Michaela Merz

Der Schlag, der nicht einschlug

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person-731492_640Letzte Woche am Donnerstag führte die Stadtpolizei bei der Tramhaltestelle Guggach eine Kontrolle durch. Ein Drittel der Velofahrer (und zwei Autofahrer) hatten das Rotlicht missachtet. Die Velofahrer wurden mit 60 Franken, die Autofahrer mit 250 Franken gebüsst. Ehrlich gesagt, ich hätte die Velofahrer auch mit 250 Franken oder vielleicht gar mit 1000 Franken gebüsst. Möglicherweise könnte man so Leben oder Gesundheit retten. Die Anzahl der verletzten oder getöteten Velofahrer steigt in der Stadt Zürich. Ich habe den Eindruck, dass die Velofahrer meinen über dem Gesetz zu stehen. Es stimmt, dass sie meistens sich selber gefährden, aber die Kosten, die durch ihr gesetzloses Verhalten entstehen, trägt die Gemeinschaft.

Nein, ich habe nichts gegen Velofahrer. Ich fahre selber etwa jeden dritten Tag. Ich versuche meinem Kleinen (bald 9) das richtige Verkehrsverhalten beizubringen. Es ist nicht einfach, weil wir täglich mit schlechten Beispielen konfrontiert werden. Sie sind die Regel, nicht die Ausnahme. Velofahrer, die bei rot fahren. Velofahrer, die uns mit Klingeln vom Trottoir verjagen, Velofahrer mit Kopfhörern und ohne Hände unterwegs, Velofahrer, die mit einem Höllentempo Fussgängerstreifen als Velowege benutzen.

Ich war letzten Donnerstag mit dem Auto unterwegs. Im Stossverkehr durch die Stadt zu fahren ist ein Alptraum. Wenn es geht, vermeide ich es. Am diesem Tag ist es aber nicht anders gegangen. Ich war bei einem Kunden gewesen und endlich auf dem Weg nach Hause. Ich war müde. Bei 30 Grad war es heiss wie im Backofen. Ich war vorsichtig und relativ langsam, weil so viele Velos, Mofas und Fussgänger unterwegs waren, deren unvorsichtiges Verhalten man einkalkulieren musste. Meine Langsamkeit bekam ich durch die anderen Fahrzeuge zu spüren, die sich durch meine Vorsichtigkeit offensichtlich genervt fühlten. Sie fuhren fast bis auf meine Stossstange auf, hupten. Ich nahm es gelassen. “Dann halt, Jungs!“ dachte ich.

Ich näherte mich nach der Saalsporthalle einem Fussgängerstreifen, der noch in der Mitte der Strasse eine Schutzinsel hatte. Ich bin etwa 40 km pro Stunde gefahren. Da sah ich einen erwachsenen Mann in voller Velomontur, wie er mit dem Velo die Strasse auf dem Fussgängerstreifen mit voller Geschwindigkeit überquerte. Ich dachte, der wird auf der Mittelinsel halten. Er drosselte seine Geschwindigkeit aber nicht. Ich realisierte das alles im Bruchteil einer Sekunde und begann zu bremsen. Ich kam mitten auf dem Fussgängerstreifen zum Stillstand und es trennten uns nur Zentimeter. Ich war ‎perplex und sehr erbost. Unglaublich wie leichtsinnig sich dieser Typ verhält!!! Als er auf der anderen Strassenseite war, hupte ich kurz. Ich wollte sagen “So nicht“.

Er erschrak und fiel zu Boden. Das hat mich bei seiner Arroganz und aggressiven Fahrweise überrascht. Das wollte ich nicht. Ziemlich rasch war er aber wieder auf den Beinen und sein Blick sprühte Gift. Er fluchte so laut, dass ich es auch im Auto hören konnte. Er setzte sich in Bewegung und rannte zu meiner Tür. Mit der linken Hand griff er nach dem Türgriff und die rechte zog er mit geballter Faust nach hinten. Wie erstarrt sass ich hinter dem Steuerrad und beobachtete das Geschehen. “Will er mir eine hauen?“ ging mir durch den Kopf, aber ich konnte mich nicht bewegen. Es ist mir auch nicht im Sinn gekommen einfach Gas zu geben und wegzufahren. Ich starrte ihn an und wartete was folgen würde.

Er versuchte meine Tür zu öffnen, aber es ging nicht. Und das erste Mal war ich für diese Funktion meines Fahrzeuges dankbar. Wenn ich mich reinsetze, verriegelt mein Auto alle Türen. Von aussen wird mein Fahrzeug ohne mein Zutun zu einer Festung. Er tobte draussen und beschimpfte mich auf heftigste. Ich überlegte, ob er Schaden auf dem Fahrzeug hinterlassen würde. Möglich war es. Aber lieber beschädigter Lack als beschädigte Knochen.

Irgendwann stand er wieder neben meinem Auto. Ich gab Gas und fuhr langsam weg.

Bildquelle: http://www.pixabay.com

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