Die schwierigste Rede meines Lebens


Mein Stiefvater Jan ist gestorben. Er war 84 Jahre alt und hatte die letzten 5 1/2 Jahre eine tödliche Krankheit in sich getragen. Wir alle wussten, dass er stirbt. Man kann mit seiner Krankheit 1 bis maximal 10 Jahre überleben. Und obwohl ich das wusste, realisierte ich: auf den Tod kann man sich nicht vorbereiten. Sein Tod traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der Boden wurde mir unter den Füssen weggezogen und ich fühlte mich so hilflos wie noch nie in meinem Leben. Ich bin eine Macherin. Ich bin es mir gewohnt, Probleme zu lösen. Ich bin diejenige, die erfolgreich Wege aus aussichtslosen Situationen sucht und findet und plötzlich war da nichts, was ich hätte machen können. Eine unendliche Trauer erfüllte mich. Ich funktionierte und half meiner Mutter mit allem, was es in so einer Situation braucht, aber irgendwie war es alles mechanisch.

Für das Begräbnis, das 7 Tage nach seinem Tod stattfand, wünschte sich meine Mutter, dass ich die Abschiedsrede halte. Und ich konnte nicht NEIN sagen. Ab dem Zeitpunkt, als ich ihr es versprach, begann ich mich intensiv vorzubereiten. Ich erinnerte mich an all die Sachen, die er mir je über sich und seine Eltern erzählt hatte und ich begann, die kleinen Geschichten zu einem Bild zusammen zu setzen. Ich stellte mir eine Geschichten-Collage vor, die ihn am besten charakterisierte. Und je mehr ich an der Rede arbeitete, umso schlechter ging es mir. Er war ein herzensguter Mensch, immer gut gelaunt. Er hat Leute gerne gehabt und diese zahlten es ihm mit Liebe zurück. Er konnte keiner Fliege etwas zuleid tun. Er war genügsam und lustig, fleissig und sehr geschickt. Er war ein begnadeter Handwerker und ein wunderbarer Pianist. Er war meiner Mutter ein sensationeller Ehemann. Je mehr mir dies alles bewusst wurde, umso grösser wurde meine schon unermesslich grosse Trauer. Das Gefühl jemand wahnsinnig Wertvollen für immer verloren zu haben, fühlte sich wie eine Bleikugel an, die an meinem Bein befestigt wurde.

Ich übte die Rede während ich joggte, weil ich in Bewegung, am besten früh am Morgen ein bisschen entspannen konnte. Ich übte die Rede, wie ich meine Reden in der Vergangenheit übte, aber fast immer sind mir die Tränen gekommen. Ich habe immer mehr Angst bekommen, dass ich meine Rede am Tag des Begräbnisses nicht zu Ende vortragen können werde, weil mir die Tränen die Sprache ersticken. Ich wusste nicht, wie man sich gegen solche Trauer wappnen könnte.

Das Begräbnis war schlimm. Offensichtlich kannten und schätzten ihn so viele Leute, dass die Stühle in der Abdankungshalle nicht ausreichten. Viele Leute, die sich von ihm das letzte Mal verabschieden wollten, mussten stehen. Der Platz war knapp und all die mitgebrachten Blumen, die rund um seinen Sarg gelegt wurden, wirkten wie eine bunte, farbige Wiese. Als das erste Musikstück, nach dem ich meine Rede halten sollte, zu spielen begann, musste ich mir die Lippen blutig beissen in der Hoffnung, dass der Schmerz die Trauer und die in mir aufsteigenden Tränen besiegen würde. Es ist mir eher schlecht als recht gelungen. Noch nie in meinem Leben ist mir eine Rede so schwergefallen. Wenn meine Mutter nicht da gewesen wäre, die sich wünschte, dass ich diese Rede halte, wäre ich wie ein Feigling weggelaufen. Der Schmerz war unerträglich. Irgendwie habe ich es doch noch geschafft, mich zu erheben, nach vorne zu gehen und meine Rede vorzutragen. Jan hätte sich sicher nicht gewünscht, dass ich eine traurige Rede halte. So habe ich einige der Geschichten erzählt, die er mir selber erzählte hatte, wie diese hier vom vergessenen Hochzeitstag.

