
Skyguide – der Beruf, für den ich völlig ungeeignet wäre – oder: Wie wird man Fluglotse?
Ich habe Skyguide besucht – das Herz aller Flüge in der Schweiz. Nein, das ist eigentlich kein guter Vergleich. Skyguide ist eher das Gehirn. Eine zentrale Schaltstelle, die rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, dafür sorgt, dass alle Flüge sicher starten, landen und die Schweiz überfliegen – auch die militärischen. Da die Schweiz im Herzen Europas liegt, waren es im Jahr 2024 ganze 1.328.974 Flüge. Die jährliche Zahl bewegt sich zwischen 1 und 1,3 Millionen. Die Pünktlichkeitsrate lag bei beeindruckenden 95,3 % aller Flüge.
Die Ausbildung zum Fluglotsen dauert zweieinhalb Jahre (30 Monate in Vollzeit). Jedes Jahr bewerben sich bis zu 1.000 Interessierte auf nur 50 Ausbildungsplätze. Es überrascht also nicht, dass die Anforderungen hoch sind. Das Mindestalter liegt bei 18 Jahren – wenig überraschend. Erstaunlicher fand ich, dass man sich bis maximal 28 Jahre bewerben darf. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Lehre oder Matura. Dass man mehrere Sprachen beherrschen muss, versteht sich von selbst: Deutsch, Französisch oder Italienisch sowie Englisch.
Ein Kandidat muss logisch denken können, multitaskingfähig sein, ein hohes Verantwortungsbewusstsein mitbringen, stressresistent und absolut zuverlässig sein. Diese Kriterien hätte ich vielleicht erfüllt, aber durch das anspruchsvolle Selektionsverfahren inklusive Eignungstests wäre ich – auch in jungen Jahren – niemals gekommen. Trotz des mehrstufigen Auswahlverfahrens beenden die Ausbildung und steigen in den Beruf letztlich nur rund 25 Personen ein. Fast unglaublich – aber auch sehr beruhigend: Nur die Besten dürfen diesen verantwortungsvollen Beruf ausüben.
Ich beobachtete sie in der Zentrale, wie sie in entspannter, freundlicher Atmosphäre und mit dem Vier-Augen-Prinzip über das Leben vieler Menschen wachen. Ich hörte zu, was sie machen, wie sie es machen und dass sie spätestens nach zwei Stunden eine Pause einlegen müssen. Jede*r von ihnen ist gleichzeitig für maximal 20 Flüge verantwortlich – 20 auf einmal! Vor Dienstbeginn müssen sie ihre persönlichen Gegenstände, insbesondere ihr Handy, einschließen. In der Schicht, die ich miterleben durfte, arbeiteten nur Männer. Tatsächlich besteht das Team von Skyguide zu zwei Dritteln aus Männern. Ganz ehrlich: Irgendwie hat mich das nicht überrascht.
Ich lauschte den Funksprüchen, die zwischen den Fluglotsen und den Piloten ausgetauscht wurden – anfangs verstand ich nur einzelne Wörter. Mit der Zeit hätte sich mein Verständnis vielleicht verbessert. Ich sah auch mit, was transkribiert wurde – es ist jedoch sehr speziell und ohne Ausbildung nur schwer nachvollziehbar.
Ich habe großen Respekt vor dieser Berufsgruppe und den Menschen, die sie ausüben. Im Trainingszentrum durfte ich einen Blick darauf werfen, was sie alles lernen müssen. Wobei – ehrlich gesagt: Ich konnte es nicht wirklich begreifen. Gut, dass es sie gibt.