Michaela Merz

Bad in der Menge – Zürich in Spätsommer

5 Comments

Ich wuchs im kommunistischen Prag auf. Das Merkmal der Millionenstadt war seine fast komplette Entleerung jedes Wochenende. Alle meine Kollegen sind entflogen in Richtung Ferien Häuschen, Ferienhaus oder Ferienvilla. Das gesellschaftliche Leben hat sich in kleinen Dörfern abgespielt. Am Freitag wurde alles angekarrt, die Partys und Tanzabende stiegen und am Sonntag bewegte sich die Kolonne wieder Richtung Hauptstadt. Die kommunistische Führung hat damals nicht verstanden, was die Römer tausend Jahre vorher bereits begriffen hatten. Es geht nämlich nicht nur um das Brot, sondern die Spiele braucht es auch. Die Spiele fehlten damals. In Prag war damals wirklich nicht viel los.

Das hat sich in vielen grossen Städten geändert. Heute ist nicht das Problem, dass man nicht weiss was man tun soll, weil es zu wenig Angebot gibt, sondern‎ man kann sich nicht entscheiden, da das Angebot so breit und spannend ist. Ich kam nach den Ferien wieder in Zürich an und das Wetter zauberte weiterhin ein Jahrhundert Sommer, mit Temperaturen über 30 Grad. Für Limmatschwimmen wie gemacht. Limmat ist ein Fluss der Zürich durchquert und viel zur Attraktivität beiträgt. Es ist verboten in der Limmat zu schwimmen, ausser am Züricher Limmatschwimmer Tag. Limmatschwimmen bedeute, Tausende die sich hoch motiviert in den Fluss werfen und sich in das ca. 3 Kilometer entfernte Ziel treiben lassen. Limmatschwimmen bedeutet auch, dass wenn die 4000 Tickets zu mitmachen angeboten werden, sie wie warme Weggli innerhalb von Minuten ausverkauft sind. Dieses Jahr hatte es knapp 45 Minuten gedauert, bis auch das letzte Ticket weg war.

Ich staunte mit grosser Freund, als ich an der Frauenbadi meinen Sack mit meinen Kleidern abgab und mir eine aufblasbare Schildkröte packte. Jedes Mal ist es ein anderes Tier als kleine Schwimmhilfe. Mittlerweile besitzen wir zu Hause eine lustige Galerie mit Enten, Krokodil und ähnlichen. Mit meinen beiden grossen Töchtern hüpfte ich in das 22 Grad warme Wasser. Der Kleine obwohl er von uns allen am besten schwimmen kann, musste uns vom Ufer aus zuschauen. Die Altersguillotine ist gnadenlose und er ist von dieser Limite weit entfernt.

An diesen Tag ist man nicht allein. Man lässt sich treiben und kommt mit allen möglichen Leuten, sowohl im Wasser wie auch am Ufer, ins Gespräch. Es wird gerufen, gegrüsst und gewitzelt. Man wächst zu einer grossen gleich gesinnten Gemeinschaft.

Ein Samstag später, die Street Parade. 27 Love Mobiles, Tausende kostümierte Menschen, die Mehrheit halb nackt bei dieser Wahnsinnshitze, Musik, Musik und nochmals Musik. Das vereinigt die jungen Menschen, am Nachmittag mit ihren Kleinen, welche mit Gehörschutz ausgestattet sind, aber auch die 50, 60 und 70-Jährigen. Alle waren da und zusammen waren es über 1 Million. Vom Opernhaus zum Central durchzukommen – unmöglich und ich und mein Kleiner mittendrin und das war erst am frühen Nachmittag. Es war ausgelassen, laut und schrill. Es war so, wie die Schweiz selten ist. Alle duzen sich, die Grenzen verschwinden, für paar Stunden entsteht eine unheimlich starke Gemeinschaft.

Beides hat mir sehr gefallen, beides fand ich unheimlich inspirierend vielleicht abgesehen von den endlosen Schlangen bei den Toiletten und den Bergen von Abfall der in den Strassen lag.

Zürich im Spätsommer ist eine Stadt die es sich lohnt zu besuchen.

 

5 thoughts on “Bad in der Menge – Zürich in Spätsommer

  1. Tolle Fotos.

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  2. Das mittlere Bild unten ist faszinierend. Meine Tochter hatte auch mal so hohe Stelzen.

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