Michaela Merz

Das Jahr 2019 war ähnlich wie die Prätschalp-Loipe in Arosa

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Schwierig. Sehr schwierig. Es war eine von den anspruchsvollsten Langlaufstrecken die ich je mitgemacht hatte.

Das Jahr 2019 erinnert mich an meinen Langlaufausflug in Arosa am 31. Dezember 2019. Ich war schon ein paar Mal in Arosa und war sogar schon einmal Langlaufen. An Silvester um die Mittagszeit habe ich mich entschieden langlaufen zu gehen. Ich konnte niemand sonst dazu motivieren. Macht nichts. Der Tag war wunderbar, die Sonne schien, als ob es ein Wettbewerb der Helligkeit war. Die Schneebedingungen waren gut.

So bin ich auf Anweisung zu dem Sportgeschäft Carmenna gegangen, um mir die Ausrüstung auszuleihen. Sie hatten alles gehabt, was ich zum Langlaufen brauchte – Ski, Stöcke und auch Schuhe. Ich hatte mich sehr gefreut. Er fragte mich nach meinem Namen und er wollte wissen, wo ich in Arosa wohnte. Ich wusste nicht mal die Adresse, da ich bei Freunden übernachtet hatte. Dann sagte er, dass er meine Telefonnummer braucht und ich gab sie ihm. Ich fragte wo ich zahlen sollte und er antwortete, dass die Zahlung erst bei Rückgabe der Ausrüstung erfolgt. Wow – ich war ziemlich erstaunt. So viel Vertrauen in die Mitmenschen (insbesondere die Fremden), das hat heute ein Seltenheitswert. Ich wusste es zu schätzen aber gleichzeitig fühlte es sich wie eine grosse Verpflichtung an. Ich fragte, wo die Busstation ist, die mich in das Langlaufgebiet bringt und er beschrieb mir den Weg dahin. Es war einfach, zur Tür raus und über die Strasse.

Ich ging gut voll ausgerüstet aus dem Geschäft und sah einige andere Leute mit Langlaufausrüstungen an der Busstation warten. Ich schloss mich denen an und es dauerte nicht lange bis der Bus kam. Wir fuhren einige Station den Berg hoch und plötzlich machten sich alle Langläufer am Aussteigen bereit. Ich war verunsichert, weil mir die Einheimische empfohlen haben nicht im Gebiet „Golfplatz“ – Loipe Prätschalp langlaufen zu gehen, sondern in Isel. Da hingen aber Tafeln mit der Anschrift «Golfplatz». Ich fragte den Busfahrer und tatsächlich war ich im falschen Ort gelandet. Aber die Sonne schien so schön und ich dachte so viel schlimmer kann es nicht sein. Ich stieg aus dem Bus aus und montierte meine Ausrüstung. Was ich nicht fand, war eine Tafel mit der Routenbeschreibung. Macht nichts, dachte ich mir. Mir war es nach Bewegung und so begann ich und genoss die Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht und die wunderschöne Aussicht. Nach ein paar Metern entdeckte ich eine Tafel, die zeigte, dass die Strecke 8 km lang ist. 8 Kilometer flach, das hat man locker in einer Stunde dachte ich mir. Es war kurz nach 1 Uhr am Nachmittag. Genau das richtige für mich. Ich bog ab und nach kürzester Zeit kam eine Abfahrt mit einer Warntafel – „sehr schwere Abfahrt“. Das konnte mich nicht abschrecken aber da ich Orts unkundig war, fragte ich einen älteren Herrn, der in die andere flache Richtung abbiegen wollte, wie schwer da diese Loipe ist. Er sagte: »geht so» und es klang nicht so, als ob es sehr anspruchsvoll wäre. «Was ist die Höhedifferenz?», wollte ich von ihm wissen und er antwortete, dass es etwas mehr als 50 m sein sollten. Ich dachte mir, dass schaffe ich locker und fuhr los.

