Michaela Merz

Der kleine Sparer – wo die Steuer und der Zoll weh tun

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Ich bekomme immer wieder Anrufe von Bekannten und Bekannten meiner Bekannten. Es geht um Probleme im Bereich Steuern und Zoll.

Meine Studienkollegen aus der Studienzeit, heute glücklich verheiratet, haben das Ferienhaus, das sie in Portugal besitzen, nicht als Vermögen in der Steuererklärung deklariert und fürchten, das es jetzt aufgedeckt und sie bestraft werden.

Die Kollegin meiner Kollegin, die eine IV Rente bezieht erhält seit Jahren einen kleinen Mietertrag aus der Wohnung, die sie von ihrem Vater in Frankreich geerbt aber in der Schweiz nie deklariert hat.

Die Nachbarin wird ein Bild eines bekannten Schweizer Malers, das sie von ihrer Grossmutter vor vielen Jahren erhalten hat, verkaufen und fürchtet, dass es dem Steueramt auffallen wird, weil sie den Besitz ebenfalls nie in ihrem Vermögen angegeben hatte.
Die Tochter meiner Kollegin hat in Mailand einiges an Kleidern eingekauft, hat sich die italienische Mehrwertsteuer vergüten lassen, aber die Ware in der Schweiz nie gemeldet. Jetzt hat sich bei ihr aber der schweizerische Zoll gemeldet. Sie will wissen, was zu tun ist.
Seit Neustem sind Geschichten mit Autos dazu gekommen. Man fährt in die Garage nach Deutschland, lässt sie die Reparatur, Veredelung der Felgen, Einbau von Trageeinrichtung machen oder die Pneus und die Alufelgen auswechseln. An der Grenze wundert man sich dann, warum es zu einer Nachzahlung im schlimmsten Fall in Deutschland wie auch in der Schweiz kommt und man ruft mich anschliessend an, um zu diskutieren, ob man sich gegen die Strafen nachträglich wehren könnte.

Oft bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen, dass die Strafe noch höher hätte ausfallen können und dass man eigentlich noch Glück gehabt hat.

Hier aber nun hochoffiziell die Sachlage, was die Fahrzeugs-Fragen angeht:

Was muss man machen, wenn man wertsteigende Massnahmen an in der Schweiz zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland vornimmt?Bei der Einreise nach Deutschland muss man das “Verfahren der aktiven Veredelung” an der deutschen Zollstell im Einzelverfahren mit einem Einheitspapier schriftlich anmelden und eine Sicherheitsleistung in bar hinterlegen. Die Höhe der Sicherheitsleistung hängt vom Fahrzeugwert ab. Die Schätzung erfolgt durch den deutschen Zollbeamten. Hinzu kommt noch die Umsatzsteuer, sofern man nicht in Deutschland vorsteuerberechtigt ist.
Wird das Fahrzeug nach Beendigung der Veredelung wieder ausgeführt, erhält man die Sicherheitsleistung wieder zurück. Selbstverständlich muss man sich bei der Rückkehr in die Schweiz auf der Basis der Werkstatts-Rechnung bei Grenzübertritt beim Schweizer Zoll melden und sofern der Betrag CHF 300 übersteigt die schweizerische MWST von zur Zeit 7.7% entrichten.

Falls man es nicht wie oben beschrieben macht und man dabei wird erwischt, wird nicht nur der Fahrzeugeigentümer sondern auch die Garage bestraft. Am Ende kommt es wesentlich teuer als die 7.7% auf der Garagenrechnung.

Aber auch ich bin nicht vor Pannen an der Grenze verschont geblieben. Auf einer Rückreise aus der Tschechischen Republik wurden wir an der Grenze angehalten. Ich war sehr gelassen, da ich wusste, dass wir nichts haben, was Anlass zu Sorge geben konnte. Ich öffnete den Kofferraum und der Zöllner kuckte rein. Als er mich fragte, was ist in dieser Box, habe ich nur leer geschluckt. Diese Box habe ich zum ersten Mal gesehen. Ich hatte keine Ahnung. Ich fragte meine 2 älteren Töchter, was in der Box sei. Zu dem Zeitpunkt waren beide jünger als 18 Jahre. Sie antworteten, völlig unschuldig – “Bier für unsere Schulkollegen”. Der Zollner öffnete die Box und zum Vorschein kamen 12 Flaschen. Ich war am ausrasten. Warum haben meine Töchter es mir nicht gesagt? Der Zöllner schaute mir zu, wie meine Gesichtsfarbe änderte und wie ich kurz davor bin zu explodieren. Er fragte meine Töchter: “Das Bier ist ohne Alkohol, oder Mädchen?” Und meine Töchtern antworteten sehr laut und ehrlich: “Nein, nein, das ist das stärkste Bier, was wir finden konnten.” Was folgte war ein Strafverfahren, das uns Unmengen von Zeit kostete und eine Nachzahlung von unter CHF 3. Ich war wütend auf meine zwei Töchter wie selten zuvor.

Das zeugt davon, dass Wissen als solches vor Pannen nicht schützt.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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