Michaela Merz

Blechschaden

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587264_web_R_K_B_by_Dominik Pöpping_pixelio.deIch habe mein Fahrausweis seit ich 18 bin. Eine Ewigkeit. Meine Bussen und Autoschäden lassen sich an einer Hand abzählen. Auf das bin ich unheimlich stolz. Aber dieser Juni war wie verhext. Ich komme zu meinem Auto und stelle fest, dass es jemand beim Parkieren tuschiert und leicht beschädigt hat. Mit meinem Selbstbehalt von 500 Franken bedeutet es, dass ich es selber zahlen muss. Das ist ärgerlich. Sehr sogar. Ich habe aber starke Abneigung kaputte Sachen beschädigt zu lassen. Ich bin der Meinung, dass man sich in einwandfreiem Umfeld anders verhält als in einem Umfeld, wo etwas kaputt ist. Aus einer kleinen Unordnung wird dann grosses Chaos. Ich brachte demzufolge das Auto die gleiche Woche zum Autolackierer, um es wieder in Ordnung bringen zu lassen. Es hat 443 Franken gekostet!! Wahnsinn.

Meine Auto war repariert, einwandfrei und ohne Kratzer. Zwei Tage später bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage steht vor der Ausfahrt ein Lastwagen. Er hat die Ausfahrt nicht blockiert, nur teilweise versperrt, aber eigentlich Platz gelassen damit man knapp herausfahren könnte. Ich war verunsichert, die Lücke schien mir knapp und ich war zu spät zu meinem nächsten Termin. In meiner Unsicherheit und beim Versuch das Auto durchzuschleusen lenkte ich zu viel nach links und hörte das Geräusch, das mir wie ein Messer ins Herz einfuhr. Ich erstarrte und verfluchte mich zugleich. Ich hatte es selber geschafft einen Kratzer reinzufahren. Ich könnte mich ohrfeigen. Das hätte aber auch nicht mehr genutzt. Mir war zum Weinen zumute. Ich war sauer und böse auf mich. Was geschehen ist, kann nicht mehr ungeschehen machen. Die Versicherung sah es pragmatisch. Schlussendlich machen sie nichts Anderes als sich mit Sachschäden jeden Kalibers auseinanderzusetzen. Und dieser Schaden bedeutete keinen Weltuntergang. Die Sachbearbeiterin schlug mir vor, dass sie die Reparatur selber vornehmen. Ich stimmte zu. Am zweiten Tag kam jemand um mein Auto abzuholen. Er brachte mir einen kleinen roten VW, der von allen Seiten beschriftet war. So wurde ich für die nächsten Tage eine fahrende Reklame einer Garage. Und das unentgeltlich. Respektive ich zahlte noch dafür, da ich für die Benutzung des Ersatzfahrzeuges eine Tagespauschale hatte. Der kleine rote VW war sehr spartanisch ausgerüstet. Extras und irgendwelchen Schnickschnack gab es nicht. Auch kein Navi. Man realisiert was man hat, wenn man es nicht mehr hat. Das war auch hier der Fall. Ohne Navi und ohne Klimaanlage war es im heissen Sommer eine Qual die Kunden zu besuchen. Ich musste mehr Zeit für den Weg einberechnen, um den Ort überhaupt zu finden und kam regelmässig verschwitzt an. Nach einem Termin an diesem heissen Tag ohne jede Wolke zu Mittag um 13 Uhr wurde ich in einer Verkehrskontrolle gestoppt. Alle Papiere in Ordnung, aber ich bekam 40 Franken Busse wegen Benutzung des falschen Lichts aufgebrummt. Nein, ich bin nicht ohne Licht gefahren, ich bin mit dem Standlicht gefahren. Ich versuchte dem Polizist zu erklären, dass es ein Ersatzfahrzeug ist und ich es schlechthin nicht wusste. Fehler ist Fehler. Diskussion wurde nicht zugelassen. Ich gefährdete an diesem sonnigen Mittag mit meinem Standeslicht wirklich niemandem, aber ich verletzte das Gesetz. Trotzdem kam ich mir vor wie ein unfreiwilliger Spender. Ich habe eine sehr positive Beziehung zur schweizerischen Polizei und tiefstes Vertrauen in ihre Arbeit. Bei dieser Busse empfand ich sie aber nicht als Helfer, sondern als Eintreiber für die Stadtkasse. Ich zahlte an Ort und Stelle.

Am nachfolgenden Tag brachte die Garage mein repariertes Auto. Wunderbar. Ich schlug dem Fahrer vor in die Tiefgarage (in die gleiche, wo ich das Auto eine Woche zuvor beschädigt hatte) reinzufahren und neben dem Ersatzfahrzeug zu parkieren. Danach könnte ich die Sachen aus dem Kofferraum umladen und er könnte mit dem Ersatzfahrzeug wegfahren. Ich stand neben dem roten VW und wartete bis er fertig einparkiert hatte, da vernahm ich das Geräusch von verkratztem Blech. Es tat weh, aber nicht mal so viel wie vor einer Woche. Das neu reparierte Auto tuschierte diesmal auf der rechten Seite den Pfosten beim Einparkieren. Der Fahrer wurde bleich und grün. Der Farbwechsel in seinem Gesicht war schon beindruckend. Er tat mir sehr leid, aber helfen konnte ich ihm nicht. Was einmal geschehen ist, kann man nicht mehr ungeschehen machen. Und so fragte er mich, ob er es wieder mitnehmen sollte. Ja klar, was sonst. Ich blieb dann mit meiner fahrenden Reklame zurück. Hoffentlich war nur der Juni verflixt, welcher glücklicherweise überstanden ist.

Bildquelle: Dominik Pöpping  / pixelio.de

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