Michaela Merz

Frauenzeitschriften

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480077_web_r_b_by_rainer-sturm_pixelio-deIch lese sie viel zu selten. Zum Beispiel bei den raren Gelegenheiten, wenn ich geschäftlich zwischen den Kontinenten hin- und her fliege. Immer und das ohne Ausnahme kommt eine sehr nette Stewardess mit einem Arm voll farbiger Zeitschriften und bietet mir sie an.

Und da nicht zu sehen ist, was sie in ihrer Hand hält, beginnt sie mit der Aufzählung. Komisch ist nur, dass sie wenn sie vor mir steht, immer nur die Frauenzeitschriften aufzählt. Ob dies verkrustete Rollenmuster sind oder eher die jahrelange Erfahrung? Meistens nehme ich ein Wirtschaftsmagazin und eine Frauenzeitschrift. Bei 12 Stunden Flug hat man genug Zeit. Zumindest solange es noch keine Internetverbindung auf den Flügen gibt.

Frauenzeitschriften erfüllen für mich einen wunderbaren Zweck: nach dem Durchblättern und ein bisschen lesen fühle ich mich besser. Warum? Die illustren Damen und Herren haben Probleme. Und was für Probleme! Man muss eine Villa in Malibu loswerden, eine Scheidung ist im Kommen, in Klosters beim Skifahren hat sich der Prinz das Bein gebrochen.

Eben es gibt niemanden, der mit einer dauerhaften Leichtigkeit ohne jegliche Sorgen durch das Leben geht. Mindestens ich kenne wirklich niemandem. Und so kommen einem die eigenen Probleme klein vor in Vergleich zu den Dramen und Tragödien auf den illustren Weltbühnen.

Dass die Mehrheit der Damen in dieser illustren Welt eine Figur hat, wie ich sie nicht mal mit 20 Jahren hatte, stört mich nicht und ich kann mit Bewunderung die Bilder ihrer Abendroben anschauen, weil es wirklich toll aussieht. So etwas zu kaufen wäre mir NIE im Leben in den Sinn gekommen, weil was an Modelmassen fabelhaft aussieht, hätte bei mir eine ganz schlechte Wirkung erzielt. Ich bin doch nicht wahnsinnig und muss meine Schwachstellen nicht noch betonen.

Auch die Ratschläge, die in den Frauenzeitschriften angeboten werden, schlagen bei mir nicht an. Ein einziges Mal habe ich einen ausprobiert. Ich war 17 Jahre alt und habe davon gelesen, wie man einem Doppelkinn vorbeugen kann. Ich hatte zwar kein Doppelkinn, nicht mal ein Anzeichen davon, aber ich dachte, vorbeugen kann man immer. Gemäss der Zeitschrift sollte man ein Stück Stoff nehmen und es unter dem Kinn sanft hin und her reiben. Ich nahm mein Bettlaken und rieb sehr intensiv. Das Resultat war mehr als verblüffend. Das Doppelkinn habe ich sicher damit in die Flucht geschlagen, den das habe ich bis heute nicht, aber die Haut am Hals war wie verbrannt, feurig rot. Auch der Rollkragen vermochte es nicht abzudecken und ich hatte wenig Lust über meine Blödheit zu berichten. Meine Klassenkollegen haben es einem feurigen Liebesleben zugeschrieben, was immer noch die bessere Erklärung war als die eigene Dummheit.

Meist aber sind mir Frauenzeitschriften eine Quelle der Freude. Da ich aber leider wenig Zeit habe und diese Freude ein bisschen eindimensional ist, bleibt es halt nur bei jenen Begegnungen mit ihnen, wo sie frei aufliegen und ich eine Unmenge Zeit habe. Eine Frauenzeitschrift gekauft, habe ich mir noch nie im Leben. Dafür ist mir das Geld dann doch wieder zu schade.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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