Michaela Merz

Wie ich den Vortrag von Professor Stiglitz verpasst habe

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Am Donnerstagnachmittag sollte ich von London nach Zürich fliegen. Mit ein bisschen Glück würde ich es schaffen noch das Ende des Vortrages von Professor Joseph Stiglitz (Nobelpreisträger für Ökonomie) an der Universität Zürich zu besuchen. Dachte ich mir!! Weit verfehlt. Mein Abflug war vom Flughafen London City geplant.

Es ist ein winzig kleiner Flughafen, wo nur kleine Maschinen starten und landen können. Es war der nächstgelegene Flughafen zum Ort meiner Besprechung und somit ideal. Leider schrieb mir aber Swiss, dass wegen schlechten Wetterkonditionen, mein Flug mit grosser Wahrscheinlichkeit annulliert wird. Ich schaute, das erste Mal an diesem Nachmittag aus dem Fenster. Ja, es war kein sonniger Tag, aber ein bisschen Regen im Januar ist wirklich nichts Ungewöhnliches. Es hat auch nicht sehr stark gewindet und auch in den Nachrichten gab es keine Meldungen über katastrophale Wetterverhältnisse.

Ich verstehe, dass die Sicherheit das wichtigste ist, aber diese Geschichte schien nicht zu stimmen. Ich fragte bei meine Kollegen nach. Zwei von ihnen hatten ebenfalls den Abflug am Nachmittag vom City Airport, einfach mit einer anderen Fluggesellschaft. Keiner von diesen Flügen wurde annulliert. Zuerst dachte ich, ich falle in Ohnmacht, dann jedoch überkam mich die Wut und Enttäuschung. Den Vortrag von Prof Stiglitz kann ich grad vergessen. Danach kommen die Überlegungen, was ich jetzt tun kann. Umbuchen bedeutet, dass ich an einen anderen Flughafen muss. Das bedeutet, eine Reise quer durch London im Abendverkehr. Nur Masochisten können bei so einem Vorhaben Freude haben.

Es hat sich gezeigt, dass die einzige sinnvolle Möglichkeit heute von London nach Zürich zu kommen der letzte Flug von Heathrow ist. Ich buchte um, weil mein Flug mittlerweile tatsächlich annulliert wurde. Ich stellte mich auf eine furchtbare Reise ein. Und meine Erwartungen wurden noch weit übertroffen. Es macht keinen Sinn in Abendverkehr mit dem Taxi zu fahren. Es würde 1 bis 2 Stunde länger dauern als mit dem öffentlichen Verkehr. Aber die U-Bahn zu nehmen, dazu noch mit Gepäck, ist ein unvergessliches Erlebnis. Zum einem ist es Winter und ich bin dementsprechend gekleidet. Mehr als eine Stunde in einem überfüllten unterirdischen Zug bedeutet schwitzen, schwitzen und noch mal schwitzen. Dazu kommt, dass an bestimmte Stationen, die Passagiere gar nicht in den ankommenden Zug einsteigen können, denn der ist so voll, dass nicht mal eine Maus noch reinpassen würde. Und ich habe noch Gepäck. Die Reise mit der U-Bahn war noch schlimmer als ich es mir vorgestellt hatte.

Verschwitzt, hungrig und müde bin ich rechtzeitig am Flughafen Heathrow angekommen. Zeit für ein schnelles Nachtessen. Zuerst muss ich jedoch durch die Sicherheitskontrolle. Es sind zu wenige Schalter offen und somit ist die Schlange der Leute ewig lang und das Tempo entsprechend langsam. Es dauert ewig. Jetzt, nachdem ich erfolgreich durch die Kontrollen bin, ist für ein Nachtessen keine Zeit mehr.

Schlussendlich ist das Flugzeug mit einer Verspätung gestartet. Die Erklärung und Entschuldigung von Swiss – dieser Flugzeugtyp hat keine Bewilligung bei Nebel zu starten und zu landen – klingt für mich mehr nach einem Witz. Wozu ist so ein Flugzeug in Europa in Januar dann gut?  Ich bin k.o. und will nur noch ins Bett und schlafen. Das hatte ich um kurz vor 1 Uhr geschafft.

Herr Stiglitz ich habe Ihren Vortrag verpasst, es tut mir unglaublich leid, ich wäre gerne dabei gewesen!!

Image source: https://unsplash.com/

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