Michaela Merz

Wahre Freundschaft / das letzte Tabu

1 Comment

Ich habe viele Freunde, aber nur wenige, die sich trauen mir auch unangenehme Sachen zu sagen. Einer von ihnen arbeitet mit mir zusammen. Wir gingen zusammen Kaffee trinken und er sagte “Michaela, du riechst und es ist nicht angenehm“.

Erst habe ich leer geschluckt. Das hat nur paar Sekunden gedauert, aber ich brauchte diese Sekunden, um mich wieder zu fangen.

Dann sagte ich leise “Danke, ich bin dir für deinen Hinweis sehr dankbar.“

Das stimmte im ersten Moment nicht, weil ich schockiert und sehr negativ überrascht war, aber im zweiten Moment war ich wirklich unendlich dankbar, weil ich es selber nicht realisiert hatte.

Was braucht es für Mut jemandem zu sagen “Du stinkst!“, auch wenn man das in weniger schockierende Worte packt. Man erhält solch eine Information kein zweites Mal, wenn man sich nicht dafür dankbar zeigt und das braucht auch Kraft.

Ohne ihn wäre ich mir meiner stinkenden Ausdünstungen gar nicht bewusst gewesen und ich hätte sie kaum erfolgreich beseitigen können. Gott sei Dank hatte er den Mut zu einem solchen Hinweis.

Es ist toll, schöne und nette Sachen zu hören (auch das passiert in unserer Gesellschaft viel zu wenig), aber wahre Freundschaft kann man daran erkennen, dass man auch Negatives mitteilen darf.

Ich bin meinen wahren Freunden für ihre Ehrlichkeit und ihren Mut unendlich dankbar.

One thought on “Wahre Freundschaft / das letzte Tabu

  1. Danke für diesen Artikel Michaela, welcher mindestens so viel Mut erfordert, wie die ehrliche Aussage deines Kollegen.

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s