Es ist Sommer. Endlich. Zumindest gemäss Kalender. Temperaturmässig ist der Sommer dieses Jahr in Europa geizig. Es regnet nicht immer wieder mal, sondern zu viel und viel zu oft. Es ist kalt und überhaupt, ein anständiger Sommer sieht anders aus.
Seit 2005 gibt es bei uns jedes Jahr ein Quartierfest. In unserer Sackgasse werden Bänke, Tische und Grills aufgestellt. Wir essen und trinken gemeinsam und erzählen uns, was so alles in dem letzten Jahr passierte.
Es kommen viele. Einige kennt man nur flüchtig, gewisse habe ich da noch nie gesehen, und bestimmte giessen mir die Blumen, wenn ich in die Ferien fahre. Die Altersspanne reicht von Jugendlichen bis weiter über 80. Und wir alle haben nur einen Wunsch: Es soll einfach nicht regnen!!
Die Woche war wettermässig miserabel mit Regen und Überschwemmung. Aber am Samstagmorgen hat sich das Himmel von seiner besten Seite gezeigt. Es war mal wieder ein bisschen Sommer in die Stadt gekommen. Warm und sonnig. Das Quartierfest konnte losgehen.
Ich setzte mich neben Margit und Urs. Sie erzählten mir die Neuigkeiten aus ihrer direkten Nachbarschaft. Ein Haus ist seit 2 Jahren leer und bereit zum Abbruch. Durch Einsprachen verzögerte sich die Baubewilligung. Und eines Tages stand auf der Fassade mit grossen Buchstaben BESETZT. In unserem Briefkasten lag damals auch ein Brief, der uns ins besetzte Haus zum nachbarschaftlichen Austausch einlud. Zum Quartierfest haben es die Besetzer aber nie geschafft. Beliebt und willkommen wurden sie aber nicht wirklich. Sie verursachten Lärm und von Integrationsbemühungen ihrerseits in unserem Quartier kann keine Rede sein. In einer Woche wird das Haus abgebrochen und vorgestern sind sie weitergezogen, nachdem sie eine riesige Party mit über 100 Besuchern gefeiert und Lärm bis in die Morgenstunden verursacht hatten. Die Polizei weigerte sich einzuschreiten. Die Polizei wollte nicht, dass die Situation eskaliert. Darum sind wir alle im Quartier am Freitag sehr unausgeschlafen zur Arbeit erschienen. Unser freitäglicher Beitrag zum Bruttosozialprodukt blieb stark hinter den Erwartungen.
Aber jetzt ist es vorbei und Roger steht in Finale. Morgen entscheidet sich, ob er zum 7. Mal den Titel in Wimbledon holt. Margit sagte, dass sie sehr gerne Sport schaue, aber jedes Mal, wenn sie Roger zuschaute, verlor er. Nach heftigen Diskussionen am Tisch, ob es Unsinn oder Aberglaube ist, haben wir im Quartier beschlossen, dass Margit das Match am Sonntag nicht schauen wird. Margit hat sich an unseren Quartierbeschluss gehalten und ist in die Berge gefahren.
Und siehe da Roger Federer hat das 7. Mal das Turnier in Wimbledon gewonnen. Eben weil Margit nicht geschaut hat!!!!