Leben in Zeiten des Coronavirus III

Die Phase der Verzweiflung liegt nun hinter mir. In der Phase der Verzweiflung letzte Woche war es aber schlimm. Ich konnte nicht essen – der Magen hat sich zusammengezogen und nur ein Gedanke an Essen fühlte sich schrecklich. Ich konnte nicht schlafen.

Ich bin jeden Tag zwischen 3 und 4 Uhr am Morgen aufgewacht, ohne Chance wieder einzuschlafen. Ich konnte nicht zur Ruhe kommen, ich konnte mich nicht entspannen. Mit gar nichts. Ich versuchte alles. Ich stand auf dem Hometrainer und lief bis zur Erschöpfung. Es hat nicht geholfen. Ich machte alle meine Yoga-Übungen für 2 Stunden und es half auch nicht. Ich probierte es mit Autosuggestion, die normalerweise fantastisch hilft und wieder nichts. Ich lief auf der Zugerberg und es half im Wald zu sein aber wirklich vollständig entspannen konnte ich mich nicht.

Ich war verzweifelt wegen meiner Mutter, der ich nicht wirklich helfen konnte. Das Gefühl der Ohnmacht war überwältigend und hat mich unvorbereitet überrollt mit einer riesen Kraft. Meine Mutter wird bald 80 Jahre und sitzt allein in ihrer Wohnung, hunderte Kilometer von mir entfernt und das was sie am meistens braucht – dass ich sie in Arme nehmen und ihr die Zuversicht gebe, dass alles wieder gut sein wird – ist fast unmöglich. Wir hätten uns an Ostern sehen sollen aber wir beide wissen, dass es nicht möglich sein wird. Die Grenze ist geschlossen – keiner kommt rein und keiner raus. Die grüne Grenze wird überwacht. Meine Mutter hat Angst. Angst, dass sie mich nie mehr wieder umarmen kann. Sie weinte, und ich blieb während unseren Telefonaten stark und weinte umso mehr nach den Gesprächen.

Letzten Samstag war ich so erschöpft, dass ich mir sagen musste, so kann es nicht weiter gehen!! Ich gestand mir meine Ängste und Verzweiflung und das ich nicht weiss wie es weiter geht. Ich putzte die ganze Wohnung, wie wenn meine Leben davon abhängen würde – und sandte danach das Geld für die getane Arbeit an meine Putzfrau, die es sicher brauchen kann. Ihr haben viele ihrer Kunden gekündigt, aus Angst sich von ihr anzustecken. Danach legte ich mich in die kleine Sauna, die wir zu Hause haben und konnte mich das erste Mal entspannen. Ich schlief 8 Stunden und am Sonntag war ich ein anderer Mensch.

Wir hatten mit meiner Mutter alle alltäglichen Probleme auf die Distanz gemeistert – die Schutzmasken aufgetrieben, für Nachschub von frischem Obst und Gemüse gesorgt, die notwendige Medikamente besorgt. Meine Mutter fühlt sich besser und hat ihre Zuversicht wiedergefunden. Wir können wieder zusammen Witze machen und das Leben geht weiter.

Wir sind beide zuversichtlich, dass wir uns im Sommer sehen werden und arbeiten auf diesen Zeitpunkt hin.

Mit meinem Jüngsten haben wir begonnen den Küchentisch täglich zu einem Tischtennis-Tisch umzufunktionieren und wir liefern uns täglich spannende Kämpfe um den kleinen Ball. Dabei wird viel gelacht und Witze gerissen und wir werden täglich besser. Mein Jüngster ist sehr viel selbständiger geworden und macht alle die Sachen, die ich ihm unzählige Male gesagt hatte, er aber bis anhin ignoriert hatte. Er trägt den Abfall, die leeren Flaschen und das Altpapier ohne zu murren raus, nach dem Duschen reinigt er die Dusche damit wir nicht so viel Arbeit am Ende der Woche mit Putzen haben. Alles Schlechte hat auch was Gutes.

Das Leben geht weiter und wir beginnen uns zu arrangieren und eine neue Normalität zu leben. Ich bin mir bewusst, dass ich privilegiert bin und dass es vielen auf diese Welt wesentlich schlechter geht als mir jetzt in meinem Homeoffice.  Ich spüre Dankbarkeit, dass ich mit meiner Mutter einen Weg gefunden habe um diese schwierige Zeit auf die Distanz gemeinsam zu meistern. Ich wünsche Allen ihren Weg in dieser schwierigen Situation zu finden. Bleibt zu Hause, passt auf euch und eure Liebsten auf und helft wo ihr helfen könnt.

Image Source: http://unsplash.com

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