Michaela Merz

Nordvirus

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Alle fahren nach Süden. Vor dem Gotthard gibt es 15 Kilometer Stau nach Italien. Es ist mir wirklich egal, da ich mich mit dem Nordvirus angesteckt habe und an die Nordsee gefahren bin.

Dies ist kein geeigneter Urlaub für diejenigen die für ihr Glück in den Ferien 30 Grad im Schatten und lauwarmes Meerwasser, dass keine Erfrischung mehr bietet, brauchen. An der Nordsee gibt es immer Wind, das Wasser im Meer hat 18 Grad und die Ebbe und Flut entscheiden darüber wann man überhaupt schwimmen gehen kann.

Es ist auch nichts für jemand der Chaos bevorzugt, da im hohen Norden alles, aber wirklich alles mit der deutschen Gründlichkeit geplant und organisiert ist. Der Abfall wird minutiös getrennt, die Strandabschnitte sind nach Nutzer verteilt – ein Hundestrandabschnitt, ein Sportler Strandabschnitt, Abschnitt für Drachenflieger, für FKK. Was macht ein FKK Fan mit einem Hund der ein Drachenfliegen will? Verzichten!

Ich bin als überzeugende Wiederholungstäterin wieder auf der Insel Föhr gelandet. Im Koffer Ausrüstung für Hochsommer und Herbst. Was für Wetter man kriegt, weiss man nie. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mindestens einmal in der Woche regnen wird ist irgendwo bei 97%. Das bedeutet aber so gut wie gar nichts. Das was diese kleine Insel die man mit dem Velo an einem Nachmittag umfahren kann alles zu bieten hat, ist einfach umwerfend.

Die Ebbe und Flut arbeiten wie das Schweizer Uhrwerk und lassen grosse Stücke Land frei. Auf den so freigelegten Sandbänken sonnen sich die Robben und lassen sich aus der vorbeifahrende Fähren bestaunen. Die Wanderung durch den freigelegten Meeresboden ist ein Balsam nicht nur für die Füsse sondern auch für die Seele. Aber auf eine Wanderung während der Ebbe zur Insel Amrum hätte ich mich nie im Leben ohne Ortskundigen Führer getraut. Das Wasser kann nämlich mit der Flut schneller kommen als man denkt und in der Strömung der kalten Nordsee haben auch geübte Schwimmer keine Chance.

Ich wollte schon immer die Halligen sehen, winzige künstliche Erhöhungen mit ein paar Häusern, wo die umliegenden Wiesen im Winter völlig vom Wasser verschluckt werden und in hohem Wellengang verschwinden. Ich buchte ein Flug und bestaunte die einmalige Küstenlandschaft aus der Höhe, völlig faszinierend durch das Schauspiel von Farben und Formen.

Man kann auf der Insel lernen wie man Bonbons macht, wie man Bogen schiesst, Segelt, einen Drachen fliegt. Man kann Go-Card fahren, Friedhofstur machen und die sprechenden Grabsteine im alten Deutsch entziffern die aus dem Leben der Schiffskapitäne erzählen, die sich dem Walfang verschrieben haben. Man kann Golf spielen, Reiten, mit dem Fischkutter ausfahren, die Robbenaufzug Station besuchen, an der Promenade von Wyk oder in den Strandbars Konzerte verfolgen.

Was die Kinder lieben und die Erwachsene sich gerne mitreißen lassen, ist im Sand buddeln, Burgen und alles Mögliche im Sand Bauen, was mit der nächsten Flut wieder verschwinden wird.

Das Beste ist aber das Licht. Hoch im Norden scheint im Juli die Sonne um 9 Uhr abends mit voller Kraft. Die Farben, der Duft, die Freundlichkeit geben eine Mischung die es einem erlaubt sich wohl zu fühlen. Das ist auf Föhr der Fall.

Sucht ihr Ruhe, Abwechslung, mal was anderes, dann wäre Föhr die richtige Destination.

       

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