Michaela Merz

Wie kann man Sparer werden

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Als mein Jüngster (7) geboren wurde, hat ihm die ZKB ein Konto eröffnet und 20 Franken geschenkt. Einfach so. Ohne dass ich etwas machen musste. Ich fand das nett.

Etwa im Alter von 6 Jahren begann Geld ein Thema zu werden und in Rahmen meiner erzieherischen Massnahmen bekam er wöchentliches Taschengeld von 2 Franken. Die Anfänge waren lustig, weil er das Geld seinen Freunden weiter zu verschenken pflegte. Ich fand seine grosszügige Ader beeindruckend. Als er merkte, dass ich mich weigere ihm Süssigkeiten zu kaufen, begann er zu sparen, um ein bisschen Geld für “grosse” Ausgaben zu haben.

Dann habe ich einen Damenabend mit 20 Gästen organisiert. Mein Jüngster liebt es, wenn wir Gäste haben und er hat sich richtig ins Zeug gelegt. Er nahm den Damen die Mäntel ab, bediente sie unermüdlich mit Wasser und Wein, servierte Hauptmenü und Dessert und räumte die Teller weg. Ohne Pause, mit einem Lachen, einfach unwiderstehlich. Die Damen waren wie ich wirklich entzückt und eine kam auf die Idee, ihm Trinkgeld zu geben. Keine Rede, er hat das Geld mehr als verdient, aber ich musste die Damen in ihrer Grosszügigkeit bremsen. Schlussendlich sollte es alles auch noch einen pädagogischen Nutzen haben. In kurzer Zeit hatte er 60 Franken gesammelt. Für einen 7 jährigen kein schlechter Lohn für einen Abend. Dazu noch hat ihm das alles unheimlich viel Spass gemacht und erwartet hatte er es auch nicht.

Dann kam die Frage, was er mit all dem vielen Geld machen soll. Nach langer Diskussion hat er sich entschieden das Geld auf sein Sparkonto einzuzahlen. Ich war ziemlich beeindruckt und dachte aus diesem Junge könnte noch mal ein Unternehmer werden.

Eines Nachmittags nach der Schule ist er dann mit seinen älteren Schwestern und seinen 60 Franken Richtung ZKB marschiert. Am Abend als ich nach Hause kam, war ihm die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Die ZKB hat sich geweigert seine 60 Franken anzunehmen. Ohne IDENTITÄTSKARTE dürfte er sein Geld auf sein Konto nicht einzahlen. Seine JAHRESABONNEMENTTRANSPORTKARTE mit seinem Foto, Geburtsdatum und Adresse haben nichts genutzt.

Ich weiss, es gibt mittlerweile unzählige Gesetze, die den Banken ihre Geschäftstätigkeit administrativ sehr aufwendig machen. Das Geldwäschereigesetz in diesem Fall anzuwenden schien mir aber mehr als unverhältnismässig. Ja klar, ich könnte die 60 Franken nehmen und sie von meinem Konto auf seines überweisen, aber wo wäre der pädagogische Effekt geblieben? Ich mag mich noch sehr gut erinnern, mit welchem Staunen ich als kleines Mädchen mit meiner Großmutter die Bank besucht habe, wie ich über die riesige Halle und die aufwändig bemalte Decke wie auch über die Stille und geheimnisvolle Atmosphäre staunte. Ich war damals mächtig stolz, als mir meine Grossmutter in dieser Bank ein Sparbüchlein eröffnete. So ein Erlebnis wollte ich meinem Jungen bescheren.

Dann sind wir halt in den Ferien zusammen gegangen. Ohne die Identitätskarte ist es auch diesmal nicht gegangen. Die Angestellte war weder wirklich nett noch sehr zuvorkommen. Ich denke nicht, dass es für meinen Kleinen ein wirklich tolles Erlebnis war.

Na wie auch immer, Sparer zu sein ist nicht einfach. Und Sparen in der Schweiz ist mittlerweile sowieso nur für Auserwählte.

One thought on “Wie kann man Sparer werden

  1. Sicherlich ist sparen nicht so einfach, aber man sollte es so früh wie möglich erlernen. Als Eltern sollte man da ein Vorbild für seine Kinder sein, damit diese später zumindest vernünftig mit Geld umgehen können.

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