Ich erzählte von der Beziehung zu seiner Mutter und seiner einmaligen Beziehung zwischen ihm und meiner Mutter. Zunächst sah ich die vielen Gäste vor mir gar nicht, ich sah eigentlich ihn, damals, als er mir die Geschichten erzählte. Erst später wurde mir bewusst, dass, obwohl keine seiner Geschichten traurig waren, viele der Anwesenden weinten, während ich sprach. Ich weinte nicht und schaffte es, die Rede zu Ende halten. Ich habe meinen Auftrag erfüllt. Aber danach war ich hundemüde, wie wenn ich einen Marathon in Rekord Zeit gelaufen wäre. Mein Körper und mein Geist wurden von Trauer und Müdigkeit als Geisel genommen.

Danke, Danke für Alles und eine gute Reise.

Bildquelle: berggeist007/pixelio.de

The most difficult speech of my life


My step-father Jan has passed away. He was 84 years old and the last 5 1/2 years he had suffered from a fatal illness. We all knew that he was dying. With his disease one can survive 1 up to a maximum of 10 years. And although I knew that, I realised you cannot prepare for death. His death struck me like lightning from a clear sky. The ground was swept from under my feet and I felt more helpless than I had ever felt in my life. I am a person of action, I am used to solving problems. I am the one, who searches for and finds successful ways out of hopeless situations and suddenly there was nothing I could have done. I was overcome by an infinite sadness. I functioned and helped my mother in everything such a situation requires, but somehow it was all mechanical.

For the funeral, which took place 7 daysafter his death, my mother wanted me to give the parting speech. And I couldn’tsay NO. From the time I made her the promise, I began to prepare myself intensively.I recall all the things he had ever told me about himself and his parents and Ibegan to assemble the small stories into a picture. I imagined a collage ofstories, which best described his character. And the more I worked on the speech,the worse I felt. He was a kind-hearted person, always in a good mood. He hadliked people and they repaid him with their love. He couldn’t harm a fly. Hewas undemanding and cheerful, hard-working and very skilful. He was a gifted craftsmanand a wonderful pianist. He was a sensational husband for my mother. The more Ibecame aware of this, the greater became my already infinitely great sadness. Thefeeling of having lost forever someone who was so immensely valuable, felt likea lead weight fastened to my leg.

I practised the speech when I wasjogging, because while moving, at best early in the morning, I could relax alittle. I practised the speech, just as I have practised my speeches in thepast, but almost always the tears flowed. I became increasingly anxious that onthe day of the funeral I will not be able to finish my speech, because the tearswill stifle my words. I didn’t know how to protect myself against such sadness.

The funeral was terrible. Obviously so many people knew him and respected him that there were not enough chairs in the funeral hall. Many, who wanted to take leave of him for the last time, had to stand. There was not much space and all the flowers that people had brought with them were laid around the coffin, like a colourful meadow. When the first piece of music, after which I should make my speech, began, I had to bite my lips together till they bled in the hope that the pain would conquer the sadness and the tears which were starting to arise in me. Without much success. Never in my life has a speech been so difficult. If my mother, who wanted me to give the speech, had not been there, I would have run away like a coward. The pain was intolerable. Somehow, I succeeded in standing up, making my way to the front and holding my speech. Jan would certainly not have wanted me to give a sad speech. So I told some of the stories he had told me himself, like the one here about a forgotten wedding anniversary.

I talked about his relationship with his mother and his unique relationship between him and my mother. At first, I didn’t even see the many guests in front of me, I saw only him, at the time he told me the stories. Only later was I aware that, although none of his stories were sad, many of those present were crying as I spoke. I didn’t cry and was able to finish the speech. I have fulfilled my task. But, afterwards, I was tired, dog-tired, as if I had run a marathon in record time. My body and my spirit had been taken hostage by sadness and weariness.

Thank you!
Thank you for everything and farewell!


