Michaela Merz

Vreni und ihre Geschichten

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Wir drei Mädel haben uns immer in dem gleichem Café getroffen. So haben wir auch Vreni kennengelernt. Vreni hat in diesem Café gearbeitet und war unglaublich hübsch. Blonde Haare, blaue Augen, perfekte zierliche Figur und ein umwerfendes Lachen. Sie war immer ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Wir haben sie und ihre Dienste sehr geschätzt und haben es durch unser Trinkgeld demonstriert. Wir erfuhren mehr und mehr über sie. Sie war die jüngste aus einer grosse Bauernfamilie. Sie hatte fünf ältere Geschwister und hatte aber leider keine abgeschlossene Ausbildung. Sie hatte zwei Stellen im Gastgewerbe, die ihr zusammen 100% Arbeit brachten aber leider keine Beiträge in die Pensionskasse, weil sie in keinem Job die notwendige Schwelle überschritten hatte.

Wir haben ihr empfohlen, mit beiden Arbeitgebern zu sprechen, weil freiwillig wäre es schon möglich ihren Lohn in einer von diesen zwei Pensionskassen zu versichern. Keiner ihrer beiden Arbeitgeber war bereit es für sie zu tun. Da nützt das Wissen nichts, wenn das gesetzliche Minimum zu Ungunsten der Teilzeitarbeitenden und derjenigen mit mehreren Stellen ist.

Wir haben dann zumindestens die Säule 3a, das freiwillige, steuerpriviligierte Sparen für das Alter empfohlen und Vreni hat es zu unserer Überraschung sehr schnell umgesetzt mit der Aussage anstelle in die Ferien zu gehen für ihr Alter zu sorgen. Wir alle drei waren von ihrem langfristigen Planungshorizont sehr beindruckt.

Eines Tages sagte sie uns, dass sie schwanger sei und heiraten wird. Vreni strahlte von Glück und wir gönnten es ihr. Schlussendlich wurde sie dieses Jahr vierzig. Wir sahen ihren Bauch wachsen und dann verschwand sie in den kurzen Mutterschafsurlaub. Als sie zurück kam, wirkte sie müde und matt. Das Lachen kam weniger oft. Der Alltagsstress mit unendlichen Pflichten hat sie eingeholt. Sie kämpfte weiter, aber unsere Zeit für einen Schwatz mit ihr wurde immer kürzer.

Eines Tages kam sie und wirkte antriebslos und verunsichert. Ihr Mann, der alleine in die Ferien nach Kosovo gefahren war, kam nicht zurück. Er rief sie an und teilte ihr mit, dass er in seiner Heimat bleiben werde. Sie versuchte, ihn zu überzeugen aber er liess mit sich nicht wirklich sprechen. In seinen Plänen hatten die Zwei keinen Platz.

Sie blieb mit ihrer kleinen Tochter, einem kleinem Lohn ohne Unterstützung auf sich selber gestellt. Ein ungerechtes, nicht einfaches Schicksal.

Das Sozialamt wird für das Materielle teilweise einspringen können. Für das Emotionale bleibt sie jedoch auf sich allein gestellt.

Mir wäre wohler, könnte ich lustigere Geschichten mit gutem Ausgang erzählen.

Aber die Geschichte von Vreni ist noch nicht zu Ende und ein Happy end kann noch kommen. Ich wünsche es Vreni sehr.

Bildquelle: Radka Schöne  / pixelio.de

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