Michaela Merz

Es regnet in New York

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Die Wettervorhersage für Donnerstag war beängstigend. Orkanartiger Regen. Für einen Menschen, der wie ich in der Mitte von Europa, weit weg von jeglichem Meer aufgewachsen ist, ist ein Orkan schwer vorstellbar.

Tagsüber sass ich im Büro und beobachtete aus dem Fenster im 34. Stock wie sich der Himmel verdunkelte, wie die Sicht schlechter wurde und die umliegenden Hochhäuser hinter einem Regenschleier verschwanden. Teilweise sah man gar nichts und es wurde düster. So stelle ich mir die Vorhölle vor. Die amerikanischen Kollegen wirkten sehr gelassen und würdigten das dramatische Spektakel draussen mit keinem Blick. Der britische Kollege, dessen Flug am Abend um 9 Uhr abfliegen sollte, sorgte sich, ob er überhaupt weg kommt. Er beobachtete die Meldungen der Fluggesellschaft mit Besorgnis und seine Befürchtungen schienen sich zu bestätigen, als er uns spät nachmittags mitteilte, dass sein Flug erst um 3 Uhr morgens abfliegen würde.

Plötzlich erhellte sich der Himmel, der Regenvorhang verschwand und leuchtend blauer Himmel, das erste Mal an diesem Tag, kam zum Vorschein. Wir waren fertig. Ich verabschiedete mich und marschierte durch den ungewöhnlich frischen, aber kalten Frühabend zu meinem Hotel. Ich musste noch zum Time Square zum Toys R Us, meinem Jüngsten ein Mitbringsel holen.

Draussen war es wärmer geworden und der Himmel verdunkelte sich leicht. Ich marschierte schnurgerade zum Spielzeugladen und fand relativ schnell das richtige Geschenk.

Jetzt wollte ich zurück ins Hotel. Aber oje… Der Regen war zurückgekehrt. Aber was für ein Regen. Wie wenn sich ein Schlauch selbständig macht, der in alle Richtungen Wasser schleudert. Vor dem Geschäft standen zwei Verkäufer mit Regenschirmen und Plastikpelerinen. Die Geschäftstüchtigkeit der Leute ist schlechthin beeindruckend. Der Umsatz gewaltig. Kreditkarten wurden nicht akzeptiert. In ihren Fingern dicke Bündel von Dollarnoten. Ich kaufte auch eine Pelerine für 5 Dollar, zog mich an und lief schnell zum Hotel. Meine Pelerine ging nur bis zum Knie und innerhalb kurzer Zeit war meine Hose ab dem Knie durchnässt. Durch die Strassen flossen Bäche und als Fussgänger konnte man ihnen gar nicht ausweichen. Erst jetzt verstand ich, warum so viele Einheimische mit Flipflops unterwegs waren.

Das Wasser fliesst durch die Schuhe durch und bei den Flipflops gibt es den Vorteil, dass es grad wieder abfliesst. In den geschlossenen Schuhen wie meinen bildeten sich kleine „Seelis“, die das Weiterkommen wesentlich erschweren.

Eine Plastikpelerine hin oder her innerhalb kurzer Zeit war ich nass wie nach dem Duschen. Den New Yorkern macht es offensichtlich nichts aus. Sie sind trotzdem freundlich und aufgestellt.

Trotz orkanartigem Verhalten lässt sich Regen in New York gut ertragen.

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