Michaela Merz

Was würde ich anders machen, wenn ich noch mal von vorne beginnen könnte

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130249_web_R_by_Michael Sauer_pixelio.deEs ist der 3. März. Es schneit und schneit. Die Winter ist mit voller Kraft da. Aber die Kunsteisbahn wird dieses Wochenende schliessen. Egal ob es – 10°C oder +10°C ist. In der Schweiz ist alles wunderbar geplant.
Man weiss genau, wenn das Tram kommt, nämlich in 4 Minuten. Die elektronische Anzeigetafel zeigt es allen, die noch keine App dafür haben, in Echtzeit an.

Man weiss, wann die Badi öffnet und sie öffnet auch wenn schneien sollte und kein Mensch an der Kasse steht. Ja klar, rational kann ich es nachvollziehen und meistens geniesse ich diese perfekte Planung in der Schweiz. Aber emotional wurmt es mich schon, wenn ich an einem wunderschönen September Tag vor dem geschlossenen Freibad stehe.

Jetzt aber schliesst erstmal die Kunsteisbahn und zum Abschluss gibt es eine Disko. Wir schnappen uns die Schlittschuhe, verpacken uns wasserdicht – schliesslich herrscht ein Hundewetter mit Schnee ohne Ende. Aber wir lassen uns die tolle Abendstimmung mit Licht und Musik auf dem Eis nicht entgehen. Weil es so viel schneit, ist das Eis hoch mit Schnee bedeckt und die Putzmaschine kommt gar nicht dagegen an.

Aber das macht nichts, weil wir eine Schneeballschlacht veranstalten. Wir jagen uns durch die Menge, spielen Fangis und versuchen auf den Schlittschuhen zum Rhythmus der Lieder zu tanzen. Das ist gar nicht einfach. An coole Moves ist kaum zu denken, weil da könnte man ziemlich schnell am Boden landen und das wäre heute eine ziemlich nasse Angelegenheit.

Mit Bewunderung beobachten wir die Damen und Herren, die in jungen Jahren Pirouetten, Sprünge und verrückte Schrittkombinationen gelernt haben und jetzt elegant über das Eis gleiten. Wir haben jede Menge Spass und unsere Backen sind knallrot, aber ganz ehrlich, ich hätte auch gerne so eine Pirouette dazwischen geschoben und mich selber und alle anderen beindruckt.

Doch das geht nicht. Als Kind habe ich auf dem Seeli unter unserem Haus Schlittschuhlaufen gelernt. Nie im Leben hat mir jemand erzählt, wie das zu tun wäre. Ich kuckte, probierte und fiel zu Boden. Zehnmal, Tausendmal. Das Meiste klappte mit der Zeit, andere Ideen habe ich aus dem Programm rausgelassen, da die Misserfolgs-Quote einfach zu hoch war.

So war es mit vielen Sachen – mit Tischtennis, mit Basketball, mit Tennis, mit Reiten, mit Velofahren usw. Ich kann vieles und es macht mir Spass, aber wirklich gut darin bin ich nicht. Wenn ich so darüber nachdenke, hätte ich gerne die ein oder andere Unterrichtsstunde im Eiskunstlauf, im Hockey, im Tennis, im Turmspringen und vielen anderen Dingen gehabt. Ich hätte gerne noch paar weitere Sprachen gelernt und es wäre auch nicht schlecht den Umgang mit Elektrizität und Holz besser im Griff zu haben. Die Reihe lässt sich unendlich fortsetzen.

Das Leben bietet so viel, was man ausprobieren und machen kann. Und es ist toll neue Sachen zu lernen und das Gelernte anzuwenden. Doch irgendwie scheint die Zeit zu knapp zu sein und man muss Entscheide treffen. Musik versus Sport, Theater oder ein Abend mit Freunden – ja ich habe es gelernt, auch ich kann nicht alles haben.

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass ich nie in meinem Leben eine Pirouette auf dem Eis drehen werde auch wenn ich es mir noch so sehr wünsche. Aber es macht mir nichts aus. Das wilde Herumfahren ohne jegliche Eleganz bringt gute Laune.
Es lebe das Mittelmass. Hauptsache wir haben Spass.

Bildquelle: Michael Sauer / pixelio.de

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