Michaela Merz

Tessin- Centovalli

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In den Frühlingsferien waren wir mit meinem Jüngsten (7) in Ascona. Eingeplant war eine Fahrt mit dem Zug von Locarno nach Verdasio, mit dem Bähnli nach Rasa (898m) und eine Wanderung nach Intragna.

Aber wir hatten per Irrtum die falsche Bahn genommen und landeten am gegen über liegendem Berg Monte di Comino. Unsere Freude tat es kein Abbruch. So konnten wir die am gegenüberliegenden Berg gelegene Rasa aus verschiedenen Winkeln und Höhen beobachten. Wir wanderten im Tal und staunten über die vielen umgebauten Rusticos und den fantastischen Blick ins Centovalli bis zum Lago Maggiore. Die Kuppeln der Berge waren noch verschneit und bei der Kapelle lag noch Schnee, aber gleichzeitig blühten Enzian, wilde Orchideen und Narzissen um die Wetten. Die Eidechsen suchten sich sonnige Plätze und wenn man sich ihnen vorsichtig näherte, liessen sie sich von ganz nahe bestaunen.

Nach knapp zwei Stunden schafften wir es ins Tal zurück und nahmen diesmal die richtige Bahn nach Rasa. Diese Seite des Tales war aber ganz anders. Es gab viel mehr Wald, der Weg war steil, anspruchsvoll und teilweise recht gefährlich. Die Wildnis hatte die Herrschaft über die Rustico übernommen. Die Ruinen sahen traurig und melancholisch aus. Mein Kleiner wollte wissen wie die Leute da früher gelebt hatten, da wo es keine Strasse gibt und keine Felder. Wir stellten uns das harte Leben vor 100 Jahren vor, als es keine Elektrizität, kein fliessendes Wasser, keinen Kühlschrank und keinen Lebensmittelladen um die Ecke gab.

Kurz vor Intragna kamen wir zu einer Steinbrücke mit geschwungenem eleganten Bogen, der den breiten und mächtigen Fluss Melezza überbrückt. Der Brücke aus der Mitte 16. Jahrhunderts mitten in der Wildnis wirkte wie ein Gruss einer höheren Macht. Und in der Mitte der Brücke eine winzig kleine Kapelle, die Giovanni Nepomuk gewidmet wurde. Wir trauten unseren Augen nicht. Grad letztes Weihnachten hatte ich meinem Kleinstem die Stelle auf der Karlsbrücke in Prag gezeigt, wo gemäss der Legende Giovanni oder auf tschechisch Jan Nepomucky durch den erbosten König in die Moldau getaucht wurde, da er sich weigerte die Geheimnisse, die ihm die‎ Königin während der Beichte anvertraut hatte, dem König zu erzählen. Jan Nepomocky zahlte für seine Grundsätze mit dem Leben. Und hier mitten in der Wildnis wurde er auch geschätzt.

Es begann zu regnen und wir kamen auf die Strasse nass, dreckig und müde. Bis zum nächsten Bahnhof war es sicher noch 2 km. Und dann schlug ich vor, dass wir versuchen Auto zu stoppen. Um ehrlich zu sein, ich hatte nicht an meine eigene Idee geglaubt. Wer nimmt zwei nasse, dreckige Passagiere mit? Aber kaum hatten wir uns an den Rand der Strasse gestellt und ich die Hand gehoben, hielt das allererste Auto und der Fahrer fragte mit Besorgnis, ob wir schon lange warten. Nett war er und hat uns bis zu unserem Ziel gebracht.

Tessin ist wunderschön und voller Gegensätze. Auf der einen Seite Wildnis, zerfallene Steinhäuser, Wasser, Berge und Stille (ausser dem Lärm der dominanten Wasserfälle) und auf der andere Seite sehr viel Luxus, Reichtum. Wo sonst kann man nach einer Bergwanderung einfach so 16 Ferraris sehen! Und mein Jüngster hat sie mehrmals nachgezählt.

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