Michaela Merz

Enttäuschte Erwartungen

1 Comment

Es gibt nichts Schlimmeres als enttäuschte Erwartungen. Mit Gewissheit lässt sich’s damit leben oder vielleicht ist die Aussage: „man beginnt es zu verarbeiten“, treffender?! Sich vom Träumen zu verabschieden, die zum Greifen nahe waren, fällt einem schwer. 

Ich bin drei Wochen lang in Asien unterwegs. Am zweiten Morgen in einer kleinen Bucht am Meer stolpere ich in Sandalen über einen komischen Stein und ein unerwarteter Schmerz fliesst von der grossen Zehe in den ganzen Körper. Ich kann den linken Fuss nicht mehr belasten, ohne sofort mit Schmerz bestraft zu werden. 

Ich hüpfe noch ein bisschen weiter und setze mich auf den Boden. Die Tränen rollen mir über die Backen und ich bin der Verzweiflung nahe. 3 Wochen Zeit und unzählige Pläne liegen vor mir und ich dumme Nuss mache es mit einem Fehltritt kaputt. Der Zeh tut weh, auch im ruhen Zustand. Ich beruhige mich langsam und gehe meine Optionen durch. Falls er gebrochen ist, muss er wahrscheinlich fixiert werden. Aber braucht ein gebrochener Zeh wirklich eine Fixierung? Falls er nicht gebrochen ist – was kann man mit dem Zeh sonst anrichten?

Jedenfalls sieht es diesen morgen nicht danach aus, dass ich die geplante Tour unternehmen kann. An dem Tag bleibt mir nichts anderes übrig, als sitzen zu bleiben, lesen und den grossen Zeh mit Eis zu kühlen. Der Schmerz ist da, aber wenn ich ehrlich bin, der lässt sich ertragen. Schlimmer ist die Vorstellung, dass ich die nächsten 3 Wochen da sitzen muss und auf vieles, worauf ich mich gefreut habe, verzichten muss.

Ich will Tuk Tuk (eine alte Bekannte) suchen und schauen was aus ihrem Leben geworden ist, im Trapez segeln und mir das Meereswasser ins Gesicht spritzen lassen, ein paar Stunden Thaiboxunterricht nehmen, laufen und zu Fuss Leute, Leben und kleine tägliche Schönheiten entdecken, die Laguna um paddeln. Okay paddeln könnte ich auch mit einem gebrochenen Zeh!!!

Am zweiten Tag ist der grosse Zeh so dick wie eine Gurke und hat eine wunderbare blaue Farbe. Es tut immer noch weh und ich bin untröstlich. Nicht wegen dem Schmerz sondern wegen meinen Plänen, die sich immer mehr verflüchtigen.

Danach übernahm meine neue Bekannte Boa. Sie strich den Zeh mit Salben ein, massierte ihn leicht und gab mir zu verstehen, dass der Zeh in zwei Tagen in Ordnung sein wird. Obwohl ich ihr nicht wirklich glaubte, wollte ich glauben, dass sie Recht hat. Und sie hatte Recht! Nach zwei weiteren Tagen war es vorbei. Ich konnte beginnen meine Pläne umzusetzen.

Gut segeln konnte ich nicht, weil der Wind wie verrückt über 7 BF geblasen hat, aber das ist eine andere Geschichte, weil Segeln und Wind Bücher füllen können.

Es gibt nichts Schlimmeres als enttäuschte Erwartungen, aber man darf nicht vergessen, dass zuerst alle Wege ausprobiert werden müssen.

One thought on “Enttäuschte Erwartungen

  1. Komisch, 2011 scheint ein Zehen Desaster Jahr zu sein.

    Ich jagte den Zwerghasen von unserem abwesenden Nachbar, nein nicht fuer die Pfanne, nur um ihn wieder in den Kaefig zu seinem Kollegen zu stecken, dabei blieb mein Zehen an einer kleine Betonmauererhoehung stehen, der Rest lief weiter.,,, Es war ein grosser Schmerzensgruss vom Zehen ans Gehirn. Ich kann Deine Erwartungsgeschichte gut verstehen… Du hast Glueck gehabt, dass es nach 3 Tagen besser ging. Segeln bei Bofor 7 sollte man nur bei bester Verfassung.

    Ich wuensche ein Erfolgreiches 2012 und ein Kickboxing ohne uebermaessigen Zeheneinsatz.

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