Image source: berggeist007/ pixelio.de

Öffentlicher Verkehr in Prag





Unterwegs im Bus, Tram oder der Metro haben wir immer das gleiche Spiel gespielt. Der Gewinner ist derjenige, der am längsten fahren kann, ohne sich mit den Händen fest zu halten. Das ist vielleicht gefährlich, aber über solche Sachen denken Kinder meistens nicht nach. Es war damals sehr lustig und richtig herausfordernd. Mit der Zeit wurde ich auf bestimmten Strecken zu einer wahren Meisterin. Ich kannte die Kurven, ich wusste, wo schnell gebremst wurde und ich habe mir Taktiken aneignet, um das Gleichgewicht sehr schnell zu verlagern. Sehr oft bin ich dann aus diesen Wettkämpfen mit meinen Klassenkameraden als Siegerin hervorgegangen. Vieles von diesem Training ist mir dann später beim Fechten zugute gekommen. Solche Trainings sind zur Nachahmung nicht empfohlen!!!! Reparaturen beim Zahnarzt sind nämlich sehr teuer.

Heute bin ich ebenfalls mit dem öffentlichen Verkehr in Prag unterwegs. Jedoch mit dem Verstand eines Erwachsenen und ich halte mich mit einer Hand meistens an einer Stange fest. Sehr oft reicht es aber nicht. Das abrupte Bremsen der Busse oder die Kurven (die Busse sind wesentlich länger geworden) bringen mich oft in anspruchsvolle Situationen, wo eine Hand nicht ausreicht. Umso besorgter beobachte ich immer wieder Leute im Alter von 70 und mehr Jahren, die in einen Bus einsteigen, angebotene Plätze zum Hinsetzen verweigern, sich bei den Türen rund um die Stange wickeln und versuchen die Reise stehend auszubalancieren. Ich verstand nie, warum sie es so machen. Warum setzen sie sich nicht, insbesondere, wenn ihnen sogar ein Platz angeboten wird. 

Ich diskutierte es vor einiger Zeit mit meinem Vater. Er ist seit ein paar Jahren gehbehindert aber auch er weigert sich, abzusitzen. Er erklärte mir, dass das Absitzen und Aufstehen und das alles innerhalb einer kurzen Zeitspanne, mehr Kraft brauche als das Stehen. Dazu hat er (und die Anderen wahrscheinlich auch) Angst, dass wenn er zu weit weg vom Ausgang sitzt, er es nicht schnell genug schaffen wird, auszusteigen. Eine Busstation weiter als gewünscht zu landen, ist ihm ein Horrorszenario. Seine Argumente leuchteten mir ein. Ich dachte aber, dass obwohl wir eine ungeduldige Gesellschaft sind, die leider dem Alter nicht mehr viel Respekt entgegenbringt, wir doch noch nicht so schlimm sind, dass der Bus nicht bereit wäre zu warten, bis jemand Langsames aussteigt. Es reicht nur, sich bemerkbar zu machen. Ein böser Blick eines Ungeduldigen, ist nur ein Blick…Die Diskussion mit meinem Vater liessen wir eigentlich offen. Jeder ist bei seiner Überzeugung geblieben.

Am Sonntagnachmittag stieg ich also in den Bus. Nach zwei Stationen stiegen 4 ältere, sehr herausgeputzte Damen ein. Zwei von Ihnen hatten sehr lustige Hüte. Zwei setzen sich und zwei blieben stehen. Der Bus begann, sich zu bewegen. Die vier schwatzen freundlich, lachten und benahmen sich wie anständige Gymnasiasten. Und wie so oft musste der Bus abrupt bremsen. Diejenige, die am nächsten bei mir stand, flog in freiem, ungebremsten Fall in meine Richtung.  Mir ist es gelungen, sie zu fangen und zu verhindern, dass sie zu Boden sank. Ich hob ihren Arm fest, bis sie wieder stabil stand und der Bus ebenfalls zum Stillstand kam. “Und jetzt absitzen”, befahl ich ihr. ” Wissen sie was wäre, wenn sie sich jetzt da das Bein gebrochen hätten?”, ergänzte ich noch. Sie sah mich erschrocken und entschuldigend an. Die zwei anderen machten ihr Platz und sie setzte sich sofort. Ich war vielleicht zu harsch, aber ich hatte mir wirklich Sorgen um sie gemacht. Gleichzeitig hoffe ich, dass ihr das Erlebnis Lehre genug sein wird. Erfahren werde ich es aber wohl nie.

