Michaela Merz


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Ein Sonntag im November


In meiner Kindheit konnte ich am Wochenende bis am Mittag schlafen. Ab einem bestimmten Alter ging das aber nicht mehr. Egal wie spät ich ins Bett gehe, ich stehe immer in der gleichen Zeitspanne auf. Bis halb acht am Morgen klingt bei mir schon nach Ausschlafen. Das muss sich für Abendmenschen grauenhaft anhören; ich bin aber einen Morgenmensch und geniesse die absolute Ruhe am Morgen. Da ist kein Telefon, kein Verkehr, kein Stress. Ich wache zwischen fünf und sechs Uhr morgens auf und dies jeden Tag ohne Wecker. Am Sonntagmorgen schlafen dann noch alle. Da gehe ich schwimmen, weil das Hallenbad in Zürich bereits um sechs Uhr öffnet.

Ich liebe es meine Bahnen zu schwimmen, wenn die ersten Licht- und Sonnenstrahlen das Wasser durchdringen und wunderbare Bilder zaubern. Es ist ein wunderbares, meditatives Gefühl, das sich wie eine innere Reinigung anfühlt. Nur leider war ich diesen Sonntag viel zu enthusiastisch oder hatte einen Überschuss an Energie. Jedenfalls habe ich mir beim Abstossen an der Wand den grossen Zeh angestossen. Au, das tat weh! Jetzt ist er blau und violett und es ist zu hoffen, dass kein Knochen gebrochen ist. Am Samstagmorgen hat mich ausserdem noch ein anderer Schwimmer mit seinen harten Schwimmhilfen, die er an den Händen getragen hat, so hart auf meine Hand geschlagen, dass ich es heute noch spüre und ebenfalls einen blauen Fleck davon habe. Und dabei gilt das Schwimmen als ungefährliche und verletzungsfreie Sportart. Gott sei Dank spiele ich nicht Rugby.

Nach dem Schwimmen fühlte ich mich trotz des schmerzenden Zehs leicht und befreit. Ich eilte nach Hause, aber das war gar nicht nötig. Um kurz vor acht Uhr hat mein Jüngster noch geschlafen. Ich musste ihn wecken, aber mit einem toll riechenden Frühstück hat das einfach funktioniert. Wir wollten nämlich um neun Uhr auf das Eisfeld. Gerade zur Eröffnung waren wir da. Mein Zeh protestierte, weil den linken Fuss in meine engen Schlittschuhe, die ich zu meinem 18ten Geburtstag bekommen habe, rein zu zwingen, ist schon unter normalen Umständen eine anspruchsvolle Übung. Mit einem schmerzenden Zeh war es eine wahre Herausforderung! Ich will aber meinem Jüngsten die Freude nicht vermiesen. Noch ein Versuch und klar es geht doch! Die Eisfläche füllt sich um diese Zeit schnell aber es ist sicher noch nicht so überfüllt wie am Sonntagnachmittag. Die, die am Morgen kommen, das ist der hart gesottene Kern – kleine Mädchen die Pirouetten üben, Jungs die “knebeln”, alte Herren, die elegant übers Eis gleiten.

Ich und mein Jüngster können es nicht elegant. Ich habe mir das Eiskunstfahren selbst beigebracht und in langen Stunden auf dem gefrorenen Bach mit Kollegen gespielt. Ich habe keine Technik aber ich bin schnell. Ich schaute dem kleinen Mädchen zu, wie es ihren Unterricht bekam und kriegte Lust, auch was zu lernen. Das Rückwärtsfahren. Ich kuckte sie an und versuchte es zu kopieren. Gegangen ist es nicht wirklich. Macht nichts, Hauptsache man hat Spass. Und plötzlich stand er neben mir. Ein Herr, vielleicht etwas jünger als mein Vater. Er konnte es sehr elegant, ich habe ihn schon vorher bemerkt. Er sagte etwas zu mir, aber es war auf Französisch. Seine gut gemeinten Ratschläge scheiterten an meinen mangelnden Sprachkenntnissen. Und so bekamen ich und meine Jüngster eine einstündige gratis Lektion von Eric. Eric ist pensioniert und kommt aus Lausanne. Er hat Zeit und so fährt er mit seinem General Abo mit dem Zug und besucht in der ganzen Schweiz die Kunsteisbahnen. Er hat mehr als 65 Jahre Erfahrung im Eislaufen. Das haben wir gemerkt und er hatte auch eine riesen Geduld, um es immer wieder und zum Hundertsten Mal zu zeigen. Es hat mit Eric sehr viel Spass gemacht. Einfach toll und das alles auch noch im Sonnenschein. Wir bekamen rote Backen, lachten viel und ab und zu landeten wir auf dem Po. Nur ungern haben wir uns von Eric verabschiedet.

