Kitesurfen

Es war ein herrlicher Tag. Am Vormittag war es windstill und sonnig. Am Nachmittag hat der Wind zugenommen und wurde immer stärker. Die ersten Kitesurfer, die schon am Ufer gewartet hatten, konnten nun starten. Innerhalb kürzester Zeit glitten viele von ihnen über das unruhige Wasser. Wir beobachteten sie. Die farbigen Schirme, die Linien, die sie im Wasser gezogen hatten, das Spiel der Wellen, es war eine tolle Darstellung.

Auf unserer Wanderung konnten wir sie noch lange sehen, auch noch hoch oben am Berg. Dann bog unser Wanderweg in den Wald ab und wir hatten sie aus den Augen verloren. Erst am Abend, als wir wieder am Seeufer angekommen waren, sahen wir sie wieder. Es waren noch 3 oder 4 Kites auf dem See. Der Wind war schwach geworden. Es war schon relativ spät, wir waren müde und liefen zum Restaurant, wo wir zu Abend assen. Die Sonne begann unterzugehen und die Farben am Himmel veränderten sich. Alle Kitesurfer waren verschwunden, bis auf einen. Der Wind wurde wirklich schwach und wir begannen uns zu wundern, warum der Letze immer noch draussen auf dem See war und wie er bei dem schwachen Wind zurück ans Ufer gelangen kann.

Wir hatten unser Essen bestellt und begannen zu essen. Mit vollem Magen, beim Kaffee nach dem Essen schauten wir wieder aufmerksam auf den See und suchten den einsamen Kitesurfer. Er war tatsächlich noch da. Aber der Wind war mittlerweile so schwach, dass er in der Mitte des Sees festsass. Wir machten uns sorgen. Das sah nach einem Unfall aus, nach einer Situation, wo jemand Hilfe benötigt. Wo ruft man an, wenn jemand mitten im See vergeblich versucht zum Ufer zu gelangen? Wahrscheinlich bei der Seepolizei. Aber hat dieser See überhaupt eine Seepolizei? Wir riefen die normale Polizei an und die teilten uns mit, dass wir etwa die zehnten sind, die sie heute wegen diesem Kitesurfer alarmierten. Tatsächlich sahen wir ein paar Minuten später ein Motorboot, welches sich dem Fleck in der Mitte des Sees näherte und daneben zum stillstand kam. Von unserem Standort aus konnten wir leider ohne Feldstecher nicht erkennen, was da draussen genau passierte. Nach einer Viertelstunde näherte sich das Boot wieder dem Ufer und der See war nun komplett leer. Es begann zu dämmern.

Wir haben nie erfahren, was an diesem Tag eigentlich auf dem See passiert war. Es ist aber ein gutes Gefühl zu wissen, dass in der Schweiz so schnell Hilfe kommt und man im Unglück selten allein gelassen wird. Ein unglaubliches Privileg! Ich überlegte mir, wie wäre es aber wenn das Rettungskonzept nicht so gut funktionieren würde. Was hätte ich in dieser Situation gemacht, wenn ich ohne Wind in der Mitte des Sees festgesessen hätte? Ich wäre wohl zum Ufer zurück geschwommen und hätte hoffentlich eine Schwimmweste getragen. Diese Vorstellung war nicht schön.

Image Source: Unsplash.com

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