Michaela Merz

Madonna/MDNA Show im Letzigrund

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Vor 4 Jahren habe ich das Madonna Konzert in Dübendorf besucht. Danach habe ich mir geschworen, nie mehr wieder Geld für diese Frau auszugeben. Das Gelände des Flugplatzes in Dübendorf eignet sich für die Landung von Flugzeugen, für ein Konzert schien es damals völlig ungeeignet zu sein. Das damalige Konzert von Madonna war steril, langweilig und ich hatte nur einen Wunsch, nämlich nach Hause zu gehen. Stimmung hat Madonna nicht geschaffen. Im Vergleich mit dem Konzert von Robbie Williams in Bern, wo der Sänger im Alleingang und ohne jegliche Effekte das ausverkaufte Stadion zum Kochen brachte, ist Madonnas Produktion bei mir damals durchgefallen.

Der Zufall wollte es aber, dass ich im Letzigrundstadion war und Madonnas neuer Show anschaute. Meine Erwartungen waren bei null. Das, was Madonna in Zürich geboten hat, erstaunte und begeisterte mich jedoch. Madonna schockiert wie eh und je. Sie schiesst mit einer Attrappe ihre männlichen Tänzer ab, dazu spritzt Blut im Video, sie zieht sich aus, provoziert mit Gestik, Kleidung, religiösen und sexuellen Symbolen und dazu der ultraharte Sound. Das ist aber nur eine Seite. Die Show hatte eine unheimliche Dynamik, die Stimmung war hervorragend, Madonna und das Publikum schmolzen zu einer Einheit zusammen.
Es war eine grosse Party. Aber nicht nur. Das ganze wurde sehr politisch. Auf Madonnas Unterarmen stand in grossen Buchstaben Free Pussy Riot. Das gleiche wurde unter ihrer Leitung auch im Stadium skandiert. Sie hielt auch eine längere Rede gegen Diskriminierung und zur Unterstützung von Freiheit. Das alles eingebettet in Popmusik, durchgedacht, perfekt inszeniert, spannend und dynamisch. Ein sehr ernsthaftes und gleichzeitig unterhaltsames, politisches Konzert wurde im Letzigrund geboten.

Ich staune über die Kraft, Kondition, den Perfektionismus dieser aussergewöhnlichen Frau. Sie polarisiert, ist aber sehr sichtbar und hat eine klare Meinung. Ich wünsche mir, dass es mehr Frauen ihres Alters (54) gibt, die so etwas schaffen.

Mein Stehplatz war in der Mitte der Masse nahe der Bühne. Da ich aber klein bin, hatte ich immer wieder Schwierigkeiten das zu sehen, was ich wollte. Die Jungs vor mir waren fast 2 Meter gross und wenn sie miteinander sprachen und dazu die Köpfe zusammensteckten, sah ich ausser ihren Köpfen nur den Himmel oben. Wesentlich lästiger aber waren die Leute, die sich Getränke in grossen halb Liter Pappbechern holten und versuchten sich mitten durch die Masse hindurch zu zwingen. Etwa in der Hälfte des Konzertes kam ein etwa 20 jähriger Mann, sehr gross und in den Händen trug dieser 3 Becher voller Bier. Da er das Bier nicht verschütten wollte, trug er sie auf der Höhe seines Kopfes. Als er mich passierte, stolperte er und leerte eine gute Portion aus den drei Bechern über meine rechte Hälfte. Meine Haare, Brille, T-Shirt und Hose bekamen eine schaumige klebrige Ergänzung. Ich wurde nicht nur ein bisschen angespritzt, sondern sehr viel. Ich war entsetzt. Ich habe nichts gegen Bier, aber wünsche es nicht in den Haaren und auf dem Gesicht. Er sagte sorry, kann passieren, und wollte sich weiter drängen. Das war aber keine aufrichtige Entschuldigung, sondern mehr nach dem Motto, du dumme Kuh, warum stehst du ausgerechnet da, selber Schuld. Das hat in mir eine nie da gewesene Wut entfacht. Ich habe nichts überlegt, es ist fast automatisch passiert. Von unten nach oben schlug ich mit der offenen Hand auf die drei Bierbecher, die er oben trug.
Und der Schlag hat seine Wirkung nicht verfehlt. Das Bier spritzte in seine Richtung und hinterliess Spuren auf seinen Haaren, Gesicht und Kleidung.
Was habe ich nur getan?, dachte ich und erkannte mich selbst nicht. Ich halte nämlich nichts von Gewalt. Ich erwartete, dass er mich anschreit, sogar auf einen Schlag hatte ich mich emotional vorbereitet.
Nichts dergleichen ist passiert. Er schaute mich nicht mal an, drehte sich um und ist wieder in die Richtung verschwunden, aus der er gekommen ist.

Stinkend nach Bier, zufrieden und begeistert bin ich nach Hause gegangen.

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