Wir hatten Tickets für die Tonhalle für den Karneval der Tiere von Camille Saint-Saens. Das war Teil einer Reihe von Familienkonzerten, bei denen viele kleine Kinder die erste Berührung mit der klassischen Musik bekommen. Mein Jüngster ist kein Kleinkind mehr aber wir gehen trotzdem immer noch gerne. Dass die Kinder nicht ruhig sitzen können und ab und zu ein Kleinkind aufschreit, ist einfach so und stört mich nicht wirklich. Heute sind vor uns aber zwei Mütter mit ihren Töchtern gesessen, die etwa 10 Jahre alt waren. Es war ja grauenhaft. Die beiden Mütter haben sich dauerhaft leise unterhalten und zwar völlig unabhängig davon, was auf der Bühne so lief. Auch wenn man den Inhalt des Gespräches nicht hört, es stört einfach. Ihre Mädels waren aber noch schlimmer. Die haben es nicht geschafft eine einzige Minute einfach nur ruhig zu sitzen und zuzuhören.

Ihr Benehmen entsprach eher dem von Vierjährigen, aber das ist eine ungerechte Beleidigung, da neben uns ein ganz kleiner Junge gesessen ist, der etwa vier Jahre alt war und der die ganze Vorstellung konzentriert beobachtet hat. Was macht man in so einer Situation? Ich sah wie die Mutter des kleinen Jungen neben uns die Mädchen vor ihr ermahnt hatte. Das hat aber nicht viel gebracht und ihre Mutter reagierte nicht einmal. Wie auch, wenn sie selbst schwatzt. Aber warum gehen sie überhaupt in ein Konzert der klassischen Musik, wenn es sie offensichtlich überhaupt nicht interessiert und sie auch nicht bereit sind, sich einmal fünf Minuten auf die Musik einzulassen? Ich habe es vielleicht wie ein Feigling gelöst. Wir haben einfach still die Plätze gewechselt. Ich lasse mir doch das Erlebnis nicht vermiesen.

Den Nachmittag haben wir dann in einem Glasatelier verbracht. Schöne Dinge angekuckt, zugehört und zugeschaut, wie sie entstehen. Ein Futter für die Augen.

Und schon war der Sonntag vorbei und ich habe es nicht mal geschafft die Sonntagszeitung zu öffnen.

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Sonntag in Zug – Oldtimer treffen


Bei einem Kauf eines Elektrogeräts zahlt der Konsument eine vorgezogene Recycling Gebühr. Die Gebühr ist nicht knapp bemessen. Bei einer Waschmaschine muss man mit 30 CHF rechnen. Eigentlich könnte man dies erst zum Zeitpunkt der Entsorgung bezahlen, aber der Gesetzgeber traut seinen Bürgern nicht. Wer weiss schon wie wir alle die alten Telefone, Tablets und Kleingeräte entsorgt hatten. Wahrscheinlich wäre ein Teil aus Bequemlichkeit oder Sparsamkeit in den normalen Abfallsack gelandet. Continue reading


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Besuch im Naturschwimmbad für Franken 3.50


155523_web_R_by_Momo111_pixelio.deMit meinem kleinstem, der zurzeit die gleiche Schuhgrösse wie meine Mutter hat, haben wir uns am Sonntag entschieden das Naturbad kennenzulernen.

Ich stellte mir etwas vor, das an ein kleines Seeli mitten im Wald erinnert. Was die Wassertemperatur anbetrifft, war meine Erwartung richtig. Continue reading


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Frühling


snowdrop-701259_1280Der Frühling ist da. Zumindest astronomisch. Es ist nicht viel zu spüren davon, da die Luft kalt ist und der dichte Nebel nicht wirklich Frühlingsgefühle weckt. Wobei ganz stimmt meine Aussage nicht, die Frühlingsgefühle kommen zumindest beim Betrachten der Blumen auf, die ihre farbenfrohen Köpfe rausstecken. Continue reading


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Gaudi versus Weber


OLYMPUS DIGITAL CAMERAGaudí ein Name der für Barcelona steht. Die Sagrada Familia, eine der atemberaubendsten Kirchen, die ich je gesehen hatte, Park Güell, Häuser, die er in Barcelona bauen konnte um sie mit eigens entworfenen Möbeln auszustatten. Die Welt spricht über ihn mit Ehrfurcht und steht Schlange, um seine Arbeiten zu bewundern. Continue reading


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Moische Schagalow – der russische Jude aus Witebsk


Ich habe diesen Winter satt. Er ist einfach elendslang. Es kommt mir vor, dass von November bis jetzt Ende März mit kleinen Unterbrüchen ständig Schnee in unserem Garten liegt. Draussen ist es beissend kalt, dunkel und grau ohne dass sich die Sonne gross zeigt. Der heutige Sonntagmorgen präsentiert sich grau und trüb und gemäss Wettervorhersage wird es auch im Verlauf des Tages nicht besser sein. Es braucht mindestens ein frohes Seelenfutter. Continue reading


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Ein gewöhnlicher Sonntag


Als ich am Samstagabend nach Hause kam, führten mich meine ersten Schritte in meinen Gemüsegarten. Mein Gemüsegarten ist mein Stolz, mein Baby, meine Leidenschaft. Die Erfolge sind wie bei den eigenen Kindern durchmischt. Ab und zu klappt es hervorragend und dann essen wir, all unsere Nachbarn und die halbe Continue reading