Michaela Merz

Unterricht an der Universität Zürich

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Als Studentin an der Universität Zürich habe ich mir gewünscht dort eines Tages als Dozentin zurückzukehren. Kein einfacher Wunsch, wenn man keine akademische Karriere anstrebt.

Als Steuerberaterin am Anfang der Karriere hatte ich vielfältige Aufgaben. Und einer der vielen Aufträge, den ich bekam, war die Vorbereitung von Skript und Vorlesung für die Vorlesung Steuern, die einer unserer sehr erfahrenen Partner machte. Das hat sehr viel Spass gemacht. Ich legte mich ins Zeug, kreierte die Gesellschaften Merz AG und Herz AG, die ich auf Papier fusionierte, abspaltete und liquidierte. Ich gab meine Arbeit ab und bekam wie viel zu oft kein Feedback.

Ein halbes Jahr später bekam ich einen Anruf von diesem Partner.

“Michaela, ich stecke in London am Flughafen fest und der Flug hat Verspätung“, sagte er.

Ich verstand nicht, warum er mich anrief und mir das mitteilte.

“Das tut mir leid“ antwortete ich mitfühlend.

“Michaela, du musst für mich heute an der Universität Zürich den Vortrag halten. Er beginnt um 16 Uhr. Ich schaffe es nicht.“

Ich dachte, er hat sich in der Person geirrt. Das hatte nichts mit mir zu tun.

“Ich weiss nicht welchen Vortrag du meinst“ sagte ich leise.

“Michaela, der den du so gut vorbereitet hast. Alle Unterlagen sind bei Felix und sei pünktlich. Jetzt muss ich weiter zum Einsteigen. Viel Glück.“ Sagte er und hängte auf.

Ich hatte keine Ahnung welchen Vortrag er meinte und fühlte mich sehr unwohl. Aber einem stummen Telefon kann man schlecht widersprechen. Ich beschaffte mir die Unterlagen von Felix und sah, dass es meine Merz und Herz Gesellschaften waren. Ich hatte noch 3 Stunden bis zum Beginn der Vorlesung. Mein Traum vom Unterrichten an der Universität Zürich war zum Greifen nah. Aber es geschah unter sehr widrigen Umständen und es freute mich nicht. Ich hatte nur Angst zu versagen. Ich kniete mich hinein und bereitete mich in den verbleibenden zwei Stunden so gut wie möglich vor. Dann nahm ich das Tram und fuhr mit zitternden Knien zur Universität. Ich war nervös. Sehr sogar.

Ich musste vor der Vorlesung noch schnell auf die Toilette. Ich hatte eine schwarze Hose mit einem sehr langen seitlichen Reiseverschluss an. Bei meiner Nervosität zog ich schnell die Hose an und wollte den Reisverschluss schliessen. Genau in dem Moment ging der Reisverschluss kaputt. Ich stand in der Toilette mit einer kaputten Hose, 10 Minuten vor Vorlesungsbeginn und mir war zum Weinen zumute. Ich hatte keinen Gürtel und keinen Knopf. Die einzige Möglichkeit war die Hose mit einer Hand zu halten, damit sie nicht runterrutschte. Mir kam eine Idee und ich steuerte die Garderobe an. Dort bekam ich 3 winzige Sicherheitsnadeln, mit denen ich meine Hose sehr provisorisch schliessen konnte.

2 Minuten vor Beginn kam ich im absolut vollen Hörsaal an. Ich war schweissgebadet. Ich stand hinter dem Rednerpult, die rechte Hand an meiner Hose, voller Panik, dass sie trotz Sicherheitsnadeln mitten in der Vorlesung zu Boden fallen könnte. Glücklicherweise passierte nichts.

Ich spulte die Vorlesung ohne jegliche Bewegung wie eine Eisstatue ab. Als es am Ende läutete, war ich erleichtert. Mein Wunsch war erfüllt worden, aber Freude hatte es keine gebracht, nur enorme Erleichterung, dass alles geklappt hatte.

So habe ich gelernt, dass die Erfüllung eines Wunsches nicht immer erstrebenswert ist. Die Sehnsucht danach war eindeutig süsser.

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