Michaela Merz

Lehrlinge

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Wir waren am Dienstag im Restaurant. Ein kleines Restaurant am Seeufer bei wunderbarem Sonnenuntergang. Die Stimmung war fantastisch.

In dem kleinem Raum hat es vier Leute gehabt, die Bestellungen aufnahmen und ausführten. Wir wollten Getränke zum Apéro bestellen. Es war sehr schnell klar, dass die Verständigung auf Deutsch oder Englisch schwierig wird. Es war Feierabend, wir waren alle gelassen. Es hat uns nichts ausgemacht die fünf Getränke immer wieder zu wiederholen, bis er es geschafft hatte, sie zu notieren. Jedoch beim Aperol Spritz nütze alles nichts. Offensichtlich wusste er nicht, was das ist. Wir mussten mit zur Bar und ihm die Flasche zeigen.

Als er später mit dem Tablett mit fünf Getränken in unsere Richtung lief, wurde mir bewusst, dass bestimmte Fertigkeiten geübt werden müssen. Ich hatte eher das Gefühl, dass er unseren Tisch nicht erreichen wird und die Getränke am Boden zerschellen. Ich täuschte mich. Er hat es geschafft. Ausser dass bei der Flasche Bier ein Glas fehlte und man es bei ihm mit Nachdruck verlangen musste, klappte es. Ich schaute ihm zu, wie er eine “Stange” abfüllte und wunderte mich, weil es so aussah, als ob dies alles das erste Mal in seinem Leben sei. Das Bier ist aus dem Glas herausgelaufen, dann hat er ein bisschen ausgeschüttet, noch mal nachgefüllt und verschüttet. Das Gleiche hat sich mehrmals wiederholt. Einfach alles muss gelernt werden.

Der ganze Abend ist so gelaufen, wie wenn sich die Angestellten zum ersten Mal in ihrem Leben hierher verirrt hätten und keine Ahnung hätten, wie man bedient. Als Höhepunkt kam einer von ihnen mit zwei Tellern in der Hand – in jeder Hand ein Teller. Er blieb ratlos vor dem Tisch stehen und ich schätze, dass er sich überlegte, wie er die zwei Teller am Tisch abladen sollte. Bevor ich ihm helfen konnte, lehnte er sich zur Seite und der Inhalt des einen Tellers kippte in den Schoss unseres Jüngsten.

An diesem Abend wurde mir nochmals klar, dass viele Sachen, die wir als absolute Selbstverständlichkeit betrachten, eben nicht selbstverständlich sind. Das vieles gelernt werden muss, geübt und einstudiert. Schlussendlich sollte man sich weniger über das, was schief geht aufregen und sich mehr freuen über alles, was tadellos funktioniert. Ehrlich gesagt hat es mir schlussendlich Spass gemacht an dem Abend als ehrenamtliche Mithilfe in dem Restaurant tätig zu sein.

Bildquelle: Anja Müller  / pixelio.de

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