Michaela Merz

Unterwegs mit der Deutschen Bahn

2 Comments

Ich kenne mich in Deutschland nicht aus. Noch weniger kenne ich mich aber mit der Deutschen Bahn aus. Ich war mit meinem Jüngsten (10 Jahre alt) unterwegs von Hamburg Flughafen nach Föhr. Das hat bedeutet 4-mal umsteigen bis man am Ziel ankommt. Alles hat tadellos geklappt, alle Verbindungen verkehrten planmäßig, der Preis ist gemessen an der Leistung völlig in Ordnung. Trotzdem bin ich am Überlegen, mit der DB nie mehr wieder zu fahren sofern ich mit Gepäck reisen werde.

Wir waren zu zweit und hatten zwei schwere Rollkoffer jede um die 23 Kilo schwer. Mit Gepäck rechnet die Deutsche Bahn nicht und sofern ja, dann nur mit jungen kräftigen Männern die im Heben und Tragen schwerer Lasten geübt sind.

Auf dem Hauptbahnhof in Hamburg funktionierte der Lift zum Bahnsteig nicht. Das bedeutete 40 steile Treppenstufen. Wie machen das Mütter mit Kinderwagen? Oder Gehbehinderte? Sind sie nur in Begleitung unterwegs? Oder bietet die Deutsche Bahn Gepäckträger an? Wir haben keine entdeckt und so musste ich die zwei schweren Koffer nacheinander die Treppe hinauf schleppen.

Der Einstieg in den Wagon verlief ähnlich. Der Abstand zwischen Einstiegtreppe und dem Perron war beachtlich und die Treppe ins Wagoninnere sehr steil. Eine Frau die versuchte vor uns Ihre Koffer hochzuhieven kippte nach hinten und wurde durch mehrere Hände gehalten um schlimmeres zu verhindern. Ich wuchtete unsere zwei Koffer oben in den Waggon und war K.O. für die restliche halbe Stunde. Ich dankte meinem Schwimmtraining für meinen starken Rücken und die muskulösen Arme. Wie man das ohne diese Vorbereitung schafft ist mir unklar. Im Abteil gab es zu wenig Platz. Die Koffer mussten hoch über meinen Kopf, aber trotz meiner Kraft, schaffte ich es nicht ein Drittel meines Gewichtes über meinen eigenen Kopf zu hieven. Ich war nicht die einzige und somit war die Reise nicht wirklich bequem, da die Koffer Platz wegnahmen und einfach störten. Vielleicht sollten sich die Konstrukteure für die künftige Wagongeneration das reale Leben anschauen. Beim Umsteigen wiederholte sich die Szene mit dem Koffer jedes Mal aufs Neue.

Noch beschwerlicher war die Reise zurück. Man kann nicht einfach eine Bahnkarte kaufen und beliebig in den Fernzug einsteigen, sondern man kauft das Billet für einen bestimmten Zug um eine bestimmte Uhrzeit. Ich wollte auch ein Sitzplatz reservieren aber es gab keinen mehr. Ich nahm naiv an, dass somit die Plätze aufgehen werden. Schlussendlich weiss ja der Computer von wo nach wo alle die Leute fahren. Dem war leider nicht so. Abgesehen vom schwierigen Einstieg mit den beiden Koffern – aber da war ich schon seelisch vorbereitet und nach einer Woche Segeln gut trainiert – hat sich gezeigt, dass alle aber wirklich alle Plätze reserviert waren. Für die Koffer wurden wieder Plätze hoch unter dem Wagondach eingeplant und zum Stehen gab es in dem engen Gang kein Platz. Die nächsten vier Stunden stellten sich als ziemlich erlebnisreich dar. Jetzt endlich habe ich verstanden, warum mir beim Kauf des Tickets ein Sparbillet verkauft wurde. Die anderen hatten einen Sitzplatz. Ich habe 6 Euro gezwungenermassen gespart. Das hat sich wirklich NICHT gelohnt und wen ich es verstanden hätte, hätte ich das nie gemacht.

Wir wanderten durch den Zug und überall war die Situation gleich bis auf der letzte Wagon, der zur Hälfte für Fahrräder reserviert war. Da am Boden bei den Fahrräder haben wir uns niederlassen. Wir waren nicht die einzigen, sondern es hat sich dort ein kleines Lager mit sehr vielen Kindern aufgebaut. Langweilig und ruhig war es während der nächsten vier Stunden nie. Die Toilette war am Ende dieses Wagens und so kletterte ständig jemand über unsere Füsse und sogar der Schaffner ist mir schmerzhaft mit seinem 130 kg Gewicht auf den Fuss gestanden.

Aber unser Leiden hatte noch kein Ende gehabt. In dem Zug ist die Klimaanlage ausgefallen und die Fenster ließen sich nicht öffnen. Es war zum Ersticken. Gott sei Dank waren wir im hohen Norden mit Temperaturen um die 20 Grad und nicht in Griechenland mit bis zu 40 Grad.

Zum Kaufen gab es auch nichts, da im Speisewagon die Elektrizität ebenfalls ausgefallen ist. Wir waren sehr froh, dass wir die halbleere Wasserflasche mitgeschleppt hatten. Beim Aufstieg dann das gleiche Drama mit unseren schweren Koffern nochmals und der Spuk war vorbei.

Ohne die Deutsche Bahn würde es diesen Blogeintrag nicht geben, aber für mich war es wohl die letzte Fahrt mit der Deutschen Bahn, nächstes Mal nehme ich das eigene Auto.

2 thoughts on “Unterwegs mit der Deutschen Bahn

  1. Das mit dem Aufzug am Hauptbahnhof in Hamburg kennen wir – der hat bei uns schon nicht funktioniert als wir Ende Mai dort waren! Wir haben uns ja noch irgendwie helfen können nach einigem hin und her mit Buggy und Koffer, aber das Bizarre war, dass eine Frau mit Rollstuhl auf dem Bahnsteig “gefangen” war. Sie hatte einen elektrischen Rollstuhl (zu schwer zum tragen!) und stand hilflos in der Gegend rum. Sie war aus dem Zug ausgestiegen und konnte von dort nicht mehr weg. Florian hat dann an der Notrufsäule der DB um Hilfe angefragt. Die freundliche Stimme hat gemeint: Man kann der Frau nicht helfen, sie möge doch den nächsten Zug zur nächsten Haltestelle nehmen und dort aussteigen, weil dort funktioniert der Lift. Wir waren fassungslos!

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