommt. Es war jemand für mich da, als ich sie am Meisten brauchte, jetzt ist es an der Zeit es zurück zu zahlen.

Aber in der letzten Zeit begegnete ich per Zufall an drei verschiedenen Orten drei Genossenschaftern, die in Zürich wohnen. Die Löhne der Drei sind weit über dem Durchschnitt. Der Eine zog als mitteloser Student ein und blieb über all die Jahre. Der zweite zog zu seiner Freundin und der Dritte übernahm die Wohnung von seinem verunglückten Bruder. Sie alle lobten die Qualität des Wohnens, die zentralen Standorte und die tiefe Miete, die so auf dem freien Markt nicht zu finden sei. Alle Drei sparten im Jahr Hunderte respektive Tausende von Franken.

Das macht mich nachdenklich. Ich will nicht mit meinem Beitrag (egal wie klein) jemand unterstützen, der es alles andere als nötig hat. Ich will nicht Studierten, die in wohlhabenden Verhältnissen leben eine Unterstützung an ihre Hobbies oder Reisen geben. Ich will weiterhin meine Genossenschaft unterstützen, aber ich glaube ich muss etwas unternehmen gegen die Profiteure des Systems. Sie sollen bleiben, aber sie sollten mehr Beiträge finanzieller Art oder mit ihrer Zeit leisten, damit die unterstützt werden können, die es wirklich nötig haben. Oder wenn es nicht passt in den freien Markt umziehen.

So was durchzuziehen scheint schwierig, aber ich muss es versuchen. Weil ein Austritt aus der Genossenschaft, die mir sehr am Herzen liegt, kommt für mich nicht in Frage!

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