Michaela Merz

Die erfüllte Wünsche

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Irgendwann einmal vor Jahren, als mein Leben nicht so toll lief und ich dachte, dass ich es neu ordnen muss, habe ich es mit meiner Freundin Iva diskutiert. Sie sagte mir, dass man sich eine Sache stark wünschen und die Wünsche gut formulieren muss und dann kommt es schon gut. Damit ja nichts schief läuft, lieh sie mir ein esoterisches Buch. Ich weiss heute nicht mehr wie das Buch genau geheissen hat – aber das Buch beschrieb, wie man sich etwas richtig wünscht und wie es in Erfüllung gehen kann. Ich habe die ersten 5 Seiten gelesen und dort stand, dass man eindeutige kurze Wünsche formulieren muss. Ich tat es so und formulierte mir drei solcher kurzer klarer Wünsche. Das Buch landete auf dem Stapel der Bücher auf meinem Nachttisch, die darauf warteten, weiter gelesen zu werden.

Das verblüffende war, dass meine drei Wünsche innerhalb kurzer Zeit in Erfüllung gegangen sind, aber Freude hat mir es nicht wirklich bereitet. Das lag daran, wie sie in Erfüllung gegangen sind. Es war, wie wenn man sich gewünscht hätte, an einem bestimmten Tag nicht zu einer Prüfung antreten zu müssen und ausgerechnet am Tag vorher würde man von einer Lawine verschüttet. Der Wunsch hat sich erfüllt, man musste nicht an die Prüfung, von einer Lawine verschüttet zu werden, ist aber ein Erlebnis, das man ruhig missen möchte. Etwa ähnlich ist es damals mit meinen drei Wünschen gelaufen. Ich dachte, dass es vielleicht daran lag, dass ich das Buch nicht bis zu Ende gelesen habe, sondern nur bis zu Seite 5. Aber es sind mir immer wieder Sachen dazwischen gekommen und ich schaffte es einfach nicht, das Buch noch mal in die Hand zu nehmen. Eines Tag war meine Freundin Iva bei mir zu Hause und wollte das Buch zurück haben. Ich gab es ihr zurück und erfuhr nie, was eigentlich mit meinen Wünschen schief gelaufen ist.

Eine Lektion habe ich aber gelernt, man muss sehr vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht. Und ich wurde wirklich vorsichtig. Lange, sehr lange. Bis ich Anfang dieses Jahr in Zusammenhang mit meinem runden Geburtstag überlegte, welcher Schliff ich für die nächste Jahre brauche. Und dann ist mir in Sinn gekommen, dass ich in Verlauf der Jahre ein paar Kilos angesammelt habe, die ich an meinem 20. Geburtstag noch nicht hatte. Höchste Zeit diesen runden Geburtstag dazu zu nutzen die Kilos los zu werden. Und dann wünschte ich mir in diesem Jahr 3- 5 Kilos abzunehmen. Ist ja harmlos – man verzichtet da und dort auf ein Glas Wein und anstelle eines Nachtessens gibt es einmal pro Woche einen Spaziergang. 250 – 450 Gramm pro Monat weg zubringen sollte nicht so schwierig sein. Mein Wunsch und mein Ziel standen klar und eindeutig da. 14 Tage später bekam ich eine Magen-Darm-Grippe. Und was für eine!! Nicht nur, dass nur schon der Gedanke an Essen den Magen in Bewegung brachte, auch das Trinken wurde zur Qual und ich musste mich richtig dazu zwingen. Die Bauchschmerzen waren unerträglich, wie wenn eine Welle kommt und immer grösser wird. Sie haben mich stark an Geburtswehen erinnert. Nur hatte man bei den Geburtswehen mindestens ein Ziel vor Augen, diese Schmerzen schienen endlos zu sein und dazu noch haben sie sich erfolgreich jeglichen Schmerzmitteln widersetzt. Nach 5 Tagen war ich ein Schatten meiner selbst. Ich hatte nicht mal die Kraft, die Treppe nach oben zu steigen und mir einen Tee zu machen. Die Arme und Beine fühlten sich fremd an, da sie willenlos und unheimlich schwach waren. Nach 10 Tagen habe ich mein Jahresziel erreicht. 4.5 Kilos waren weg. Ich passte wieder in die Hose aus Gymnasiumzeiten und bei meiner normalen Hose musste ich einen Gürtel verwenden. Der Magen rebellierte weiter und der Körper war schwach und ohne Antrieb. Ich selber ohne jegliche Energie und eine radikale Verbesserung noch lange nicht in Sicht.

Ich habe es gesagt, mit den Wünschen muss man sehr vorsichtig sein. Weil ab und zu ist es ziemlich schlimm, wenn sie in Erfüllung gehen.

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