Michaela Merz

Kinderlose Flüge

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Man könnte eine Liste schreiben von Dingen, die das Fliegen sehr unangenehm machen. Vielleicht ‎würden die einzelnen Dinge in der Wichtigkeit bei verschiedenen Leuten variiert, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit, sind die gleichen Dinge in den TOP 10 bei der Mehrheit von Vielflieger zu finden. Dazu gehören Verspätungen, abgesagte Flüge, verpasste Anschlussverbindung, enge Sitze und Reihen, vollgestopfte Gepäckablagen, Nachbarn mit unangenehmen Emissionen, verlorene Gepäckstücke, unruhige Kleinkinder und überbuchte Flüge.

Ich war unterwegs nach London und hatte vor die Vorbereitung für die bevorstehende Besprechung zu erledigen. Ich setzte mich und fing an zu denken und zu arbeiten. Das Flugzeug, wie immer um diese Zeit war komplett voll. Wir heben ab und ich war zuversichtlich, dass ich alles schaffe und dann begann ein Kind irgendwo in der Nähe verzweifelt zu schreien. Vielleicht taten ihm die Ohren weh, da der Druckausgleich bei den Ohren noch nicht gelingt, wie bei uns Erwachsenen. Vielleicht ‎war es die Angst, weil es vielleicht der erste Flug für das Kind war oder vielleicht war es auch was ganz anderes. Der Stimme nach musste das Kind ganz klein sein. Ich sah es nicht beim Einsteigen. Seine Stimme war kraftvoll, schrill und sehr hoch. Am Arbeiten war nicht zu denken. Mir wurde bewusst, dass wenn es länger andauert, ich mich nur ungenügend vorbereiten kann und mit grosse Wahrscheinlichkeit mit dröhnenden Kopf aussteigen werde. Super Voraussetzung für das anspruchsvolle Meeting, das ich leiten sollte und mit zerstrittenen Parteien eine sinnvolle Lösung erarbeiten soll.

Ich hatte Verständnis für die Probleme des Kleinen, aber ich fragte mich, was ist mit meinen Bedürfnissen? Das Kleine Ding hatte Ausdauer und auch wenn das Geschrei für paar Minuten in Schluchzen überging, kehrte es wieder zum Geschrei zurück. Ich würde sofort den Aufpreis zahlen, sogar das Doppelte des Preises, wenn man mir eine sofortige Lösung angeboten hätte. Ich überlegte, was mir die Flugzeuggesellschaft als Leistung anbietet. Eigentlich nur sicheres und rechtzeitiges Vorankommen von Ort A zu Ort B. Über Ruhe um zu arbeiten, zu entspannen und einigermassen erträgliche andere Emissionen aller Art kann keine Rede sein. Ich kann aber sicher nicht die Einzige sein, die unterwegs arbeiten muss. Das ist bestimmt ein Markt!! Und so wie die SBB die wunderbaren Ruhewagen anbietet, wobei man schon schräg angeschaut wird, wenn man nur niest, sollte es doch möglich sein, Flüge anzubieten wobei Ruhe garantiert wird. Kleinkinder müssten eine andere Zeit wählen.

Ich dachte, irgendwann muss das kleine Ding von den ganzen Schreien einfach müde sein und einschlafen oder aufhören. Dem war aber nicht so, es machte mir sogar den Anschein, dass das kleine Ding immer lauter wurde. Mein Kopf drohte zu zerbrechen und mir gingen Lösungen durch den Kopf, die nicht publizierbar sind, da man mir danach eine Planung von einem Verbrechen vorwerfen könnte.

Dann ist mir DIE LÖSUNG in den Sinn gekommen. Nach dem letzten Konzert hatte ich mir den Gehörschutz in meiner ‎Tasche gesteckt und die hatte ich heute dabei. Ich holte die zwei kleinen Ohrstöpsel und stopfte sie mir hastig in meine Ohren. Es war nicht perfekt, da die Geräusche immer noch eindrangen, aber viel viel besser. Ich konnte mit dem Arbeiten beginnen. Sei diesem Vorfall mache ich keine Reise ohne meinen Gehörschutz.

Ich wäre trotzdem bereit einen Aufpreis zu zahlen, wenn man bei der Fliegerei bestimmte Sachen eliminieren könnte!!

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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