Public transport in Prague


On the bus, the tram or the underground we always played the same game. The winner is the one who can ride longest without holding on with their hands. That may be dangerous, but in most cases children don’t think about such things. Then it was great fun and really challenging. With time on certain stretches I became a real champion. I knew the curves, I knew where it was quickly braked and I developed tactics to shift my balance very quickly. Very often I emerged from these competitions with my classmates as the winner. Much of this training helped me later in fencing. Such trainings should not be copied!!!! Tooth repairs are very expensive.

Today I am also travelling by public transport in Prague. But with the common sense of an adult and most of the time I keep one hand on a pole. But very often that is not enough. The sudden braking of the busses or the curves (the busses have become much longer) frequently bring me into demanding situations, where one hand is not enough. The more concerned I am when time and again I see people aged 70 or more, who climb into a bus, refuse the seats offered them, wrap themselves round the pole near the doors and try to keep their balance standing. I could never understand why they do so. Why don’t they sit down, especially when they are offered a seat.

Some time ago I discussed this with my father. For a few years he has been partially disabled but he also refuses to sit down. He explained that sitting down and standing up and that at a short interval requires more strength then standing. In addition he (and probably the others also) are afraid that if he sits too far away from the exit he will not be quick enough to get off. Ending up one stop further than desired, is for him a horror scenario. His arguments make sense to me. But I thought that although we are an impatient society which unfortunately no longer shows much respect for age, we are not so bad that the bus would not be prepared to wait while someone gets off slowly. It is enough to draw attention to oneself. An angry glance by an impatient person is only a glance…
We left the discussion with both me and my father stuck to their conviction.

On Sunday afternoon I got on the bus. After two stops four elderly, very smart ladies got on. Two of them had very funny hats. Two sat down and two remained standing. The bus began to move. The four chatted in a friendly manner, laughed and behaved themselves like respectable school girls. And as so often the bus had to brake sharply. The lady standing nearest to me flew through the air towards me.  I was able to catch her and prevent her from falling to the floor. I grasped her arm until she could stand properly and the bus also came to a stop. “And now sit down”, I ordered her. ” Do you know what it would be like, if you had broken your leg?”, I added. She looked at me in astonishment and apologetically. The other two made room for her and she sat down immediately. Perhaps I was too harsh, but I was really concerned about her. At the same time I hope that the experience will be a lesson to her. But I’ll probably never find out.

Tiny Switzerland and its 26 cantons


Switzerland is tiny. If you want to travel from oneborder to the most distant other border, half a day is enough and so is good.At the same time tiny Switzerland is divided into 26 cantons and they aresovereign in many matters.  It ispossible that, if you have 2 children, who go to schools in different places,possibly in another canton, only seldom do they have holidays at the same time.Moving from one canton to another is like emigrating abroad.

The registration number on your car is changed and itcan be seen in which canton you live. The longer you live somewhere, the lowerthe registration number. This gives a clear distinction between the locals andthe newcomers. Swiss drivers are not particularly considerate and patient andtherefore in large cities like Zürich it’s not long before someone, who doesnot have a Zürich registration and only one second after it has turned green atthe traffic lights has not started, is hooted at as a disturbance. Seldom doesthat speed things up but perhaps it helps the stressed driver partly to relievehis or her aggression. 

Last year I moved from one canton to another. I paidthe vehicle tax for 2019 – and that‘s quite a sum – at my old place ofresidence. After changing the registration, I had to pay the vehicle tax for2019 again. A week later, at home I received a cheque for almost the sameamount that I had paid in my new canton – but after deduction of administrativecosts. The money to be collected from the post office. As my nearest postoffice, which has only short and customer unfriendly opening hours, is close towhere I work, which is in my former canton of residence, I went to collect themoney. After I had waited for 5 minutes, I was informed that the money could becollected from a post office in my canton of residence. HELP I wanted to shout.Apart from that the cheque is valid for only one month. I looked in theInternet and on Saturday afternoon I went to the post office close to thestation in my place of residence. Only to discover that it is not open and ofcourse the letter boxes cannot cash a cheque for me. There was no time to go tothe next post office, because it was already 4.00 pm.