Die Abfahrt war sehr steil und sehr lang. Das machte mir nichts aus. Ich bin eine geübte Skifahrerin und ein „Hügel“ haut mich nicht so schnell um. Im Gegenteil, ich genoss die lange Abfahrt und wunderte mich, dass sie so lange ist. Da war ich also, mitten im Wald und die Sonne konnte man ahnen, aber nicht mehr spüren. Es wurde dunkel und irgendwie unheimlich. Danach begann ein Aufstieg. Aber was für einer!!! 215 Höhemeter Mitten im Wald. Ich schätze etwa 4 Kilometer. Ich bin nicht mehr 20 Jahre alt, aber meine Kondition sollte 4 Kilometer Aufstieg mitmachen. Aber dieser Aufstieg als Saisonstart auf den Langlaufski zu bewältigen, brachte mich an den Rand meiner Kräfte. Ich wurde nur zweimal überholt – sonst war ich die ganze Zeit Mutterseelenalleine. Ich musste mir zugestehen, dass diese gewählte Strecke meine physischen Fähigkeiten als Saisonstart übersteigt. Aber ich war irgendwo am Ende der 4 Kilometer und Aufgeben und zurückkehren machte gar kein Sinn (auch wenn ich nicht wusste, was auf mich noch erwartet). Ich war durchgeschwitzt, von Kopf bis Fuss, rot im Gesicht vor Anstrengung und ich war kurz davor aufzugeben, aus den Ski zu steigen und irgendwo hinzugehen, wo die Gegend flacher und weniger anspruchsvoll ist. Das war jedoch ein Wunsch, der kaum in Erfüllung gehen konnte. Man kann nicht in der Mitte des Waldes in einer Loipe, die nicht dazu gemacht ist, da zu wandern, die Ski abziehen und der Rest zu Fuss gehen. Die Grundlage ist viel zu weich, und man wird höchstwahrscheinlich im Schnee einbrechen. Das Gehen wäre dann noch anspruchsvoller als das Langlaufen in einen steilen Hang. Abgesehen davon, ist es verboten, weil man so die Loipe zerstören würde. Ich biss die Zähne zusammen und machte weiter. Es brauchte ein paar Verschnaufpausen aber irgendwie hatte ich es geschafft, den höchsten Punkt in 1970 m Höhe, kurz vor der Prätschalp mit einem phänomenalen Ausblick, zu erreichen. Ich genoss es und war stolz auf mich. Als Belohnung stand mir noch eine sensationelle Abfahrt zurück zur Bus-Station bevor. Und endlich da, entdeckte ich die Tafel.

Jetzt war alles klar. Ich hatte tatsächlich, die unmöglichste Strecke als Einstieg gewählt und vor lauter Ehrgeiz, hatte ich weniger lang für die Strecke als die Zeitangabe vorgab. Dafür war ich jetzt aber ziemlich k.o. und für weitere einfachere Strecke, hatte ich keine Lust mehr gehabt.

Diese Langlaufstrecke Prätschalp in Arosa, beschreibt für mich mein Jahr 2019 ziemlich treffend. Es hat lustig und spektakulär angefangen, wurde immer schwieriger und anspruchsvoller und hat mir alle meine Kräfte abverlangt. Aufs Ende zu, wurde es dann wieder lustiger und spassiger aber die Mittlere Strecke war einfach „zum Davonlaufen“. Nur ging das einfach nicht (abgesehen davon, ist es nicht der Lösungsansatz, der für mich in schwierigen Situationen in Frage kommt).

Ich dachte nach dieser Übung werde ich spätestens um 10 Uhr am Abend für nichts mehr zu gebrauchen sein und erlebe das Kommen des Jahres 2020 im Schlafen. Überraschenderweise hat mir das Langlaufen hingegen irgendwie zusätzliche Energie beschert. Ich tanzte die halbe Nacht. Den Countdown habe ich mit vielen unbekannten Leuten draussen am See in Zentrum des Dorfes mit Musik und Feuerwerk erlebt. Es war wunderbar.

Das Jahr 2019 ist tot, es lebe das Jahr 2020 und es möge besser sein!!

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