Michaela Merz

Poncelet polygons sitting in a special projective pencil are affinely regular

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Ich war an der mathematischen Fakultät der Universität Zürich um mir Resultate einer Arbeit anzuhören.

Ich verstand schon, um was es geht, nämlich, dass es möglich ist ein Polygon in einer Ellipse regelmässig zu drehen. Aber ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich eigentlich nur Bahnhof verstand.

Man kann sich schon fragen, warum ich Zeit verwende für etwas was ich nicht wirklich verstehe und was ich auch nicht gedenke in Detail verstehen zu wollen. Der Grund ist meine jüngere Tochter. Sie hat ihre Masterarbeit verteidigt und ich konnte es mir nicht entgehen lassen, auch wenn vieles für mich unverständlich blieb. Ich sah jedoch mit welcher Bravour sie ihren Vortrag machte (sie ist eine geborene Lehrerin) und wie sie sich mit keiner Frage verunsichern lies. Ich war Stolz, unendlich Stolz.

Nur mit Verwunderung denke ich an die Zeit zurück, als ich sie als kleines Kind herumgetragen habe, als ich ihr jeden Abend eine neue gute Nacht Geschichte bis ins Teenie Alter erzählt hatte. Wie ich für sie Haustiere kaufte und mich dann weiterbilden musste, wie man den Tieren angenehmes Leben gestaltet. Die schlechten Erinnerungen verbunden mit Krankheit oder Unfall sind verblasst und die guten bleiben erhalten. Es scheint als gestern als sie in ihrem farbigen Kleid mit blauen Punkten zum Kindergarten gegangen ist. Heute steht sie da, als junge Frau in einem farbigen Kleid und erzählt über die Dinge die ich nur ansatzweise verstehen kann.

Ich will nur sagen, dass der Zeit wie in Nu verfliegt. Es scheint gestern wenn es ein Kleinkind war und heute ist es eine junge, erwachsene Dame (dazu noch mathematisch begabt).

Als meine beiden Töchter noch klein waren, ich sie zur Tagesschule brachte und danach zur Universität rannte, hatte ich gar keine Zeit nachzudenken, ob ich etwas verpasse. Ich konnte nicht anders. Ich liebe meine Kinder und ich liebe sie alle mit gleicher Intensität, obwohl ich es nicht für möglich hielt, dass man mehrere Kinder gleich lieben kann. Ich konnte aber nicht aufhören zu arbeiten. Ich muss auch beruflich und unternehmerisch tätig sein. Ohne diese Tätigkeiten wäre ich nicht glücklich und wäre ich nicht glücklich, wäre ich wohl kaum eine gute Mutter. Es gab viele Situationen, wo mir die Gesellschaft spüren liess, dass ich eine Rabenmutter sei, die keine Kinder haben sollte, wenn ich nicht bereit bin mich um sie 24 Stunden am Tag persönlich zu kümmern. Es gab viele Jahre wo ich für mein Entscheid Mutter zu sein und arbeiten zu wollen durch die Gesetzgebung finanziell bestraft wurde. Zum Beispiel, wenn ich mein gesamter Lohn für die Kinderbetreuung ausgeben musste aber mein Lohn reichte nicht mehr um die Steuer aus meinem Lohn zu zahlen, weil die effektive Kinderbetreuungskosten von den steuerbaren Einkünften nicht abgezogen werden dürften.

Für mich war es die richtige Entscheidung Kinder zu haben und zu Arbeiten und es stimmt auch weiterhin, auch wenn mich das ab und zu am Rande meiner Kräfte brachte. Ich wette meine Kinder werden es gleich haben wollen. Ich habe auch nicht das Gefühl, im Leben meiner Kinder etwas verpasst zu haben und in meinem Beruf waren es nicht meine Kinder, sondern nur die gläserne Decke die mich in Entwicklung ab und zu bremste.

Ich war an der mathematischen Fakultät und hörte die Verteidigung der Masterarbeit meiner jüngeren Tochter. Ich war mächtig stolz, auch wenn ich euch nicht wirklich erklären kann, warum man ein Polygon in einer Ellipse regelmässig drehen kann.

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