This week I’m working in New York and unfortunatelythere too I cannot cash the cheque. So I’m getting dangerously close to thecheque’s maturity date. God knows how I’m going to get my money.    

Die kleine Schweiz und ihre 26 Kantone


Die Schweiz ist klein. Wenn man von einer Grenze zu der entferntesten anderen Grenze fahren will, reicht ein halber Tag und das ist gut so. Gleichzeitig ist die kleine Schweiz in 26 Kantone aufgeteilt und die haben die Hoheit über viele Bereiche. So ist es möglich, dass wenn man 2 Kinder hat, die an verschiedenen Orten in die Schule gehen und womöglich über die Kantonsgrenze hinaus, sie nur selten gleichzeitig Ferien haben. Ein Umzug aus einem Kanton in einen anderen Kanton gleicht einem Wegzug ins Ausland.

Das Nummernschild am Auto wird umgetauscht und es wird ersichtlich, in welchem Kanton man wohnt. Je länger man irgendwo wohnt, desto tiefer ist die Autonummer. So geschieht eine klare Kennzeichnung der Alteingesessenen und der Zuzüger. Die Schweizer Autofahrer sind nicht besonders rücksichtsvolle und geduldige Fahrer und so geschieht es in grossen Städten wie Zürich sehr schnell, dass jemand der kein Zürcher Nummernschild hat, nur eine Sekunde nach dem das grüne Licht an einer Kreuzung geleuchtet hat und er oder sie noch nicht weggefahren ist, angehupt wird als störender Faktor. Das trägt selten zur Beschleunigung bei aber vielleicht hilft es dem gestressten Fahrer, seine oder ihre Aggression teilweise abzubauen.

Ich bin letztes Jahr aus einem Kanton in einen anderen Kanton umgezogen. Die Autosteuer für das Jahr 2019 – und die ist happig – habe ich noch am alten Wohnort bezahlt. Als ich dann das Schild gewechselt habe, musste ich die Autosteuer für das Jahr 2019 noch mal bezahlen. Eine Woche später traf bei mir zu Hause ein Check ein mit fast dem identischen Betrag, den ich im neuen Kanton bezahlt habe – jedoch nach Abzug der administrative Kosten. Das Geld ist abzuholen bei der Post. Da meine nächste Post, die sehr kurze und kundenunfreundliche Öffnungszeiten hat, in der Nähe meines Arbeitsortes ist, der sich immer noch in meinem vormaligen Wohnkanton befindet, bin ich gegangen, um das Geld zu holen. Nach 5 Minuten warten wurde mir mitgeteilt, dass das Geld nur im Kanton meines Wohnortes bei der Post abgeholt werden kann.

HILFE wollte ich schreien. Dazu kommt, dass der Check nur einen Monat Gültigkeit hat. Ich habe im Internet nachgeschaut und bin am Samstag Nachmittag in meinem Wohnort in der Nähe des Bahnhofs zur Post. Ich musste feststellen, dass diese nicht bedient ist und die Postboxen mir natürlich keinen Check auszahlen können. Zur weiteren Poststelle hat es nicht mehr gereicht, da schon 16 Uhr war.

Diese Woche arbeite ich in New York und da kann man den Check leider auch nicht einlösen. So nähere ich mich gefährlich dem Verfallsdatum des Checks. Gott weiss, wie ich dann zu meinem Geld komme.

Geschäftstüchtigkeit


Ich kam in Frankfurt an. Wie so oft, bestellte ich via Uber meine Mitfahrgelegenheit. Sie war da, noch bevor ich den Standort erreichen konnte. Mein Ziel war weit vom Flughafen entfernt. Dementsprechend war die Reise teuer. Bei Uber habe ich beobachtet, dass die Reise vom Flughafen zum Ziel um ein Drittel bis die Hälfte billiger ist als die identische Distanz zurück zum Flughafen. Dies unabhängig von der Tageszeit. Meine Hauptsorge galt allerdings der Rückreise. Ich wusste, dass ich in der Verkehrsspitze reisen würde und das quer durch die ganze Stadt.


