Michaela Merz

Verkleidung

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DSCN2261Ich bin nach Hause gekommen und es sah aus, als hätte jemand eingebrochen. Der Boden war voll von meinen Kleidern. Viele meiner besten Stücke lagen am Boden, dazwischen meine Schuhe, insbesondere die mit Absätzen. Ich war nicht erschrocken. Ich erwartete eine harmlose Erklärung. Und da stand schon mein Jüngster vor mir mit süssem, aber auch schuldbewusstem Gesichtsausdruck und fragte mich wie mein Tag war. Ich dachte, der Junge hat diplomatisches Talent und verzieh ihm ohne nach dem Chaos am Boden zu fragen. Mein Kleiner hatte zusammen mit seinem besten Freund den Mittwochnachmittag damit verbracht meine Kleider anzuprobieren. Das fanden schon vor Jahren meine beiden heute erwachsenen Töchtern eine super Beschäftigung. Offensichtlich ist das in andere Kleider Schlüpfen und somit andere Identitäten Teil des Menschen. Wie sonst kann man alle die Karnevals, Halloween, Maskenbälle, Samichlausumzüge und ähnliches erklären.

Kleider sind extrem wichtig und verwandeln uns im Handumdrehen in jemand anders. Nur nackt sind wir uns alle gleich.

Als mein Kleiner mit 3 Jahren in eine Montessori-Krippe ging, wurde dort auf freiwilliger Basis Ballettunterricht angeboten. Mein Kleiner fand das toll und wollte mitmachen. Seine Begeisterung für Ballett war grenzenlos und ansteckend. Wir haben ihn dorthin geschickt. Er war der einzige Knabe zwischen 9 anderen kleinen Mädchen. Das grösste Problem begann aber, als es um die Kleider ging. Die Lehrerin wollte, dass er mit schwarzem T Shirt und Leggins kommt. Das hat mein Kleiner als ungerecht gefunden. Warum sollten alle Mädchen diese rosaroten Kleidchen mit dem Hauch einer Wolke haben dürfen und er nur schwarz? Er war nicht zufrieden und wollte ebenfalls ein Tutu. Ich als Mutter verstand sein Bedürfnis und so sind wir am Samstag das rosarote Ballettkleidchen kaufen gegangen. In dem Laden ist unser Wunsch auf verständnisvolles Lachen gestossen, schlussendlich, Geschäft ist Geschäft und so konnte mein Kleiner‎ das begehrte Kleidungsstück nach Hause tragen. Dann gab es 9 kleine Mädchen und einen kleinen Jungen alle in rosaroten Tutus in dieser Ballettstunde. Mein Junge war aber nicht zufrieden, weil er immer wieder berichtete, dass alle die Mädchen etwas anderes machen als er und er fand es ungerecht. Nach einem Jahr schmiss er das Ballett hin und fand dass beim Hockey mehr Gleichheit herrscht was die Kleider anbelangt.

Kleider sind halt wichtig.

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