Michaela Merz

Lavrin und die Geschichte des lebenslangen Betruges

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Lavrin hielt von Vorschriften nicht viel. Dort, wo er meinte, er könne nicht erwischt werden, hat er sie einfach nicht beachtet.

Er zahlte für seine Putzfrau nie die Sozialabgaben und als er sich selbständig machte, zog er ihren gesamten Lohn als geschäftsbedingte Kosten ab, obwohl sie vorwiegend seine Wohnung putzte und für ihn vorkochte . Er fuhr mit seinem Fahrzeug immer zu schnell aber nie so schnell, dass ihm sein Fahrausweis entzogen werden könnte. Dem Tempomat hat er so eingestellt, dass er auf der Autobahn maximal 139 km/h und in der Stadt nie mehr als 65 km/h Stunde fuhr.

Wenn er Kleider in Mailand einkaufte, hat er mit pingeliger Präzision alle Kleideretikette ausgeschnitten. Er hat sich die italienische MWST rückerstatten lassen aber die Einfuhr für Zoll und Mehrwertsteuerzwecke in der Schweiz (obwohl seine Einkäufe weit mehr Wert hatten als die 300 Franken) nie deklariert.

Was er einfach übersah oder falsch verstand, war die Tatsache, dass für seine selbständige Erwerbstätigkeit die Mehrwertsteuer bezahlt werden musste. Als die Behörde sich bei ihm gemeldet hatte, war es schlichtweg zu spät. Er hatte keine andere Möglichkeit mehr die Mehrwertsteuer seinen Kunden nach zu belasten. Die Rechnung von 130’000 Franken hat ihn aus den Socken gehauen. Er musste es aus seinem Vermögen zahlen. Nicht dass er es nicht gehabt hätte, aber seine Lust dem Staat das abzuliefern, was dem Staat gehörte, war minimal. So schrieb er einen weinerlichen Brief an die Behörde mit dem Vorschlag, dass er 30’000 bezahlen würde, weil er ansonsten Konkurs anmelden müsse. Unglaublich aber wahr: die Behörde hat sich für den Spatz in der Hand entschieden und war einverstanden. Sie sendete ihm einen Veranlagungsvorschlag für 30’000, den er innerhalb von 30 Tagen unterschrieben zurücksenden müsse. Ansonsten waren die 130’000 in Rechtskraft gewachsen und somit geschuldet.

Das war aber der Zeitpunkt, als seine Frau erfuhr, dass er sie mit ihrer Schwester betrügt. Wütend und sauer leerte sie das gemeinsame Konto und kaufte sich unsinnige Luxusklamotten. In dem ersten Wutanfall schmiss sie auch alle Papiere, die auf seinem Tisch lagen, in den Abfall. Dabei war auch der noch nicht geöffnete Brief der Mehrwertsteuerbehörde.

So kam es dass die 130’000 rechtskräftig wurden und doch noch bezahlt werden mussten. Leider in Raten, weil die Behörde sich geweigert hat, Louis Vuitton Taschen und Ähnliches als Gegenleistung für die Schuld anzunehmen.

Betrügen mag sich vielleicht ab und zu lohnen, aber ab und zu eben überhaupt nicht. Und ein Leben lang zu lügen, geht selten auf.

Bildquelle: meyhome / pixelio.de

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