Michaela Merz

Detroit – ein Jahr später

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100258_original_R_K_B_by_Sascha Böhnke_pixelio.deIch bin wieder hier. In der Stadt, die für Autos gebaut wurde wo aber Menschen nicht wirklich eingeplant wurden. Down Town ist beindruckend schön, wenn sich das Sonnenlicht auf den Fensterfassaden der unzähligen Hochhäuser spiegelt. Jetzt im Februar liegt die Temperatur in Fahrenheit bei etwa 30 Grad.
(Wenn man 30 Grad abzieht und der Rest durch 2 dividiert bekommt man die Temperatur in Celsius).

Ja die Temperatur ist beim Gefrierpunkt. Aber der Wind ist so stark und eisig beissend, dass es sich wesentlich kälter anfühlt. Dazu kommt ein schwerer Schneefall. Vielleicht vertreibt das Wetter die restlichen Menschen, die sich auf die Strasse getraut hätten. Einen Menschen auf der Strasse habe ich nämlich während meines ganzen Aufenthaltes nicht gesehen.

Es liegt aber nicht nur an der Kriminalität und dem schlechtem Wetter. Bis anhin hat es in Detroit diesen Winter kaum geschneit und letzte Woche war es etwa 62 Grad Fahrenheit. Warm genug, um Mitte Februar im T-Shirt herum zu laufen, wenn man denn laufen würde. Aber nein, das gesamte Leben geschieht hier mit Hilfe des Autos. Ich habe von meinem letzten Besuch gelernt. Öffentlichen Verkehr gibt es in dieser Stadt und ihrer Umgebung so gut wie nicht. Taxis existieren wegen der hohen Kriminalität auch nicht. Es bleibt die Wahl zwischen Uber, dem Mietauto oder dem Limousinenservice.

Die Wettervorhersage für die Tage meines Aufenthaltes ist weiterhin schlecht. Schnee, kalt, Wind und noch mal Schnee. Ich traue mich nicht ein Mietauto zu nehmen und möglicherweise irgendwo stecken zu bleiben. Uber scheint mir in dieser von Kriminalität geplagten Stadt auch keine wirkliche Alternative zu sein.

Der Limousinenservice scheint nach der Preisbetrachtung akzeptabel zu sein und so lerne ich BIG G kennen. Big G wurde für diese Tage mein Chauffeur. Er ist Afroamerikaner und wirklich gross. Furcht einflössend ist er aber überhaupt nicht, da er ständig lacht und rund um die Uhr gut drauf ist. Schon deswegen fühlt man sich in seiner Anwesenheit wohl. Er ist sehr elegant gekleidet, sicher eleganter als ich es bin und zu jeder Tages- und Nachtzeit mit einwandfrei gebügeltem Hemd ohne Knittern im Dienst. Sein Auto ist picobello sauber und er kümmert sich um mich, als wäre ich sein Kind und nicht bloss sein Passagier.

Drei Tage sind wir zusammen unterwegs und man lernt sich kennen. Ich erfahre, dass immer eine Waffe mit uns mitfährt und es gibt mir eher das Gefühl der Unsicherheit als der zusätzlichen Sicherheit. Big G instruiert mich ebenfalls, wie man sich richtig verhält, sollten wir durch Polizei kontrolliert oder überfallen werden. Sicher nützliches Wissen, das sich jedoch leicht beengend anfühlt. Es passiert ja auch gar nichts ausser starkem Schneefall und es wäre mir lieber gewesen alle anderen Möglichkeiten zu ignorieren.

Den ganzen Aufenthalt über finde ich es bemerkenswert, wie wenig die Leute in der Gegend ihre Füsse benutzen, ausser auf dem Laufband im Hotel. Big G hält mich für verrückt, wenn ich von meinem Hotel in sicherer Gegend zu meiner Besprechung zu dem nächsten Gebäude 500 m weit laufen will. Der Geschäftsführer einer global handelnden Gesellschaft macht während unseres Gespräches eine Pause, fragt mich welchen Kaffee ich will, setzt sich dann selbst ins Auto, fährt zum immerhin 700 m entfernten Starbucks und bringt uns 2 Kaffeebecher.

Sie denken anders als ich, sie verhalten sich anders als ich es mir gewohnt bin und man könnte meinen, sie blieben distanziert. Alleine in ihren Autos, mit der immer präsenten Angst vor Kriminalität, die aus Kontakten mit anderen Menschen entstehen könnte. Aber das Gegenteil ist der Fall. Alle Leute, die mir dort begegnet sind, waren auch bemerkenswert nett, hilfsbereit und angenehm. Schon allein wegen ihnen werde ich gerne wiederkommen.

Bildquelle: Sascha Böhnke  / pixelio.de

 

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