Michaela Merz

Der gute und der schlechte Chef oder die Realität der Spieltheorie

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Klara hat mir kürzlich eine Geschichte erzählt. Sie bereitete nach Anweisung ihres Vorgesetzten ein Gutachten vor. Im Verlauf der Vorbereitung fand sie aber, dass die Argumentationslinie ihres Vorgesetzten leider nicht haltbar sein würde. Sie erzählte es ihm und schlug vor, dass sie die Begründung ändern wird‎. Er hörte ihr damals aber nur mit halbem Ohr zu und nickte im Einverständnis zu ihren Änderungsvorschlägen. Klara passte das Gutachten an und übergab es ihrem Chef. Dann hörte sie lange nichts.

Etwa nach zwei Monaten stand er bei ihr, drückte ihr ein Schreiben in die Hand und sagte kurz, dass sie ein Problem haben. Klara schaute sich das Schreiben an und sah, dass der Kunde eine Zweitmeinung zu seinem Problem von der grössten Koryphäe im Land eingeholt hatte. Sein Gutachten deckte sich ziemlich genau mit dem durch sie verfassten Gutachten.

Erst jetzt stellte sich aber heraus, dass ihr Vorgesetzter das durch sie verfasste Gutachten ohne Rücksprache in Richtung seiner ursprünglichen Idee geändert und unterschrieben mit beiden Namen gesendet hatte.

Aber es kam noch dicker. Am nachfolgendem Tag bei einer Besprechung mit dem Kunden, in der der Kunde wissen wollte, warum diese Abweichung von der Zweitmeinung und ob sie auf ihrer Meinung beharren und warum, sagte Klaras Chef mit entschuldigendem Lachen, dass es ihm sehr sehr leid tut, aber das Gutachten von Klara vorbereitet‎‎ wurde und er es korrigiert und eben in Richtung der Zweitmeinung geändert hatte, dann aber aus Versehen Klaras ursprüngliches, falsches Gutachten gesendet hatte. Gleichzeitig händigte er dem Kunden das Gutachten aus, so wie es ihm Klara am Ende abgeliefert hatte.

Klara war sprachlos und entsetzt. Scham verfärbte ihre Wangen in Richtung rot und am Hals bekam sie hässliche rote Flecken. Sie konnte kein Wort sagen und die Blicke mit denen sie alle anschauten, bereiteten ihr endlose Demütigung.

3 Monate später hat sie gekündigt. Eine klares Nullsummenspiel, bei dem sowohl Klara wie auch ihre Chef verloren haben.

Vor etwa 50 Jahren haben John von Neumann und Oscar Morgenstern die Spieltheorie formuliert. Mit Hilfe von Mathematik haben sie soziale Strukturen beschrieben. Sie haben beschrieben, dass in Beziehungen zwischen Menschen ‎bestimmte Prozesse nach bestimmten Regeln ablaufen. Sie enden entweder als Nullsummenspiel (beide verlieren), oder als einseitiger Vorteil (einer gewinnt und einer verliert) oder beide gewinnen (sogenannte win win Situation). Nur aus der dritten Variante entsteht etwas Neues, Fortschrittliches, ein gemeinsamer Vertrag.

Sofern ihr nach einer neuen Stelle sucht‎, müsste eure Kernfrage an den neuen Vorgesetzten lauten, wie kreiert er win win Situationen. Und sofern er/sie dazu nicht glaubhaft überzeugen kann, hätte ich empfohlen, so eine Stelle nicht anzunehmen. Auch wenn der Lohn traumhaft klingt!! Demütigung können bestimmte Leute gegen Entschädigung lange, sehr lange aushalten, aber auf die Dauer die wenigsten.

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