Michaela Merz

Mein neuer Job

Leave a comment

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuf einem Katamaran 16 auf dem Meer zu fahren braucht einiges an Erfahrung, auch wenn man nur entlang der Küste unterwegs ist. Ich habe gelernt grossen Respekt vor dem Meer zu haben und noch grösseren Respekt an Orten, die ich nicht kenne. Die Strömungen, plötzlicher Wetterumschwung, unberechenbare Winde können einige böse Überraschungen parat haben, die zu meistern eine wahre Herausforderung ist. Unterwegs beobachte ich aber sehr oft, dass ich diese Meinung nicht mit vielen teile. Immer wieder wenn ich das fahrlässige Verhalten der Schwimmer im Meer sehe, staune ich mit welchem Glück viele Leute gesegnet sind.

In den Ferien in Thailand lieh ich mir täglich am Morgen, wenn der Wind gut war, einen Katamaran aus und kurvte in der Bucht hin und her. Nach 2 Stunden war ich meistens geschafft, aber überglücklich und kehrte zum Ufer zurück. Zwei junge Männer gekleidet in Badehose und der obligaten Schwimmweste übernahmen den Katamaran von mir. Von ihrem Bauchvolumen war zu schliessen, dass sie eher dem Gesellschaftsleben als übermässigen Sport frönen, aber man soll den Leuten ohne Vorurteile begegnen. Keiner von ihnen hatte eine Mütze und ich fragte mich, wie sie die brütende Mittagshitze am Wasser ertragen können. Schon beim Ablegen des Bootes wurde klar, dass sie mehr Mut als Erfahrung hatten. Irgendwie schafften sie das aber doch noch und fuhren los. Ich beobachtete sie lange, weil ihre Manöver nicht nur sehr ungeschickt wirkten, sondern die Vermutung nährten, dass die Jungs keine Ahnung vom Segeln hatten. In eine Richtung fahren sofern der Wind nicht dreht oder bösartige Böen kommen, kann auch ein nicht geübter Segler, aber zurückkehren an den Ort, wo man gestartet ist, braucht mehr als Glück.

Als die Jungs sehr weit weg vom Ufer auf dem offenen Meer waren, wollten sie wahrscheinlich umdrehen. Nur ist ein Segelboot kein Auto, wo man am Steuerrad einfach in die gewünschte Richtung drehen kann. Sie versuchten es und kenterten. Das ist nichts Dramatisches und passiert auch erfahrenen Seglern, nur wissen die, wie man ein gekentertes Boot wieder aufstellt. Das wussten diese Jungs aber nicht und beim Versuch das Boot aufzustellen, schafften sie es durchzukentern. Das bedeutet, das Boot vollständig zu drehen – der Mast mit dem Segel unter Wasser und der Schwimmkörper Richtung Himmel. Es war offensichtlich, dass sie sich nicht selber zu helfen wussten.

Der thailändische Verleiher, der das ganze besorgt mit dem Fernglas beobachtet hatte, sagte mir auf Englisch, dass er zu ihnen muss und ich soll da bitte aufpassen. Er rief einen Jungen, der da am Ufer Jetski vermietet und fuhr mit ihm zu dem umgekippten Katamaran. Kaum war er weg, begannen Leute zu kommen und wollten sich Geräte ausleihen. Es waren hauptsächlich Russen. Ich lieh ein Kanu aus, erklärte wie man auf einem Paddelbrett steht und fährt, und gab erste Anweisungen wie man mit einem Surfbrett umgeht, das Segel aufhebt und eine Wende macht. Meine Kunden waren vor allem von meinen Russischkenntnissen sehr begeistert. Nein, ich habe nicht solch ein Russischvokabular, dass ich gesamte und präzise Anweisungen für alle die Wassersportarten geben kann. Aber ich kann genug um mir selber zu helfen, es so weit zu erklären, dass sie es nach der Anweisung richtig machen könnten. Meine Gäste bezahlten, ich kassierte und gab es in der Kasse. Nein, ich wusste nicht wieviel der Verleiher verlangt hatte, da keine Preisliste existierte, aber ich habe geschätzt und die Gäste zahlten.

Es war schön und ich genoss es. Es hat sehr viel Spass gemacht. Ich wurde gefragt, ob mir die Station gehört, immer wo ich Russisch gelernt habe und ich bekam sogar Trinkgeld!! Ich war viel zu beschäftigt um zu beobachten, was mit dem umgekippten Boot passierte. Ich sah nur, dass es wieder aufgerichtet wurde und langsam zurückkehrte, diesmal mit 3 Männern an Bord und dem Vermieter am Steuer.

Als sie zurückkamen, übergab ich die Station dem Vermieter, erklärte ihm, was für wieviel ausgeliehen wurde und er schien sehr zufrieden zu sein. Die zwei jungen Männer machten sich davon. Am Abend in meiner Lieblingsbar am Strand sah ich die zwei Gestrandeten wieder. Grossspurig erzählten sie den anwesenden Mädchen von ihrem Abenteuer, in dem sie jedoch am Abend bei einem Drink eher als Helden vorkamen, von ihrem Versagen keine Spur mehr.

Und ich weiss, dass eine Wassersportstation an einem schönen Ort dieser Erde für mich als berufliche Alternative wirklich in Frage kommt. Werbung für sie hatte ich dann in Russland gemacht.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s