Ich fragte darum den Fahrer, wieviel Zeit ich am späten Nachmittag einrechnen müsste, um um 18 Uhr am Flughafen zu sein. Zu meiner Überraschung sagte er, dass es keinen Unterschied ausmache. Na dann. Problem gelöst. Er bot mir an, mich abzuholen. Ich fand es ein gutes Angebot. Schliesslich kannte ich so den Preis im Voraus und es war mir auch bewusst, dass er das Geld dann ohne die Vermittlungsgebühren von Uber verdienen wird. Das war auch in Ordnung.

Bei solchen Angeboten bin ich aber skeptisch. Wer weiss, ob er tatsächlich kommt. Aber um fünf Uhr am Nachmittag nach allen meinen Besprechungen, war er pünktlich an der abgemachten Stelle und wartete auf mich. Ich fragte ihn nach einem Preis, um jegliche negative Überraschung am Flughafen zu vermeiden. Ich staunte nicht schlecht, als der Preis noch um einiges tiefer war, als der Preis des Morgens. Da sass ich aber schon in dem Fahrzeug und fuhr zum Flughafen.

Ich fragte ihn, wie der Preis zustande kam und er erklärte mir, dass er keine Abgabe an Uber bezahlen müsse und auch keine anderen Steuern. Das machte mich stutzig. Zu einer Steuerhinterziehung wollte ich nicht beitragen, aber ich realisierte, dass meine Machthabe sehr limitiert ist. Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass er das Einkommen vielleicht doch noch in seiner Steuererklärung deklarieren wird, aber es funktionierte nur paar Sekunden. Mir war klar, dass die Wahrscheinlichkeit bei dem, was er sagte, sehr geringfügig war. Am Flughafen fragte ich nach einer Quittung, aber er hatte keine und wollte mir keine geben. Dafür ist der Preis noch um 5 Euro gesunken. Ich zahlte in bar und verliess das Uber mit einem unguten Gefühl. Dass er so für sich mehr verdient als bei Uber war für mich ok. Schlussendlich verdiente Uber auch nicht schlecht auf meiner ersten Fahrt.

Der Betrug am Staat brachte mich jedoch zum Nachdenken, da ich keine Idee hatte, wie ich ihn hätte verhindern können. Ich bin der Meinung, dass der Staat die Steuern, die ihm zustehen, bekommen muss, um seine Aufgabe erfüllen zu können. Ich bin mir jedoch unsicher, wie ich nächstes Mal bei so einem Taxi Angebot reagieren würde.

Nehme ich es? Werde ich es abweisen? Was hättet ihr gemacht?


Thommy Weiss / pixelio.de

Business sense


I arrived in Frankfurt. As I so often do, I booked my taxi via Uber. It was there, before I could reach the location. My destination was far away from the airport. The trip was correspondingly expensive. With Uber I have noticed that the trip from the airport to the destination is a third to a half cheaper than the identical distance back to the airport. Regardless of the time of day. However my main concern was the return trip.


I knew that I would be travelling at the peak traffic hour and that right through the centre of the city. Therefore I asked my driver how much time I should reckon with in the late afternoon to be at the airport by 6.00 p.m. To my great surprise he said it didn’t make any difference. So, problem solved. He offered to pick me up. I thought that was a good offer. After all I knew the price in advance and I was aware that he would earn his money without the Uber service charge. That was also OK. But when I receive such offers, I am sceptical. Who knows whether he will really come. But at 5.00 p.m. after all my meetings, he arrived punctually at the agreed meeting place and was waiting for me. I asked him the price in order to avoid any negative surprise at the airport. I was greatly surprised when the price was much less than I had paid in the morning. But then I was sitting in the car and was on the way to the airport.

I asked him how he came to the price and he explained to me that he didn’t have to pay a charge to Uber and also any other taxes. That made me suspicious. I didn’t want to be any part in tax evasion, but I realised that my power is very limited. I tried to reassure myself with the fact that perhaps he will declare the income in his tax return, but that worked only for a few seconds. It was clear to me that, given what he had said, that was very unlikely. At the airport I asked for a receipt, but he didn’t have any and didn’t want to give me one. The price fell by another 5 Euros. I paid cash and left the Uber with an uncomfortable feeling. That in this way he earned more for himself than with Uber, was OK for me. After all, Uber had earned well on my first trip.

