Michaela Merz

Männer und Knabentraume

Leave a comment

IMG_1312Innerhalb von 24 Stunden durfte ich die grossen männlichen Sehnsüchte aus der Nähe im Doppelpack beobachten. Erst stand ich am Nürburgring. Männer jeden Alters hatten nur Augen für die stehenden oder herumkurvenden Rennautos. Das war gut so, weil sonst war da nicht viel zu sehen. Mitten im Wald, mitten im Nirgendwo Asphaltkurven ohne Ende, um zu testen wie man den Motor auf Touren bringt. Ohrenbetäubender, dominanter Lärm, quietschende Reifen, nur der Benzingeruch fehlte. Die Männeraugen leuchteten. Die männlichen Zuschauer waren physisch da, aber irgendwie doch nicht, unerreichbar in ihre Träume versunken. Die Freude, die Faszination war spürbar und materialisierte sich in dem kollektiven Erlebnis. Frauen waren dünn gesät, respektive es gab sie so gut wie nicht und wenn schon hatten sie eher Augen für die Faszination ihrer Männer, die sie begleiteten, als für die Autos.

This slideshow requires JavaScript.

 

Und dann paar Stunden später stehe ich in der Nürnberger Altstadt und beobachte wie die besten Freerider der Welt die Stadt mit ihren Velos rockten. Es waren fliegende Männer mit Fahrrädern. Der Red Bull District Ride hatte die besten angelockt. Man begann bei der Kaiserburg auf einer Rampe, die vielleicht 20 Meter hoch war. Die Fahrer sprangen mit ihren Rädern von der Burgmauer, landeten auf der Rampe und flitzten zu den nächsten Rampen durch die Gassen über die Sebalder Höfe und den Rathausplatz bis zum Hauptmarkt. Die Kunststücke, die vorgeführt wurden, waren atemberaubend. Purzelbäume mit dem Rad in luftiger Höhe, Sprünge bei denen man sich überlegte, ob das gut kommen kann. Ja, alles kam gut und wie!! Es waren nämlich die besten dieser Erde und das, was sie zeigten, sieht man selten. Mit der Kulisse der Altstadt gab es Bilder, die so einmalig waren wie die Sonnenfinsternis. Die Fahrer waren alles Männer. Fahrerin habe ich keine einzige gesehen. Umso mehr bei den Zuschauern, weil die Bewunderung verteilte sich gleichmässig über beide Geschlechter. Das, was diese Jungs konnten, liess niemanden ruhig.

This slideshow requires JavaScript.

Es gibt sie, die Geschlechtsunterschiede. Und das ist wirklich gut so. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass wir diese Unterschiede wegdiskutieren oder verbieten wollen. Es ist zu hoffen, dass es nie passiert. Lassen wir doch die Männer ihre atemberaubenden Kunststücke vorführen, lassen wir sie doch mit leuchtenden Augen die schnellen Autos in engen Kurven verfolgen. Eine einheitliche Welt ohne Unterschiede wäre doch stinklangweilig.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s