Michaela Merz

Lärm

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640581_web_r_b_by_andreas-morlok_pixelio-deWenn euch jemand mit Styroporkugeln, Plastiksäcken oder Stofftieren bewirft, wird es wohl als Belästigung taxiert und Gott weiss mit welchen Strafe gebüsst. Wenn man jedoch durch Lärm belästigt wird, wird oft weggeschaut.

Ich mag mich noch gut erinnern wie wir vor vielen Jahren in einem winzigen Dorf den 1. August feiern wollten. Als es endlich dunkel wurde, starteten wir das Feuerwerk. Wir waren nicht mal in der Hälfte angelangt, da stand der Willy vor uns und beschimpfte uns. Er musste zur Arbeit und am nachfolgenden Tag sehr früh aufstehen und wollte jetzt endlich schlafen. Ich mag mich nach so vielen Jahren immer noch erinnern, wie ich mich damals geschämt habe. Es wurde mir nämlich zu Hause eingetrichtert, dass meine Freiheit dort endet, wo die Freiheit von jemand anderem angegriffen wird. Wir hörten mit dem Feuerwerk sofort auf.

 

Dort, wo ich jetzt wohne, gibt es sehr oft wenn es warm wird, wilde Partys. Mit wilden Partys kann ich leben, mit ohrenbetäubendem Lärm weniger. Ich frage mich dann immer, wo ist die Rücksicht derer abgeblieben, die in der Nacht feiern. Mit Gitarre und Gesang finden heute keine Partys mehr statt. Da werden Verstärker angeschleppt und die ganze Umgebung beschallt.

In der Nachbarschaft hat es ein besetztes Haus gegeben. Wilde Partys im Dauerzustand. Aber die allerschlimmste war die letzte vor dem Hausabbruch. In das kleine Haus kamen bis zu 100 Leute. Sie waren überall, es war extrem laut. Die Polizei kam wegen den vielen Lärmklagen und fuhr wieder weg. Die Party hat den ganzen Tag und die ganze Nacht angedauert und ich schlief bei geschlossenen Fenstern mit Ohrenstöpseln.

Eine Woche später hat mir der Nachbarn erzählt, dass er um drei Uhr aufgestanden ist, weil er wegen dem Lärm nicht schlafen konnte und in seine Büro gefahren ist, um dort noch wenigstens drei Stunden schlafen zu können. Es fröstelte mich. Mein Nachbarn ist Chirurg und operiert oft. Ich habe grosses Vertrauen in ihn, in sein Können, aber an diesem Tag hätte ich keine Lust gehabt unter seinen Händen und unausgeschlafenen Augen auf dem OP-Tisch zu liegen.

Mein letzter Flug nach Asien hat eher wie die Evakuation einer Kinder-Krippe ausgesehen. Die Anzahl der Kleinkinder lag bei etwa einem Viertel aller Fluggäste. Dementsprechend hat es ausgesehen. Es war ein ständiges Lachen, Schreien und Weinen. Trotz Ohrenstöpsel war an Schlaf oder Erholung nicht zu denken. Es war eine Tortur, bei der nicht mal die Kopfhörer wirklich helfen konnten. Ich kam gerädert an. An Arbeit war tags drauf nicht zu denken, da mein Kopf keinen klaren Gedanke fassen konnte.

Bildquelle: Andreas Morlok  / pixelio.de

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