Michaela Merz

Brunch bei BMW

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Ich fahre BMW. Er ist dunkelblau. Tiefseeblau. Zuverlässig. Wunderbar. Mit genügend Ladefläche. Und das ist mir wichtig. Bei dem, was ich immer wieder mit mir herumschleppe, wäre zum Beispiel ein Ferrari ein Witz, weil da könnte ich nie mein SUP, Velos, Trottinettes und alle möglichen Sportgerate mitnehmen.

Da und dort muss mein BMW in den Service. Pneuwechsel, Öl nachfüllen, regelmässige Kontrollen. Diesen Frühling hat mir also die Garage meines Vertrauens eine nette Einladung zum Brunch geschickt. Da bin ich mit Kegel und Kind gegangen. Mit dem Trottinette. Wenn man in der Stadt Trottinette fährt braucht es vor allem Schuhe mit guter Sohle. Am liebsten niedrige Wanderschuhe. Die Bremse kann nämlich sehr heiss werden und bei Schuhen mit leichter Gummisohle kann es Bremsspuren in Form von geschmolzenem Gummi geben. Wir waren demzufolge sehr sportlich, praktisch angezogen.

Von Ort musste ich feststellen, dass die Mehrheit es kleidungstechnisch wie einen grossen gesellschaftlichen Anlass verstanden hatte und sich entsprechend kleidete. Irgendwie passten wir nicht rein. Das machte uns nicht aus. Wir schauten und probierten die ausgestellten Fahrzeugmodelle. Niemand beeilte sich uns Auskunft zu geben. Auch gut!! Danach besuchten wir das überaus grosszügiges Frühstücksbuffet, das sich locker mit einem 4 Sterne Hotel messen konnte. Meine volljährigen Kinder tranken Prosecco und der Jüngste Orangensaft.

Aufgefallen ist mir, dass die Mehrheit der Familie nur mit einem Kind da war. Woran liegt es? Sind BMW Fahrer Verfechter der Einzelkinderpolitik wie in China? Oder muss man sich entschieden entweder 2 Kinder oder 1 Kind und 1 BMW?

Ich erinnerte mich an unsere letzten Ferien in Miami, wo wir angequatscht wurden, egal wo wir hingingen. In USA reden die Leute miteinander. Auch die einander absolut Unbekannten. Das ist in der Schweiz so gut wie ausgeschlossen. Für das Frühstücksbuffet wurden lange zusammenhängende Bänke und Tische aufgestellt. Es bräuchte nicht viel und man könnte mit jemand Fremden ins Gespräch kommen. Ich beobachtete den Ausstellungsraum und es war offensichtlich, dass die Anwesenden alles taten um nur nicht angesprochen zu werden. Zwischen den einzelnen Gruppen gab es immer einen mindestens kleinen Abstand. Kommunikation zwischen Fremden unerwünscht.

Nach dem tollem Frühstück wollte ich wissen was so eine Elektroladestation für zu Hause kostet. Ausgestellt war sie an der Wand neben dem futuristischen Elektro BMW Fahrzeug. Der Verkäufer wusste es nicht und gab sich auch wenig Mühe sein Wissensdefizit zu beseitigen.

Das alles war nett und gut organisiert aber in der ganzen Zeit mein Anwesenheit hat mich kein einziger Mitarbeiter angesprochen, auch dann nicht als ich die Fahrzeuge ausprobierte.

Vielleicht lag es an unseren Kleidern, vielleicht an der Tatsache, dass ich die einzige Frau mit Kindern aber OHNE MANN in diesem Ausstellungsraum war. Keine Ahnung. Liebe Motorenwerke: Solange ihr aber auf der Basis der äusserlichen Merkmale entscheidet, wird euch ein wachsendes zahlungsfähiges Kundensegment fernbleiben. Ich schätzte das Frühstück, fühlte mich aber als Kunde nicht wirklich willkommen. Bitte denkt darüber nach, eine Änderung könnte sich umsatzsteigernd auswirken.

Bildquelle: Can / pixelio.de

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