
Ich habe mir immer gewünscht, Sevilla zu besuchen. Es dauerte Jahre, bis ich meinen Traum verwirklichen konnte. Andalusien, wo Sevilla liegt, hat meine Erwartungen übertroffen. Die Menschen sind nett, gastfreundlich und gut gelaunt. Der einzige Nachteil für diejenigen, die kein Spanisch sprechen, ist der Fakt, dass von den Einheimischen nur die wenigsten Englisch sprechen (auch die Jungen nicht). Das Essen ist sensationell, das Wetter beständig und kulturell ist es eine Wucht.
Für diesen Januar stand die Alhambra auf unserem Programm. Die Alhambra ist so ein geschichtsträchtiges Wunderwerk, das irgendwann berauschend schön gewesen sein musste und heute faszinierend und unglaublich ist. Sie ist eines der bekanntesten Monumente der islamischen Architektur. Der Bau wurde 1238 von Muhammad I Ibn al-Ahmar initiiert. Die Alhambra steht auf einem Hügel mit Blick auf die Sierra Nevada (mit dem südlichsten Skilift Europas). 1492 wurde die Alhambra durch die Christen erobert und wandelte sich in das königliche Gericht von Ferdinand und Isabella (das sind die beiden, die Christopher Columbus den Auftrag und das Geld für seine Entdeckungsreise gegeben haben und im selben Jahr das Dekret zur Vertreibung der Juden aus Spanien unterzeichnet haben). Isabella wünschte sich, nach ihrem Tod in der Alhambra bestattet zu werden. Das war wahrscheinlich eine sehr herausfordernde Unternehmung. Sie starb am 26.11.1504 in Medina del Campo, einem Ort nördlich von Madrid. Das ist fast 600 km entfernt. Obwohl November, stelle ich mir die Logistik mit Pferden und einem Leichnam als sehr herausfordernd vor. Übrigens, obwohl in der Alhambra bestattet, ist Isabella heute dort nicht mehr zu finden, sondern unter dem Hügel in Granada, auf Anordnung ihres Sohnes. Ob sie sich darüber gefreut hätte, ist eine andere Geschichte.
Nach der Blütezeit (und ich verschweige einen großen Teil der Geschichte – für Details siehe Link: https://en.wikipedia.org/wiki/Alhambra), wurde in der Alhambra nicht mehr investiert, repariert und instandgehalten. Die Bauten begannen zu zerfallen, und die Besitzlosen entdeckten und beanspruchten sie für sich, was wahrscheinlich den Zerfall beschleunigte. Den Rest gab der Alhambra der Besuch von Napoleon und seinen Soldaten, die viel zerstört haben (in die Luft gesprengt haben).
Aber die Alhambra wurde durch die Touristen entdeckt und dank Washington Irving und seinen “Tales of the Alhambra” (1832) international bekannt. Man könnte Irving Washington aus heutiger Sicht als genialen Marketingstrategen (Place-Promoter) bezeichnen. Danach wollten viele diesen Ort sehen, und Granada erkannte im 19. Jahrhundert, dass der Tourismus eine gute Finanzquelle ist, und begann, in die Alhambra zu investieren, reparieren, nachbauen.
Und noch etwas Technisches, das mich völlig fasziniert hat. Die arabischen Ingenieure haben ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem aufgebaut. Die gesamte riesige Festung wurde durch Becken, die auch auf einem höheren Hügel liegen, durch natürliche Neigung der Leitungen mit Wasser versorgt. Die Gärten, die zur Selbstversorgung dienten, wurden bewässert, die Gebäude wurden im Sommer gekühlt, die Bäder wurden bedient. Das System funktioniert bis heute. Beeindruckend, durchdacht, perfekt. Sogar ein Warnsystem mit Schildkröten hat es gegeben, um mögliche Vergiftung durch Feinde rechtzeitig zu erkennen.
Wer hätte nicht Lust bei so viel Geschichte und so viel Speziellem, diesen Ort zu sehen. Aber eben, es wäre naiv zu denken, man kommt, kauft ein Ticket und geht schauen. Man muss im Voraus buchen, einen Pass haben, denn alle Eintrittskarten sind personalisiert, und ohne Pass kommt man gar nicht rein. Alles klar, wir haben frühzeitig für den 2. Januar gebucht. Der 2. Januar ist in Granada ein sehr spezieller Tag, der mit einem Umzug gefeiert wird. Es ist der Tag, an dem sich das muslimische Granada Ferdinand II. und Isabella I. ergeben hat.
Am 2. Januar warte ich am Morgen auf meinen Reiseführer, der 2 Monate im Voraus gebucht wurde. Er kommt nicht. Auch 15 Minuten später nicht. Bei einem Anruf im Reisebüro erklärt mir ein Mitarbeiter, dass für den 3. Januar gebucht wurde. Was für ein Unsinn. Am 3. Januar fliege ich wieder nach Hause, und dazu halte ich in der Hand ein Stück Papier, auf dem mir das Reisebüro Zahlung und Termin für den 2. Januar bestätigt hatte. Die Diskussion ist lang und ärgerlich. Der Mitarbeiter beharrt auf den 3. Januar. Irgendwann gebe ich auf und bitte die Rezeption in meinem Hotel, das Reisebüro anzurufen. Ich bin nicht tausend Kilometer geflogen, um die Alhambra nicht zu sehen! Selbstverständlich gibt es für heute kein einziges freies Ticket, das habe ich schon vorher geprüft. Der Rezeptionist spricht elend lange auf Spanisch mit dem Reisebüro, und ich verstehe nichts, aber der Gesichtsausdruck des Rezeptionisten lässt nichts Gutes erahnen. Es sieht zappenduster aus!! Der Rezeptionist teilt mir mit, dass das Reisebüro mir das Geld zurückerstatten wird. Und dass dies bei einigen anderen Gästen mit diesem Reisebüro ebenfalls passiert ist.
Ok, ich bin wütend und traurig zugleich. Es ist nicht zu ändern. Obwohl ich in dem Hotel wohne, das sich selbst in der Alhambra befindet, komme ich gar nicht rein, weder in die Gärten noch in die Paläste, nirgendwo!! Dann gehe ich halt in die Stadt Granada, besuche die Kathedrale, wo heute Isabella und Ferdinand bestattet sind, sehe den Umzug, und irgendwann im Verlauf des Tages bekomme ich einen Anruf von dem Reisebüro. Sie haben es geschaft, ein Bilett für morgen früh zu organisieren und mit meinem Flug Nachmittag hatte ich 3.5 Stunden Zeit mit einem Reiseführer Alhambra zu sehen. Ich sage sofort ja.

3.5 Stunden anstelle eines ganzen Tages sind wenig, aber besser wenig als nichts. Es hat sich gelohnt. Der Stress am 3.1. war groß – sehr früh aufstehen, packen und dann das Wunderwerk besuchen. Alhambra ist fantastischer als beschrieben. Es ist imposanter, atemberaubender, unglaublicher. Tragt es in eure Bucket List!! Das müsst ihr sehen.
Und übrigens, mir wurde erzählt, dass Bill Clinton Hillary einen Heiratsantrag in der Alhambra gemacht hat. Falls noch weitere Inspiration erforderlich ist.