Michaela Merz

Geistergeschichte

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157612_web_R_K_B_by_A.Dreher_pixelio.deWenn man während der Ferien reist und Neues entdeckt, ist das Fremde reizvoll und bereichernd. Wenn man geschäftlich unterwegs ist‎, braucht man Effizienz und Ruhe. Ich bin öfters unterwegs und kämpfe in den verschiedenen Hotels mit banalen Situationen, die einem während Geschäftsreisen das Leben schwer machen. Zum Beispiel, wenn es keinen Haartrockner gibt oder es ihn gibt, aber er so gut versteckt ist, dass ich ihn nicht finden kann (in einem kleinen Zimmer!!), wenn ich die Dusche nicht einschalten kann, weil ich das futuristische System noch nie gesehen habe, oder wenn unter meinem Fenster der Ventilator ununterbrochen summt.

Es ist spät abends. Ich sitze in meinem Nachthemd im Bett, meinen Computer auf den Knien. Ich arbeite in dieser fremden Stadt in diesem Hotelzimmer. Bald will ich schlafen gehen. Und plötzlich habe ich das Gefühl, dass etwas Fremdes dieses Zimmer mit mir teilt. Ich hebe die Augen von dem Bildschirm und beobachte wie sich der grosse Spiegel oberhalb des Schreibtisches vis-a-vis meines Betts zu bewegen beginnt. Es wirkt gespenstisch. Ich überlege in Sekundenbruchteilen, ob ich versuchen sollte aufzustehen und den Spiegel aufzuhalten. Mein Verstand signalisiert mir, dass es für mich sehr blutig, wenn nicht lebensgefährlich sein könnte. Ich ziehe die Decke über mein Kopf und schütze mich vor möglichen Folgen des Falles. Da geht schon der Spiegel zu Boden und zersplittert in Tausend kleinen Scherben. Die sind überall auf dem Bett, am Boden, auf dem Tisch, in meinem geöffneten Koffer.

Ich sitze da erstaunt und überrascht. Aber gleichzeitig überlege ich, ob mir das Hotel diese Geschichte glauben wird oder ob verlangt wird, dass ich den Spiegel und Reinigung übernehmen muss.
Hotel nimmt es ziemlich gelassen und kurz vor Mitternacht wechsle ich das Zimmer, weil die Splitter aufzuräumen relativ umfangreiche Vorhaben sein wird.

Ich weiss nicht, vielleicht habe ich die Begegnung mit der 4. Dimension erlebt oder vielleicht war es wesentlich prosaischer und der Hacken in der Wand hat nach mehreren Jahren seinen Dienst quittiert. Ich werde es wohl kaum erfahren.

 

Bildquelle: A. Dreher / pixelio.de

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