Michaela Merz

Mein Lieblingsstrand

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist eine Lagune mit feinem Sand und hohen Palmen, an beiden Seiten von je einem kleinen Hügel begrenzt. Es ist kein einsames Naturparadies, sondern eine sehr bevölkerte und lebendige Gegend, wo immer was los ist. Der Strand war voll mit kleinen hölzernen Baracken, in denen kleine Läden, Restaurants, Bars und Beautysalons untergebracht waren. Ich liebte es an einer dieser Bars zu sitzen, Füsse in den Sand gesteckt. Ich hatte meine Lieblingsmasseurin, wo ich im Schatten mit Blick auf das Meer und die untergehende Sonne eine Thai-Massage geniessen konnte. Es war lustig, am Strand dem kleinen Elefanten zu begegnen, ihm an einer dieser kleinen Buden eine kleine Banane zu kaufen und ihn zu füttern. Seine Dankbarkeit bezeugte er mit seinem Rüssel, den er mir um den Hals wickelte, und einem feuchten Kuss auf meine Wange.

Dieses Jahr freute ich mich sehr auf das alles. Das Jahr war stressig gewesen und hier konnte man alles vergessen und hinter sich lassen. Wie war ich aber überrascht, als ich an meinem Strand stand und entlang der gesamten Bucht – und das sind 5 bis 7 Kilometer – sah ich nur ein Naturparadies. Kein einziger Bau stand am Strand. Nur Meer, Sand und Palmen. Der Strand wirkte verlassen und fast traurig. Der übliche Rummel, Musik und das vergnügte Schreien der spielenden Kinder waren nicht mehr da. Das Bild war sicher schöner, aber es wirkte gespenstisch und steril. Ich fragte mich, wo die Familien waren, die da gewohnt hatten und hier ihr Auskommen fanden.

Es dauerte zwei Tage bis ich jemanden fand, der mir die Geschichte erzählen konnte. Im Oktober hatten alle Buden am Strand das ultimative Schreiben erhalten, dass sie ein Monat hatten um weg zu gehen. Keiner ging weg. Wohin auch? Das da war ihre Existenz. Nach 6 Wochen kamen 200 Soldaten mit Gewehren und schwerem Gerät. Die Bewohner bekamen 20 Minuten um zu gehen und danach begann der Abbruch der illegalen, jahrelang geduldeten Bauten. Mag sein, dass sie keine Steuern zahlten, mag sein, dass Hygiene- und Umweltvorschriften nicht eingehalten worden waren. Ich hatte darüber in der Vergangenheit nur wenig nachgedacht.

Als ich kam waren nicht einmal mehr Trümmer zu sehen. Alles war aufgeräumt und am Strand Schilder nur auf Thai, dass das Aufstellen jeglicher Bauten oder auch von Liegestühlen verboten ist.

Wenn ich heute über den langen Strand schlendere, denke ich an all die netten Leute, die ich da in der Vergangenheit kennengelernt hatte, an ihre Geschichten und Schicksale und ich vermisse sie und die Lebendigkeit, die da verloren gegangen ist, sehr.

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