But defrauding the state made me think, as I had no idea how I could have prevented him. I believe that the state must receive the taxes which are due to it in order to fulfil its obligations. But I am not sure how I would react another time to such a taxi offer. Do I accept? Shall I refuse? What would you have done?

Thommy Weiss / pixelio.de

Excess


During my childhood for the price of one you got exactly one. Family packs didn’t yet exist, 3 for 2 also didn’t and buffet or “All included” were for me as a child unknown phenomena. The first time I heard of “All you can eat” was in the dancing class during puberty and the intention was not really that one should fill one’s belly but that one learned good manners. That went pretty wrong.

Imagine a horde of young adolescent men still growing. Dressed in black suits with bow-ties, confronted by buffet tables full of sandwiches and all for free. We stood there and the dancing instructor gave a lecture on how to behave properly in such a situation. No pushing, no stuffing everything in one’s mouth, letting the ladies go first, eating slowly, etc. What followed was like something out of the Hunger Games and the dancing instructor had no chance of stopping the young men. His cries into the microphone – “Don’t shove, don’t fight”, rang through the dance hall but had no effect. Within seconds the young men had stripped the tables bare. The majority of the young ladies hung back. My first experience with the concept «All included» was pretty negative, because I didn’t get a single thing to eat.

As a young adult, I went to Ireland. That was a very inspiring trip. In a village, the name of which I can no longer remember, dinner was in buffet form. A fish buffet. For us then it was quite expensive, but I wanted to try it without fail. It was stunning. There were so many fantastic things, which then in normal life I could scarcely afford. I tried a lot, but of course not all. That was simply impossible. My eyes were happy to continue, but my stomach refused to follow. I was full to the brim and there was no room left, not even for the tiniest piece. That was the first time that I understood how dangerous these offers are. You eat much too much. Although they are tempting, from then on I avoided all such offers.

Now, from January, I have the general rail-pass for the train in Switzerland. That means, at the start one pays a price, for which one could buy a second-hand car with many kilometres on the clock, and then almost the whole public transport is included. And behold, it works like the buffet. You don’t think but just go, anyway it’s included in the price. And because my youngest and I both have the general rail-pass, in the holidays we decided not to have a plan, but always to take the first train which is leaving the station. So we took only our scooters and a little money for refreshments. The first train took us to Lucerne, that was the terminus and everybody had to get off. We caught a glimpse of the Gütsch – a hotel on a hill high above Lucerne with a huge red heart. We took the light railway up to the hotel and visited the open-air exhibition – LA Collection’Air. You can and must disagree about art, but honestly it’s not worth the 12 francs admission.

Then we went, via the hill opposite, round the city wall to the station and the first train was going to Basle. Basle was again the terminus. We visited the Cartoon Museum, drank coffee and Rivella. From Basle the next train was going to St. Gallen. We got on the train but decided to get off at the Airport and watch the departing flights from the Observation Deck. It was an early evening, cold but bathed in wonderful sunshine. The next train took us to Zürich and because we were quite hungry, we got off to find dinner. Then we arrived home late, it was almost 11.00 pm, but during the holidays that doesn’t matter.

We have used our general rail-pass a lot and travelled right across Switzerland. It was nice. Was it excessive? Wouldn’t it have been enough just to have viewed Lucerne properly? I think we’ll do it again. Without a plan, unfortunately that happens ever more seldom. And making such a journey with the first train available, holds many surprises in store.

Masslosigkeit


In meiner Kindheit gab es für Preis eines Stückes exakt ein Stück. Familienpackungen existierten noch nicht, 3 für 2 ebenfalls nicht und Buffet oder “Alles in Preis inbegriffen” waren mir als Kind unbekannte Phänomene. Meine erste Begegnung mit “All you can eat” war in der Tanzstunde in der Pubertät und es war eigentlich nicht so gemeint, dass man sich den Bauch vollschlägt, sondern dass man gute Manieren lernt. Das ist ziemlich schiefgelaufen.

