Michaela Merz

Mobiltelefone

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Maria hasste Kurt sein iPhone. Sie dachte, dass Kurt mit seinem Telefon mehr Zeit als mit ihr verbringt. Das hat vor Jahren schleichend angefangen. Erst war es ein Blackberry, später das neuste Model von iPhone. Kurt war immer erreichbar. Am Wochenende, während der Ferien, Mitte der Nacht. Seine Kunden waren hauptsächlich in China und so war es nichts Ungewöhnliches, dass jemand um 4 am Morgen angerufen hatte. “Halt die blöden Zeitzonen,” pflegte Kurt zu sagen.

Der Nebeneffekt war ein grosses Haus am Waldrand, ein Garten, ein Swimmingpool. Maria konnte sich kaufen was das Herz begehrt. Schuhe, Schmuck, Tasche von Gucci. Maria hatte lieber kein Swimmingpool, weniger Haus und gar kein Schmuck dafür mehr von Kurt. Die 3 gemeinsame Kindern hat sie fast in Alleingang grossgezogen und wenn jetzt der Jüngste mit 18 Jahren von zu Hause weggezogen ist, fühle sie sich sehr einsam und nutzlos.

So geht es nicht weiter, dachte Maria. Sie wollte was ändern. Sie bat Kurt mit ihr in Wald spazieren zu gehen. Eine ungewöhnliche Bitte die sie schon mehrere Jahre nicht ausgesprochen hatte, aber Kurt merkte, dass es ihr ernst ist und wahrscheinlich um etwas Anderes geht. Er packte sein Telefon und sagte, “na gut Maria aber maximal eine Stunde, danach habe ich eine Videobesprechung mit Peking”.

Maria nickte, aber beharrte darauf dass der Telefon zu Hause bleibt. Schlussendlich wird es nicht mehr als 50 Minuten dauern. Kurt war von der Idee nicht begeistert, aber stimmte zu. Er packte das Telefon aus seine Hosentasche aus und legte es auf die kleine Kommode neben dem Eingang.

Sie gingen in den Wald und Kurt hörte Maria aufmerksam zu. Nach etwa 15 Minuten fühlte er sich plötzlich unwohl. Er wurde blas, verspürte Druck auf Brust und Ausstrahlung in Arm. Er schaffte noch sagen: “Maria mir geht es nicht gut” und sackte zur Boden.

Maria war von Beruf Dentalhygienikerin aber eine Herzmassage hat sie auch gelernt. Da Kurt nicht atmete, begann sie sofort seine Kleider auf der Brust wegzunehmen und es dauerte keine 30 Sekunden und sie begann mit der Herzmassage. 30/2, kehrte in ihrem Kopf, 30 mal das Herz drucken und zwei Beatmungen. Immer wieder, bis Kurt wieder zu sich kommt. Aber Kurt erwachte nicht. Maria dachte, dass sie musste Alarmieren aber ausser rufen, konnte sie nichts machen. Beide ihre Telefone lagen zu Hause.  Sie überlegte, wenn sie versucht zurück zu rennen, bis sie wieder da ist, wird Kurt tot sein oder irreversible Gehirnschäden haben. Mehr als 3 Minuten schafft es sein Gehirn ohne Sauerstoff nicht. Aber vielleicht kommt jemand vorbei, sie sind doch so nah am Dorf, dachte Maria. Sie rufte und massierte sein Herz. Das Adrenalin, das ihre Blutbahn überflutet hatte, half.

Es kam aber niemand und Maria begann die eigene Erschöpfung zu spüren. Sie machte weiter und weiter. Bis sie nicht mehr konnte. Dann sackte sie am Boden am Rücke neben Kurt und begann zu weinen. Dazwischen wurde Dunkel. Maria wusste, jetzt ist Kurt tot.

Nach lange Zeit hatte sie ihm begonnen zu streicheln und zu küssen. Dann stand sie auf und ist völlig entkräftet sehr langsam nach Hause gegangen. Das erste was sie hörte, als sie sich ihrem Haus nährte, war das lauten von Kurt sein Telefon.

Die Frage die seitdem mehrmals am Tag bei ihr aus dem nichts auftaucht ist kurz, “warum nur hat sie darauf bestanden, dass er sein Telefon nicht mitnimmt?”

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