Michaela Merz

Die Dinge

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273006_web_R_K_by_Ilse Dunkel (ille)_pixelio.deIch mag mich noch gut erinnern, was für eine Freude es war, als ich knapp 20 Jahre alt in meine erste eigene Wohnung eingezogen bin. Die Möbel habe ich zu einem Spottpreis vom Vormieter übernommen und war froh darüber. Grosse Ausgaben lagen mit meinem Studentenbudget nicht drin. Umso grösser war die Freude, wenn ich etwas Nützliches oder Brauchbares für die Wohnung bekam. Die Dinge begannen sich zu sammeln. Mit den Jahren hat sich mein Verhältnis zu materiellen Dingen geändert. Ich habe gerne Sachen mit Aussage, die eine Geschichte erzählen oder die handwerkliches Geschick verkörpern. Fast jeder der Stühle, die ich habe, ist anders. Das hat damit zu tun, dass ich sie mit Abstand von Jahren einzeln gekauft habe. Sie sind alle gebraucht, der älteste ist aus dem 17. Jahrhundert, und haben wohl alle was zu sagen.

Nun stehe ich heute sehr lange vor einem Stück und überlege, ob ich es kaufen soll. Meine Zweifel haben mit Platz und der kritischen Frage, ob ich es wirklich, aber wirklich brauche zu tun. In der Mehrheit der Fälle entscheide ich mich gegen den Kauf. Dieser Entscheid nach langem inneren Kampf bringt mir Erleichterung. Der Versuchung widerstanden!! JUPI!!

Ich besuchte meinen Kollegen aus der Primarschule. Zufällig sind wir uns nach Jahrzehnten in Prag begegnet und er hat mich erkannt. Im ersten Moment staunte ich warum mich dieser mir unbekannte, leicht mollige Herr so überschwänglich begrüsste. Er lud mich auf einen Kaffee ein und da er Elektriker erwartete, mussten wir zu ihm nach Hause. Es war ein schöner Nachmittag voller farbiger und froher Erinnerungen. Ich habe es genossen. Ich erinnerte mich, dass wir als Kinder Erinnerungsbücher hatten, in die Freunde und Schulkollegen etwas malten oder schrieben. Ich konnte mich noch erinnern, dass er mir damals eine Mickey Mouse gemalt hatte. Mein Erinnerungsbuch ist leider verschwunden, ich habe es nicht mehr. Als ich es zu Ende erzählt hatte, schaute er mich geheimnisvoll an und sagte, ich solle mitkommen.

Im Dachstock seines Hauses war kaum durchzukommen. Schmale Durchgänge und unendlich viele Schränke und Regale. Dann öffnete er einen der Schränke und die Primarschule kam zu Vorschein. Da lagen seine alten Hefte, Prüfungen, Erinnerungsstücke von Schulausflügen, aber da lag auch mein Erinnerungsbuch, eingefasst in Leder, mit der Mickey Mouse, die er vor Jahren gemalt hatte. Ich war sprachlos. Dass jemand so was über die Jahrzehnte alles aufbewahren könnte. Ich entschied mein Erinnerungsbuch bei ihm zu lassen. Jetzt weiss ich wo es ist und kann ihn besuchen, wenn mir danach ist.

Ich staune immer wieder, welche Entdeckungen und Überraschungen auf einen warten.

 

Bildquelle: Ilse Dunkel (ille)  / pixelio.de

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