Stellt Euch eine Horde pubertierender junger Männer im Wachstum vor. Gekleidet in schwarzen Anzügen mit Fliegen, denen schwedische Tische voll mit belegten Brötli gratis angeboten wurden. Wir standen da und der Tanzmeister hielt einen Vortrag darüber, wie man sich in so einer Situation richtig benimmt. Kein Drängen, kein sich den Mund vollstopfen, Damen den Vorrang geben, langsam essen etc. Was folgte war ähnlich wie bei den Hunger Games und der Tanzmeister hatte keine Chance die jungen Männer zu bremsen. Seine Rufe ins Mikrofon – “Nicht drängeln, nicht kämpfen”, hallten durch den Tanzsaal aber zeigten keine Wirkung.

Innert kurzer Zeit hatten die jungen Männer die Tische leer geplündert. Die Frauen hielten sich mehrheitlich im Hintergrund. Meine erste Erfahrung mit dem Konzept «Alles inbegriffen» war ziemlich negativ, denn ich ass damals kein einziges Stück. Als junge Erwachsene fuhr ich nach Irland. Das war eine sehr inspirierende Reise. In einem Dorf, an dessen Namen ich mich heute nicht mehr erinnere, hatte es das Abendessen in Buffetform gegeben. Ein Fischbuffet. Es war für uns damals ziemlich teuer aber ich wollte es unbedingt versuchen. Es war umwerfend. Da waren so viele phantastische Sachen, die ich mir im normalen Leben damals kaum leisten konnte. Ich probierte von Vielem, aber selbstverständlich nicht von Allem. Das war schlichtweg unmöglich. Die Augen haben gerne weitergemacht aber der Magen hat die Gefolgschaft verweigert. Ich war satt und voll und es hat gar keinen Platz mehr gegeben, nicht einmal für etwas winzig Kleines. Das war das erste Mal, dass ich verstanden habe, wie gefährlich diese Angebote sind. Man isst viel zu viel. Obwohl verlockend, mied ich ab dann alle solche Angebote.

Jetzt habe ich ab Januar das Generalabonnement für den Zug in der Schweiz. Das bedeutet, man zahlt am Anfang einen Preis, für den man ein altes Auto mit vielen Kilometern kaufen könnte und danach ist fast der gesamte öffentliche Verkehr inbegriffen. Und siehe da, es funktioniert ähnlich wie das Buffet. Man überlegt nicht und fährt einfach. Es ist sowieso im Preis inbegriffen. Und weil ich mit der Familienkarte meinen Jüngsten überall hin mitnehmen, kann, wo mein GA gilt, haben wir jetzt in Ferien entschieden, dass wir keinen Plan machen werden, sondern immer den ersten Zug nehmen, der vom Bahnhof wegfährt. Wir packten nur unsere Trottinettes und ein bisschen Geld für die Verpflegung ein. Der erste Zug fuhr uns nach Luzern, dort war Endstation und alle mussten austeigen. Unser Blick fiel auf das Chateau Gütsch – ein Hotel hoch auf dem Berg über Luzern mit einem riesen grossen roten Herz. Wir fuhren mit dem Bähnli nach oben und besuchten die Freiluft Ausstellung – LA Collection’air. Über Kunst kann und muss man streiten, aber ehrlich die 12 Franken Eintritt ist es nicht wert.

Danach fuhren wir via den gegenüberliegenden Berg um die Stadtmauer herum zum Bahnhof und der nächste Zug fuhr nach Basel. Basel war wieder Endstation. Wir besuchten das Cartoon Museum, tranken Kaffee und Rivella. Aus Basel fuhr der nächste Zug nach St. Gallen. Wir stiegen ein aber entschieden uns am Flughafen auszusteigen und auf der Zuschauerterasse die Abflüge zu beobachten. Es war ein kalter aber herrlich in Sonne gebadeter früher Abend. Der nächste Zug fuhr uns nach Zürich und weil wir ziemlich hungrig waren, stiegen wir aus um einen Ort zum Nachtessen zu finden. Zu Hause waren wir dann spät, es war fast 23 Uhr, aber während der Ferien macht es nichts aus.

Wir haben unser Generalabo intensiv genutzt und sind quer durch die Schweiz gefahren. Es war schön. War es masslos? Hätte nicht gereicht sich einfach Luzern richtig anzuschauen? Ich glaube wir werden es wieder machen. Mal ohne Plan, das kommt leider immer weniger vor. Und so eine Reise mit dem ersten Zug, der kommt zu machen, hält viele Überraschungen parat.