Ich war das erste und einzige Mal vor fast 30 Jahren in Istanbul. Damals verdiente ich während des Studiums mein Geld als Reiseleiterin. Die Reise nach Istanbul war sehr speziell. Ich hatte eine Gruppe von etwa 40 jungen Leuten und einen Eisenbahnwagon. Genauer gesagt einen Schlafwagen. Wir fuhren immer in der Nacht, kamen am Morgen in einer Stadt an, besichtigten diese und am Abend fuhren wir wieder weiter. Hotelübernachtung gab es nur in Istanbul. Wir besuchten Wien, Athen und meine Aufgabe war immer die gleiche. Ich musste prüfen, dass unser Wagon an den richtigen Zug angehängt wird und dass die Leute wissen, wo sie um welche Uhrzeit sein müssen.
Wir hatten es sehr lustig zusammen. Man hat gefeiert, getrunken, diskutiert, die Gruppe wurde ziemlich schnell zusammengeschweisst. In Istanbul angekommen musste ich die Zeiten prüfen. Ich wurde angewiesen den Raum des Bahnhofsvorstehers so zu verlassen, dass ich ihm nicht den Rücken zukehre. Ich war erstaunt wie klein der Bahnhof für diese Millionenstadt war und welche Sitten da herrschen, aber ich tat was erwartet wurde und alle Zeiten wurden bestätigt.
Am Abreisetag, drei Stunden vor Abfahrt des Busses zum Bahnhof, war ich mit dem Hotel am Abrechnen. Da rief mich die Rezeptionistin, dass ich einen Anruf vom Bahnhof hätte. Sie teilten mir mit, dass sie sich entschlossen hatten, unseren Wagon zwei Stunden früher rauszuschicken. Wie das so kurzfristig ging, begriff ich nicht. Ich versuchte sie zu überzeugen, das nicht zu tun, aber da hatte ich keine Chance. In einer Zeit ohne Mobiltelefone war es Ding der Unmöglichkeit die Leute zusammenzubekommen. Wir wohnten neben dem grossen Bazar und so lief ich dorthin und versuchte meine Leute zusammenzukriegen. Ich hatte es fast geschafft. Aber fünf fehlten und ich konnte nicht ohne sie abfahren.
Als der letzte endlich da war, verhandelte ich mit dem Busfahrer. Er musste dem Zug nachfahren und ihn irgendwie einholen, damit wir umsteigen können. Wir rasten dann in James Bond Manier durch die türkische Landschaft. Irgendwo unterwegs sagte mir der Fahrer, dass er kein Pass hat und wenn wir es nicht auf türkischem Boden schaffen, kann er uns nicht weiterhelfen. Bei der Vorstellung bekam ich nasse Hände. Was sollte ich dann machen? Ich hatte keine Ahnung.
Wir schafften es und an der Grenze stiegen wir in unseren Eisenbahnwagon um.
Meine heutige Reise verlief weniger spektakulär. Abgesehen von der Stunde Stau bei der Passkontrolle, dem bestellten Taxifahrer, der nicht gekommen war, und dem nächsten Taxifahrer, der mich was den Preis betrifft als unwissende Touristin ausgenutzt hat, gab es am Anreisetag keine weitere Panne.
Istanbul ist lebendig, multikulturell, spannend und wahnsinnig dynamisch. Man kann Erfolg und Wachstum richtig spüren. Es gibt so viel zu sehen. Aber wenn ihr wenig Zeit habt, klettert einfach auf den Galata-Turm. Die spektakuläre Panorama-Aussicht über Istanbul ist atemberaubend.
Während der paar Tage in Istanbul habe ich einiges gelernt. Ein paar intensive Lektionen im Verhandeln beim Einkauf führten dazu, dass ich meine Rückfahrt zum Flughafen mit dem Taxi für ein Drittel des Preises bei der Anreise bekam. Und die 17 Minuten Fahrt vom Taksimplatz zum Atatürk Flughafen, wo mein Taxifahrer rechts und links überholte und mit einer Jagdgeschwindigkeit gerast ist, muss auch erst einmal jemand nachmachen.
Ich sage es, Istanbul ist spannend. Erlebnisse sind garantiert und nehmen ein gutes Ende. Go to Istanbul.