Michaela Merz

Lolas kleiner Herzfehler

Leave a comment

699331_web_R_by_www.helenesouza.com_pixelio.deLola hatte einen kleinen angeborenen Herzfehler. Sie besass zwei elektrische Kreise, die beide das Herz steuern konnten. Einen normalen, der die gewünschte Herzfrequenz produzierte und einen ganz kurzen, der bei ihr einen Puls von 180 erzeugte.

Lola lebte mit diesem kleinen Fehler ohne jegliche Schwierigkeiten. Ab und zu, wenn die Steuerung für kurze Zeit vom normalen Kreis auf den kurzen übersprang und ihr Herz zu rasen begann, wunderte sie sich, was das soll. Da es aber nur Sekunden dauerte und es ihr keine Schwierigkeiten bereitete, widmete sie dem keine Aufmerksamkeit. Als sie schwanger wurde und die Belastung ihres Organismus stieg, begannen sich die Vorfälle zu häufen und waren immer länger. Das ängstigte Lola und sie liess es durch einen Herzspezialisten abklären. Es zeigte sich schnell, dass es während ihrer Schwangerschaft kaum dauerhafte Lösungen gab, da Lola nicht zu einer Herzoperation bereit war. Lola lebte mit dem Defekt und auch wenn die Herzraserei bis zu einer Stunde dauerte, machte sie sich nicht viel daraus, da sie wusste, dass es ihr Leben und das Leben des Kindes nicht bedrohte.

Im sechsten Monat der Schwangerschaft reiste sie nach Paris, bei dem sie ihre ‎Entwürfe vorstellen durfte. Es war eine extrem wichtige Reise für sie. Sie hatte lang gearbeitet und der Erfolg war zum Greifen nah. Um 7 am Morgen bestieg sie das Flugzeug und setzte sich auf ihren Platz. In dem Moment begann ihr Herz zu rasen. Das war unangenehm, aber für sie kein Grund hastig auszusteigen und die Reise zu verschieben. Lola hoffte, dass es bald aufhören würde und versuchte sich auf ihre Präsentation zu konzentrieren. Es hörte aber nicht auf. Als das Flugzeug zur Landung ansetzte, raste ihr Herz immer noch. Lola machte sich Sorgen mehr um das Kind in ihrem Bauch als um sich selber. Sie überlegte, ob sie ins Spital fahren sollte, aber die Vorstellung, dass sie sie dort behalten würden und dass sie ihre Entwürfe somit nicht präsentierte könnte, schreckte sie ab. Sie rief ihren Arzt an, um es mit ihm zu besprechen und der beruhigte sie damit, dass es keine Schäden für das ungeborene Kind verursachen könnte. Er gab ihr 12 Stunden Zeit.

Lola überlegte und entschied sich ihre Entwürfe zu präsentieren, dann am späten Nachmittag das Flugzeug zu besteigen und am Abend wie geplant zu Hause zu sein. Sollte ihr Herz immer noch rasen, könnte sie gleich in die Notaufnahme fahren. Ihr Tag verlief auch genau so. Mit rasendem Herz und roten Backen absolvierte sie ihre Präsentation und spürte die Ader an ihrem Hals wie sie hektisch schlägt. Als sie am Nachmittag ziemlich erschöpft am Flughafen ankam, rief sie ihren Mann an. Sie wollte ihn bitten sie am Flughafen abzuholen und in die Notaufnahme zu fahren. Aber kaum hatte sie angefangen zu sprechen, unterbrach er sie, sagte dass er eine wichtige Sitzung hätte und dass er anrufen würde, sobald er fertig sei. Er hing auf und Lola blieb mit ihrem rasenden Herz und wachsender Angst alleine. Dann rief sie Carl an, mit dem sie zusammen war, bis sie ihren jetzigen Mann kennenlernte. Carl versprach sie abzuholen und war pünktlich am Flughafen. Er fuhr sie ins Spital, wartete geduldig bis alle Untersuchungen abgeschlossen waren und streichelte Lola ihre Hand um sie zu beruhigen. Lola bekam eine Spritze und das Herz sprang in den normalen Kreis. Total erschöpft, dankbar für Carls Unterstützung, streckte sich Lola auf der Liege in der Notaufnahme‎. In ihrem Gehirn begannen aber grosse Zweifel zu wachsen, ob sie als Vater ihres Kindes wirklich den richtigen ausgewählt hatte. Ihr Mann hatte bis dahin – und war kurz nach Mitternacht – immer noch nicht zurück gerufen.

Bildquelle: http://www.helenesouza.com  / pixelio.de

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s