Michaela Merz

Leben retten

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Mit meinem Jüngsten (7) waren wir mit dem Velo unterwegs. Plötzlich sahen wir eine grosse, fast schwarze Pfütze, die sich bewegte. Wir hielten an und beobachteten unzählige kleine schwarze Kaulquappen wie sie hin und her schwammen und die durch uns beobachtete Bewegung erzeugten. Wir standen da, fasziniert und gefesselt. Es waren so viele kleine Tierchen auf engem Raum gedrängt. Wir begannen zu überlegen, was passiert, wenn die Tage wärmer werden und kein Regen fällt. Diese Pfütze hätte keinen Wasserzufluss gehabt und sollte es nicht mehr regnen, würden alle diese unzähligen Tierchen sterben ohne je die Chance zu haben ein Frosch-Stadium zu erreichen.

Es wurde immer klarer, wir müssen sie retten. Das schien nur durch eine Umsiedlung möglich. Aber Umsiedlung wohin? Mein Jüngster schlug unsere Badewannen vor, aber das konnte ich ihm als ziemlich artfremd ausreden. Wir begaben uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort. Das ist leichter gesagt als getan. Es müsste ihr ‎sicheres Grosswerden garantieren, nahe zu uns sein, gut versteckt. Wir fingen an zu suchen, aber unser Vorhaben zeigte sich Schwieriger als gedacht. Wir fuhren mit unseren Velos kreuz und quer durch die Gegend, aber es wurde immer offensichtlicher, dass kein Naturplatz unsere Kriterien erfüllt. Es wurde immer klarer, wir mussten bauen. Bei einem kleinen Bach legten wir dann in aufwendiger Ingenieurarbeit einen kleinen Seitenarm an, bauten ihn dann zu einem kleinen Stausee um und gestalteten ihn künstlerisch, damit sich die neuen Bewohner wohlfühlen.

Am nächsten Tag war Umzug angesagt. Ausgerüstet mit Plastikbehältern mit Wasser brachen wir auf, um die Kaulquappen zu retten. Wer schon mal versucht hat mit blossen Händen diese Tierchen zu fangen, weiss dass wir bald bereuten kein Netz mitgenommen zu haben. Kaulquappen zu fangen und sie in unsere Plastikbehälter zu befördern, zeigte sich als zeitlich wesentlich anspruchsvoller als gedacht. Wir schafften es aber endlich und dann traten unsere Kaulquappen ihre erste grosse Reise an.

Wir liessen sie in ihrem neue Heim heraus und sie fühlten sich wohl.‎ Der erste Teil unserer Lebensretter-Aktion war geglückt. Seitdem verbringen wir Zeit bei dem Bach und beobachten die Kaulquappen. Die Hinterbeine wachsen noch nicht, aber hoffentlich bald. Mein Jüngster meint, dass wenn sie gross sind, er sie zu einem Wanderzirkus trainieren wird. Ob es klappt, werden wir in paar Wochen sehen.

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