Michaela Merz

Evelyne und Joselyn

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417218_web_R_by_Jean-Pierre Brandenburger_pixelio.deEines Abends als ich am Strand entlang nach Hause schlenderte, ‎kam ich an einer kleinen Bar vorbei. Es ist nicht wahr, dass die Bar direkt am Strand war, eher leicht versetzt unter den Palmen, etwa 100 Meter vom Ufer entfernt. Die Musik, die dort gespielt wurde, war gut und von weitem hörbar und das war eigentlich der Grund, warum ich sie das erste Mal ansteuerte. Joselyn sass einsam an der Bar. Wir kamen ins Gespräch, so wie das in einer Bar einfach geschieht. Es war eine unverbindliche, lustige Diskussion. Am nächsten Abend wiederholte sich die Situation, nur das es diesmal Joselyn in doppelter Ausgabe an der Bar gab. Eineiige Zwillinge sind immer eine spannende Erscheinung. Und diese zwei Schwestern waren lustig.

Am nachfolgenden Abend war aber wieder nur eine da. Wir plauderten und ich erzählte ihr, dass ich an diesem Abend den Abendmarkt besuchen wollte. Sie sagte, dass sie sich fast alle Lebensmittel mitgebracht hat, da sie nicht auf Thai-Essen steht und Angst vor einer Lebensmittelvergiftung hat. Für mich war es schwer nachvollziehbar, da sie mir am ersten Abend erzählte, dass sie 3 Monate in Thailand bleibt. Stellen Sie sich vor, Essen für 3 Monate mitzunehmen!!

Und dann erfahre ich die Geschichte dieser Angst. ‎Evelyne hat heute nur eine Niere und die gehörte ursprünglich ihrer Zwillingsschwester. Nach einem Jahr Dialyse war damals klar, dass Evelyne ein Spenderorgan braucht. Ihr Zustand verschlechterte sich nämlich rapide. Joselyn war bereit ihre Niere zu spenden und es gibt kein besseres Spenderorgan als das der eineiigen Zwillingsschwester. Ihre Transplantation war damals die erste durch einen lebenden Spender in Irland. Sogar der damalige Präsident erschien im Spital und das mediale Echo war gross.

Gemäss Evelyn hält eine fremde Spenderniere 10 Jahre, eine verwandte 20 und die einer Zwillingsschwester ewig. Das verblüffendste ist aber, dass es keine Medikamente zu Unterdrückung des eigenen Immunsystems braucht. Evelyn lebt seit Jahren mit dieser Spenderniere. Der grösste Unterschied ist das bewusste Leben im JETZT ohne irgendetwas auf morgen oder übermorgen zu vertagen.

In der Bar lässt sich darüber mit Leichtigkeit plaudern und auch wenn man es Evelyn nicht ansieht, ich denke eine bestimmte “Angst” fährt immer mit.

Bildquelle: Jean-Pierre Brandenburger  / pixelio.de

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