Michaela Merz

Alma und das Gesetz, das keine Ausnahmen toleriert

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592855_web_R_by_birgitH_pixelio.deAlma hat Vieles erreicht, wovon andere nur träumen könnten. Eine Karriere in einem mittelgrossen Betrieb bis in die Geschäftsleitung und das als einzige Frau. Eine intakte, funktionierende Familie mit fleissigem Ehemann in einer ähnlichen beruflichen Stellung wie sie. Ein unproblematisches Kind, das gute Noten nach Hause brachte, sich anständig benahm und selten Anlass zu Ärger gab. Eine schicke Eigentumswohnung am Rande der Stadt und eine Ferienwohnung in den Bergen. Das alles hat Alma in einem Höllentempo durchgezogen. Den Uniabschluss hat sie neben der Arbeit geschafft. Mit der Babypause war sie nach einem halben Jahr fertig. Von aussen sahen sie und ihre Familie bilderbuchmässig aus. Das war die, die es geschafft hat Karriere mit Familie zu verbinden. Das war die Alma, die alles richtig gemacht hat.

In Alma hat sich aber eine Leere und unendliche Sehnsucht ausgebreitet. Im Grunde hat alles gestimmt, aber Alma fühlte sich unzufrieden. Die Abende verbrachte sie mit einem Glas Wein und der Alkohol bescherte ihr die Gelassenheit, die ihr über Tag gefehlt hat. Alma merkte gar nicht wie aus dem Glas eine ganze Flasche wurde. Es passierte einfach so. Eines Tages sagte ihr ihr Ehemann Lukas, der mit ihr ab und zu mittrank, dass sie die Alkoholmenge bremsen sollte. Alma lachte ihn aus, aber ab diesem Zeitpunkt schaute sie, dass Lukas nicht mitbekam wieviel sie trank. Sie trank im Versteckten und war sich sicher, dass sie es voll in Griff hatte und sofort aufhören könnte, sofern sie es wollte. Aber sie wollte nicht mit dem Trinken aufhören. Die leeren Weinflaschen versteckte sie in ihrem Kleiderschrank und entsorgte sie, wenn Lukas nicht zu Hause war.

Als Lukas ihren Schal in ihrem Schrank suchte und die 6 leeren Weinflaschen entdeckte, gab es zwischen ihnen eine heftige Diskussion. Das Katz-und-Maus Spiel begann von neuem und wurde schwieriger, weil Lukas Alma beobachtete. Es dauerte nicht lange und er erwischte sie erneut. Lukas teilte Alma mit, dass sie sich zwischen ihm und der Familie und einer Therapie entscheiden müsse. Alma entschied sich für eine Therapie. Sie wählten gemeinsam und verheimlichten den Grund für die Therapie vor der ganzen Familie wie auch in Büro. Der Arzt schrieb für Alma ein falsches Arztzeugnis. ‎Alma trat die stationäre Behandlung an und es wurde viel härter als sie es sich in den schlimmsten Träumen ausgemalt hatte. Militärisches Regime, Strafe für die Gruppe bei jeder Übertretung der Regeln, viel körperliche Arbeit, Behandlung mit dem Entwöhnungsmittel Antabus bei dem sie das Gefühl hatte zu sterben. Alma hatte Heimweh und weinte oft und ein paar Mal war sie sehr nah dran alles hinzuschmeissen. Sie biss jedes Mal die Zähne zusammen. Sie kannte Lukas und wusste, dass er nicht gezögert hätte, sie zu verlassen, sollte sie ihren Teil der Abmachung nicht einhalten.

Nach 4 Monaten war der Spuk vorbei. Alma kehrte nach Hause schlank, hübsch und sehr dankbar. Zurück zur Arbeit, zurück im Alltag. Es war ihr sogar gelungen ihr grosses Umfeld zu täuschen. Niemand hat ihre Abwesenheit mit einem Alkoholproblem in Verbindung gebracht.

Aber ab jetzt bedeutete es KEIN TROPFEN ALKOHOL, um nicht rückfällig zu werden. Alma realisierte wie schwierig das in praktischen Leben ist, diese einfache Regel einzuhalten. Aber Alma wusste, dieses elementare Gesetz toleriert keine Ausnahmen.

 

Bildquelle: birgitH / pixelio.de

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