Michaela Merz

Seifenkistenrennen

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Wir haben mit meinem Jüngsten in Unterägeri das Rennen der Seifenkisten besucht.

Die Rennstrecke hatte alles was es zu gute Atmosphäre braucht. Ein Grill mit Cervelat und Bratwurst. Getränke um nicht zu verdursten, ein Glaceverkäufer, viele Fans. Gott sei Dank hat es nicht geregnet, auch wenn es bewölkt war. Die kleinen Rennfahrer waren mit dem Herz voll dabei. Wir haben uns in die “Jogurtenkurve” (die Kurve bei der Molkerei) platziert, dort wo man zwei Sekunden verschenken oder herausholen konnte, die am Ende um einen Podestplatz entscheiden konnten. Bestimmte Autos sind gemütlich reingefahren und es war von vornherein klar, die sind einfach dabei aber mit wenig Ambitionen auf Sieg. Der Kampf um den Podestplatz wurde jedoch gnadenlos geführt. Einige sind sehr rasant in die Kurve reingerast und haben die Kurve sehr eng geschnitten um das Maximum herausauszuholen. Das hellblaue Rennauto hat die Kurve so eng geschnitten, dass es teilweise nur auf zwei Rädern gefahren ist. Wir staunten über den Kampfgeist und der Kreativität der Produzenten der Fahrzeuge. Jedes von ihnen ein Unikat, wahrscheinlich hergestellt in langen Stunden. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, ausser dass man ein Steuerrad und Bremsen haben musste.

Das hat mich auf meine Seifenkiste erinnert. So um den Alter als ich 10 Jahre alt war, haben sich die Jungs aus der Nachbarschaft ein Seifenwagen gebaut. Ihre damalige waren nicht mal annähernd so schön und durchgedacht wie die, die wir heute mit meinem Jüngsten bestaunten, aber sie waren schnell und haben rasant der Berg in Dorf nach unten absolviert. Ich war neidisch und wünschte mir auch so einer. Hauptsächlich weil die Jungs überhaupt nicht bereit waren, mir ihre für eine Probefahrt auszuleihen. Ich kann viele Dinge, aber mein handwerkliche Geschickt haltet sich in Grenzen und Physik hat mich leider nie gross interessiert (respektive keinen von meinen Physiklehrern ist es gelungen in mir die Flamme der Begeisterung zu wecken.). Ich überlegte, was konnte ich machen. Auf dem Dachboden fand ich einen alten Kinderwagen und zerlegte ihm in Einzelteile um an Achsen und Räder zu kommen. Aber Räder allein reichen nicht. Ebenfalls auf dem Dachboden fand ich Bretter und einen alten Velosattel, die ich zu einem Fahrgestell umfunktioniert hatte. Ohne Hilfe der Nachbarjungs hätte ich es kaum geschafft, die Achsen mit dem Fahrgestellt zu verbinden. Bremsen hat mein Fahrzeug nicht gehabt, da ich nicht wusste, wie ich sie machen konnte. Gesteuert wurde es mehr schlecht als recht durch meine Füsse. Der erste Versuch endete schnell neben der Strasse in Gebüsch. Ich gab aber nicht auf und in langen Stunden des Übens verbesserte ich meine Steuertechnik. Das hatte seinen Preis und alle die Kollisionen mit den Buschen die es Links und Rechts der Wege gab, unterschrieben sich auf meinem Körper mit unzähligen Schürfungen, Blutergüssen und Kratzern. Trotzdem allem versuchte ich es weiter. Nach zwei Wochen fleissigen Übens, schaffte ich es der Berg nach unten zu fahren, ohne in Busch zu landen. Das war eine ziemlich grosse Leistung, weil bremsen konnte ich ja nicht. Ich war mächtig Stolz und traute mich die Jungs zu einem Wettrennen aufzufordern. Sie nahmen an und machten sich lustig über mein Rennauto.

Am Nachmittag vor dem geplanten Rennen entschied ich mich nochmals zu trainieren um dem Sieg näher zu kommen. Die erste Fahrt war rasant aber in der letzte kurve war ich nicht Aufmerksam genug und landete in Brennnesseln. Der Hagebuttenbusch stoppte mich schlussendlich. Ich schleppte das Auto wieder den Berg hoch und schwörte mir, besser aufzupassen. Die zweite Fahrt ging problemlos und die Dritte sollte meine letzte sein, da vor allem das schleppen der Kiste Berghoch wirklich anspruchsvoll war. Ich raste der Berg nach unten, konzentriert und verbissen um meine Leistung zu perfektionieren. Und da aus dem nichts Mitte der Weg stand der berüchtigte Schafbock des Bauers. Wir alle Kinder hatten von dem Tier ziemlich grossen Respekt, weil er gross war und gar kein Sinn für Humor hatte. In der Sekunde als ich ihm erblickte gefror mir das Blut in den Adern. Mir wurde klar, dass das Ausweichen kaum gelingen wird, weil so präzise, liess sich meine Kiste gar nicht steuern. Das alles ist mir in Sekunden durch den Kopf gegangen. Was danach passierte, kann ich nicht genau sagen. Meine Seifenkiste und der Schafbock sind kollidiert. Nein es war keine frontale Kollision. Ich streifte ihm seitlich aber das längte damit sich mein Rennwagen überschlug und mich herauskatapultierte. Ich brach mir das Schlüsselbein und mein Rennauto zerlegte sich in seine Einzelteile. Die vorderen Räder gingen beide kaputt. Der Schafbock war geschockt und liess mich in Ruhe. Meine Karriere als Rennfahrerin wurde beendet. Die Seifenkisten finde ich nachhinein toll. Ohne Bremsen wäre ich aber nicht mehr bereit, in so eine zu steigen.

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